Heimnachteil, Absage, Fischer-Wirbel
Wird die Nati ihren Heim-WM-Fluch endlich los?

Die Hockeywelt zu Gast in der Schweiz. Mittendrin die Nati mit ihrer goldenen NHL-Generation und grossen Zielen. Können Roman Josi und Co. auch die Dämonen des Heim-WM-Fluchs besiegen?
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Ein enttäuschter Nati-Trainer Ralph Krueger nach dem Ausscheiden an der Heim-WM 2009.
Foto: Melanie Duchene
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Marcel AllemannReporter Eishockey

Faktisch findet zum zehnten Mal eine Eishockey-WM in der Schweiz statt. Wobei es eigentlich erst die Achte ist, denn zweimal wurden die Olympischen Spiele in St. Moritz 1928 und 1948 zugleich auch als WM gewertet. Und mit der Schweiz als Teilnehmer ist es sogar erst die Fünfte, denn dreimal (1961, 1971 und 1990) war sie als Gastgeberland gar nicht qualifiziert.

Wenn die Schweiz am Start war, dann war es lange eine Erfolgsgeschichte, daheim antreten zu können. Vier Medaillen gab es zwischen 1928 und 1948 (siehe Box) und bei der Rückkehr als Gastgeber ans eigene Turnier 50 Jahre später, gelang 1998 der überraschende Vorstoss in die Halbfinals. Doch im neuen Jahrtausend stehen die Heim-Weltmeisterschaften bislang unter einem unglücklichen Stern.

«Heimnachteil» erreicht Legendenstatus

2009 beim Turnier in Bern und Kloten waren die Erwartungen gross, der damalige Nati-Trainer Ralph Krueger (66) hatte die Eishockey-Schweiz zuvor mit regelmässigen Vorstössen in die K.o.-Phase wieder wachgeküsst. Doch ausgerechnet an der Heim-WM ging es schief, eine unerwartete 1:2-Niederlage nach Penaltyschiessen gegen Lettland kostete die Nati letztlich die Viertelfinals.

Es war eine Verkrampfung auszumachen, die sich durch das ganze Turnier zog. Krueger sprach anschliessend vom «Heimnachteil», ein Wort, das anschliessend Legendenstatus erreichte. Er begründete es mit dem enormen Druck, der hohen Erwartungshaltung und den vielen Verpflichtungen vor dem eigenen Publikum, was die Leistung beeinträchtige. Später bezeichnete Krueger seine Wortwahl als unglücklich, hielt aber daran fest, dass eine Heim-WM eine grosse mentale Herausforderung ist.

Josi als Einziger von 2009 noch immer dabei

An den Haaren herbeigezogen war der «Heimnachteil» in der Tat nicht, denn er erfasste für 25 Jahre auch die Grossen des Welteishockeys. Von 1987 bis 2012 war es keinem von ihnen als Gastgeber mehr gelungen, dem Druck standzuhalten und daheim Gold zu holen. Bis Schweden 2013 diesem Fluch den Garaus machte und in Stockholm triumphierte. Leider im Final gegen die Schweiz. 2022 holte auch Finnland Heim-Gold und 2024 Tschechien. Es ist also möglich. 

Bisherige Eishockey-Weltmeisterschaften in der Schweiz

1928 in St. Moritz (Olympische Spiele, wurden zugleich auch als WM gewertet)
Gold: Kanada, Silber: Schweden, Bronze: Schweiz

1935 in Davos
Gold: Kanada, Silber: Schweiz, Bronze: Grossbritannien

1939 in Zürich und Basel
Gold: Kanada, Silber: USA, Bronze: Schweiz

1948 in St. Moritz (Olympische Spiele, wurden zugleich auch als WM gewertet)
Gold: Kanada, Silber: Tschechoslowakei, Bronze: Schweiz

1961 in Genf und Lausanne
Gold: Kanada, Silber: Tschechoslowakei, Bronze: UdSSR - Schweiz in WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland (5:6 n.V.) gescheitert

1971 in Bern und Genf
Gold: Sowjetunion, Silber: Tschechoslowakei, Bronze: Schweden - Schweiz nicht qualifiziert, spielt an der B-WM

1990 in Bern und Fribourg
Gold: Sowjetunion, Silber: Schweden, Bronze: Tschechoslowakei - Schweiz nicht qualifiziert, spielt an der B-WM

1998 in Zürich und Basel
Gold: Schweden, Silber: Finnland, Bronze: Tschechien - Schweiz auf Rang 4

