Die Buffalo Sabres haben seit 2011 keine Playoff-Serie verloren. Dieser Treppenwitz war im Dunstkreis der NHL nur einer der vielen Kalauer, die man sich über die notorisch erfolglose NHL-Franchise aus dem Norden des US-Gliedstaats New York erzählte. Die Pointe? Die Sabres haben seit 2011 stets die Playoffs verpasst.
Aber jetzt ist alles anders: Buffalo ist mittendrin, und die meinen es ernst. In der Eastern Conference gehören sie plötzlich zu den Besten. «Wie das?», fragt man sich auch in Nordamerika. Eine belastbare Antwort hat aber noch keiner gefunden. Buffalo war wie üblich miserabel in die Saison gestartet. Mitte Dezember 2025 setzte der Besitzer Terry Pegula seinen General Manager Kevyn Adams vor die Tür und ersetzte ihn durch den Finnen Jarmo Kekäläinen.
Hockeyteam besteht nicht nur aus Chorknaben
Seither ist Buffalo im Hoch. Aber wie will man das erklären? Ist ja nicht so, dass Kekäläinen die halbe Mannschaft ausgetauscht hätte. Den Trainer Lindy Ruff hat er auch nicht gefeuert. Aber kaum war Kekäläinen da, setzten die Sabres zum Turnaround an, und der hält bis heute an.
Die Sabres sind seit Monaten das beste Team der NHL, erfolgreicher noch als die starken Teams der Central Division (Colorado, Dallas, Minnesota) im Westen. Der Wechsel auf dem GM-Posten war offenbar ein Teilchenbeschleuniger für die Moral – aber eine wissenschaftliche Erklärung für diesen Aufschwung ist auch er nicht.
In «The Athletic» erzählte Kekäläinen kürzlich von seiner ersten Anstellung als GM bei HIFK Helsinki. Damals verpasste die Mannschaft nach einer langen Erfolgsserie erstmals die Playoffs. «Es gab verschiedene Charaktere, und das führte zu Spannungen», sagte Kekäläinen. «Ich habe dabei gelernt, dass ein Hockeyteam nicht nur aus Chorknaben bestehen kann, damit musst du als Manager umgehen können.»
Modefans willkommen auf dem Jubelzug
Der Erfolg hat auch einen Nebeneffekt: Die Sabres sind plötzlich populär, in verschiedenen Fanforen werden sogenannte «Bandwagon»-Fans (in etwa: Modefans) explizit eingeladen, sich dem Jubelzug der Sabres anzuschliessen. Zu den Titelfavoriten mag man Buffalo zwar nicht zählen, aber für Eigentümer Pegula ist allein die Playoff-Teilnahme eine Erlösung: Er hatte die Franchise im Februar 2011 gekauft, die Mannschaft qualifizierte sich damals locker für die Playoffs, scheiterte aber in der ersten Runde.
Die Sportstadt Buffalo sei verhext, heisst es. 1901 war US-Präsident McKinley in Buffalo einem Attentat zum Opfer gefallen, seither laste ein Fluch auf der Stadt. Die Bills standen von 1990 bis 1993 viermal in Folge im Super Bowl und verloren jedes Mal. Die Sabres verloren 1999 den Stanley-Cup-Final aufgrund eines irregulären Tores in der dritten Verlängerung.
Ein Schicksalsschlag als Omen?
Der dienstälteste Spieler der Sabres ist Verteidiger und Captain Rasmus Dahlin (25). Der First-Overall-Pick von 2018 spielt seither in Buffalo, die NHL-Saison war für ihn bisher stets nach der Regular Season vorbei. Einen Glücksmoment hat Dahlin bereits vor den Playoffs erlebt: Seine Verlobte Carolina ist nach einer Herztransplantation und monatelanger Rekonvaleszenz in Schweden erst kürzlich nach Buffalo zurückgekehrt. Wenn das kein gutes Omen ist!