«Würde auch die Flaschen füllen»
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WM-Neuling Attilio Biasca:«Würde auch die Flaschen füllen»

Neulinge Biasca und Rochette
Von Nati-Fans zu WM-Spielern

Gezittert haben beide, bis sie von Nati-Trainer Jan Cadieux am Montag den erlösenden Telefonanruf erhielten. Nun stehen Attilio Biasca und Théo Rochette vor ihrer ersten WM.
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WM-Neuling 1: Attilio Biasca.
Foto: Sven Thomann
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Marcel AllemannReporter Eishockey

Mit dem Eröffnungsspiel gegen die USA erwartet die Nati am Freitagabend zum Auftakt der Heim-WM ein Knaller. Es ist die Revanche für die bittere 0:1-Niederlage nach Verlängerung im letztjährigen WM-Final in Stockholm. Attilio Biasca (23) litt damals daheim auf dem Sofa mit. In liegendem Zustand, mit einem Gips am Fuss, weil er sich zuvor während der WM-Vorbereitung verletzt hatte. Vergebens drückte auch Théo Rochette (24) in seinem kanadischen Zweitwohnsitz Québec der Schweiz vor dem TV-Gerät die Daumen.

Nun müssen Biasca und Rochette nicht mehr als Nati-Fans mitfiebern, sondern sind als WM-Neulinge selbst mittendrin. Am Montag kam der Anruf mit der frohen Botschaft von Nati-Trainer Jan Cadieux (46). Zuvor hatten die beiden unruhige Stunden durchlebt, in denen viele Gedanken durch ihren Kopf kreisten. «Da ist man schon nervös, ich denke, das ist menschlich», so Biasca. «Ich war mir nicht sicher, wie es ausgehen würde», sagt Rochette.

Mit Arroganz zum nächsten Schritt

Mit Fribourg ist Biasca vor zwei Wochen erstmals Meister geworden und jetzt das erste WM-Aufgebot – es ist eine märchenhafte Zeit für den Powerflügel: «Ich bin sehr stolz und glücklich. Es zeigt mir, dass sich die vielen harten Trainings lohnen.» Bei Gottéron hat der zuvor in Zug gross gewordene Stürmer diese Saison nochmals einen grossen Schritt gemacht. «Dadurch, dass ich meine Komfortzone verlassen habe, musste ich mich neu beweisen und mir alles zuerst verdienen. In Zug war ich noch zurückhaltender, in Fribourg will ich einer jener Spieler sein, der den Unterschied ausmachen kann. Ich habe inzwischen diese Arroganz, bin überzeugt, dass ich das kann», erklärt er dazu.

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Sandro Aeschlimann (Goalie, Davos).
Foto: Sven Thomann

Rochette war diese Saison mit 22 Treffern der beste Schweizer Torschütze in der National League, auch der Lausanne-Stürmer hat sich nochmals weiterentwickelt. In der letzten Phase der WM-Vorbereitung zeigte der schweizerisch-kanadische Doppelbürger auch, dass er mit der internationalen Härte umzugehen weiss. Zuvor wurde dies bei ihm oft angezweifelt. «Ich werde nie ein Spieler sein, der die anderen in die Bande wuchtet. Aber es geht darum, dass ich mich auf diesem Level durchsetzen kann. Da habe ich in den letzten Wochen viel dazugelernt und fühle mich immer wohler», sagt er. 

Väter im Dienste des Hockeys

Biasca und Rochette. Sie verbindet nicht nur ihr Status als WM-Neulinge, sondern auch, dass beide über Väter verfügen, die sich seit vielen Jahren im Hockey engagieren. Attilios Vater Nicola Biasca (63) als Teamarzt von Ambri, nachdem er zuvor einst selbst für die Leventiner in der NLB spielte. Théos Vater Stéphane Rochette (57) zog von Kanada in die Schweiz, um hier während 14 Jahren als Profi-Schiedsrichter tätig zu sein. Seit neun Jahren ist er inzwischen als Experte für den französischen Mysports-Sender aktiv.

Doch die Hockey-Karrieren ihrer Söhne stellen dies familienintern natürlich in den Schatten, durch die WM-Teilnahme erst recht. «Ich nehme Moment für Moment und fokussiere mich auf meine Rolle», sagt Biasca vor seinem ersten WM-Abenteuer. «Ich werde es geniessen, unabhängig davon, ob ich spiele oder nicht. Und wenn ich zum Einsatz komme, werde ich alles tun, um der Mannschaft zu helfen», verspricht Rochette.

Allerdings gibt es für beide auch noch ein Schreckensszenario. Dieses sieht so aus, dass einer von ihnen doch noch weichen muss, wenn der angeschlagene NHL-Stürmer Philipp Kurashev (26) zum Team stossen sollte. Biasca dazu: «Ich konzentriere mich auf das, was ich beeinflussen kann. Dazu gehört, im Training zu zeigen, dass ich in diese Mannschaft gehöre.»

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