Darum gehts
- Genf-Servette gewinnt 7:3 gegen Fribourg im zweiten Playoff-Halbfinal in Genf
- Christoph Bertschy erzielt zwei Tore und verpasst Hattrick nur knapp
- Reto Berra mit nur neun Paraden und 67 Prozent Abwehrquote ersetzt
Fast-Wende
Während 45 Minuten fehlt das Salz im Game 2. Von Pfeffer ganz zu schweigen. Servette hat das Spiel im Griff, ohne die Brechstange auspacken zu müssen, und führt 4:0. Auch der erste Treffer in seinen letzten Playoffs von Gottéron-Captain Julien Sprunger scheint nur eine Ehrenmeldung zu sein. Doch nach den beiden Toren von Christoph Bertschy wird es wild im Westen. Servette verliert jegliche Ordnung, Fribourg drückt auf den Ausgleich und kommt zu mehreren guten Chancen. Bertschy verpasst mit einem Pfostenschuss den Hattrick. Und selbst das 5:3 von Matthew Verboon kann die Genfer Panik noch nicht vertreiben. Fribourg-Coach Roger Rönnberg ersetzt seinen Goalie durch einen sechsten Feldspieler und sorgt damit noch einmal für brenzlige Szenen vor Goalie Stéphane Charlin, ehe Jan Rutta und Vincent Praplan mit ihren Emptynettern am Ende die 4-Tore-Differenz wieder herstellen. 4:0, 4:3, 7:3 – was für eine wilde Torfolge!
Goalie-Wechsel
Es ist ein bitterer Abend für Reto Berra. Der Nati-Keeper wird nach vier Gegentoren in der 34. Minute durch Ersatzkeeper Loïc Galley ersetzt. Berra kommt nur auf neun Paraden und eine Abwehrquote von 67 Prozent, doch an keinem Gegentreffer trägt er die Schuld. Beim Hocheckschuss von Vili Saarijärvi im Powerplay ist ihm die Sicht verdeckt, beim 0:2 kommt Giancarlo Chantons Schuss anders als erwartet, weil der Verteidiger den Puck nicht wie gewollt trifft. Und bei den letzten beiden Toren tauchen Jimmy Vesey und Tim Bozon alleine vor ihm auf. Galley bekommt danach nur vier Schüsse aufs Tor. Doch beinahe gelingt ihm das Gleiche wie Robert Mayer, der im Viertelfinal in Lausanne beim Stand von 0:3 eingewechselt worden war, als Servette noch 4:3 gewann und das Aus verhinderte.
Wechsel-Fehler
Gottéron-Coach Roger Rönnberg konnte es kaum fassen. In den ersten sechs Minuten handelte sich sein Team gleich zwei Strafen ein, weil zu viele Spieler auf dem Eis waren. Bei der ersten Strafe kassierten die Fribourger gleich das erste Gegentor durch Vili Saarijärvi.
Unterstützung für Super-Finnen
Servette-Coach Ville Peltonen forciert seine Finnen-Troika mit Markus Granlund, Sakari Manninen und Jesse Puljujärvi zunächst erneut, kann aber erleichtert zur Kenntnis nehmen, dass auch die zweite Linie und die vierte Reihe Tore zum Sieg beisteuern. Und der dritte Sturm, bei dem Luca Hischier überraschend Marc-Antoine Pouliot (nur auf der Bank) ersetzt, kommt in der Schlussminute beim zweiten Emptynetter zum 7:3 durch Vincent Praplan ebenfalls noch zu einem Tor.
Erlösung
Als Christoph Bertschy das 2:4 erzielt, denkt man, dass der Treffer nur statistischen und moralischen Wert habe. Es ist das erste Powerplay-Tor der Fribourger in den Playoffs. Im 36. Anlauf nach 63 Minuten und 37 Sekunden in Überzahl klappt es endlich. Damit bleiben die ZSC Lions 2016 und Lugano 2012 die einzigen Teams, die in den letzten Jahren ohne Powerplay-Tor in den Playoffs blieben. Da ist es zweitrangig, dass die Strafe vor Bertschys Tor gegen Captain Noah Rod ein Witz war.
Durststrecke beendet
Mit Julien Sprunger, der davor acht Spiele ohne Treffer geblieben war, und Tim Bozon (neun Spiele torlos) erzielen ihre ersten Tore in den Playoffs. Die Stürmer, die nun am längsten auf ein Erfolgserlebnis warten: Samuel Walser (13 Spiele), Noah Rod (11), Marco Miranda (10), Sakari Manninen, Luca Hischier und Marc-Antoine Pouliot (alle 9).
Warum sitzt Borgström?
Im Schlussdrittel sitzt Fribourg-Topskorer Henrik Borgström zunächst draussen. Erst als Gottéron im Powerplay spielen kann und darauf das Spiel plötzlich wieder spannend wird, darf der Finne wieder ran. Wollte ihm Trainer Roger Rönnberg einen Denkzettel verpassen oder ihn schonen?
Rathgeb getroffen und am Reklamieren
Vor dem dritten Gegentreffer erwischt Servette-Haudegen Jan Rutta den nach vorne stürmenden Yannick Rathgeb im Zweikampf mit dem Ellbogen im Gesicht. Der Fribourg-Verteidiger geht zu Boden, fasst sich an den Mund, um zu checken, ob er blutet, reklamiert bei den Schiedsrichtern und lässt sich auswechseln. Ex-Schiedsrichter Nadir Mandioni findet bei Mysports, dass zu Recht keine Strafe für die Charge des überragenden Tschechen ausgesprochen wurde. Eine Meinung, die Ex-SCB-Sportchef und Mysports-Experte Alex Chatelain nicht teilt.
Johnson bezahlt Lehrgeld
Zu Beginn der Playoffs war Ludvig Johnson bei Gottéron überzählig auf der Tribüne. Seit der Verletzung von Andrea Glauser darf der talentierte 19-Jährige aber ran. Am Ostermontag steht er nur etwas mehr als neun Minuten auf dem Eis, erwischt aber einen gebrauchten Abend. So entblösst er beim 0:3 übermotiviert die Defensive. Am Schluss steht er mit einer Minus-3-Bilanz da.