2009 in Bern und Kloten
Gold: Russland, Silber: Kanada, Bronze: Schweden - Schweiz auf Rang 9, verpasst Viertelfinals

2020 in Zürich und Lausanne
Abgesagt wegen Covid-Pandemie

1928 in St. Moritz (Olympische Spiele, wurden zugleich auch als WM gewertet)
Gold: Kanada, Silber: Schweden, Bronze: Schweiz

1935 in Davos
Gold: Kanada, Silber: Schweiz, Bronze: Grossbritannien

1939 in Zürich und Basel
Gold: Kanada, Silber: USA, Bronze: Schweiz

1948 in St. Moritz (Olympische Spiele, wurden zugleich auch als WM gewertet)
Gold: Kanada, Silber: Tschechoslowakei, Bronze: Schweiz

1961 in Genf und Lausanne
Gold: Kanada, Silber: Tschechoslowakei, Bronze: UdSSR - Schweiz in WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland (5:6 n.V.) gescheitert

1971 in Bern und Genf
Gold: Sowjetunion, Silber: Tschechoslowakei, Bronze: Schweden - Schweiz nicht qualifiziert, spielt an der B-WM

1990 in Bern und Fribourg
Gold: Sowjetunion, Silber: Schweden, Bronze: Tschechoslowakei - Schweiz nicht qualifiziert, spielt an der B-WM

1998 in Zürich und Basel
Gold: Schweden, Silber: Finnland, Bronze: Tschechien - Schweiz auf Rang 4

2009 in Bern und Kloten
Gold: Russland, Silber: Kanada, Bronze: Schweden - Schweiz auf Rang 9, verpasst Viertelfinals

2020 in Zürich und Lausanne
Abgesagt wegen Covid-Pandemie

Vom aktuellen Team war Captain Roman Josi (35) als einziger 2009 schon dabei. Damals als 18-jähriger Rookie. Bis auf den nicht mehr für die Nati spielenden ZSC-Verteidiger Yannick Weber (37) sind alle anderen des damaligen WM-Kaders im Ruhestand, zuletzt hat diesen vor knapp zwei Wochen Julien Sprunger (40) angetreten.

Covid zieht Heim-WM den Stecker

Die Fribourg-Legende, die ihre Karriere mit dem abschliessenden ersten Meistertitel krönen durfte, sorgte an der Heim-WM 2009 ebenfalls für Aufregung. In der abschliessenden Partie gegen die USA (4:3 n.V.) wurde er vom Amerikaner David Backes (42) übelst in die Bande gecheckt. Den Fans im Stadion und vor den TV-Geräten stockte der Atem, als der Stürmer regungslos am Boden lag. Sprunger zog sich eine Verletzung an der Halswirbelsäule zu, musste operiert werden und hatte Glück im Unglück, dass er mit einer dreimonatigen Pause davonkam.

2020, nachdem die Nati in der Zwischenzeit 2013 und 2018 zwei WM-Silbermedaillen geholt hatte, sollte alles besser werden. Doch dann setzte Covid die ganze Welt ausser Gefecht, inklusive Sport und der geplanten Heim-WM in Zürich und Lausanne. Welch ein Frust für das OK, das auf der Zielgeraden feststellen musste, dass die ganze Arbeit für die Katz war.

Ausnahmezustand nach Fischer-Entlassung

Nun also 2026 der nächste Anlauf, mit inzwischen nochmals zwei weiteren WM-Silbermedaillen (2024, 2025) auf der Visitenkarte. Aber die Euphorie wird bereits im Vorfeld auf eine harte Probe gestellt. Dass Erfolgstrainer Patrick Fischer einen Monat vor dem Grossanlass entlassen werden muss, weil seine Fälschung des Covid-Zertifikates wegen einer Plapperei aufgeflogen ist und dadurch ein Ausnahmezustand um die Nati entsteht, hätte es wirklich nicht gebraucht. Auch einige Resultate in der WM-Vorbereitung (1:8-Schmach gegen Schweden) waren nicht ermutigend.

Und doch scheint es so, dass sich die von ihrer goldenen Generation mit den erfahrenen NHL-Leadern angeführte Nati rechtzeitig zusammengerauft hat und Grosses im Schilde führt. So dass sich diese Dämonen des Heim-WM-Fluchs doch noch besiegen lassen. Mit Roman Josi, dem letzten verbliebenen Spieler von 2009, der als Galionsfigur vorangeht, würde sich der Kreis schliessen.

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Eishockey-WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Österreich
Österreich
0
0
0
1
Finnland
Finnland
0
0
0
1
Deutschland
Deutschland
0
0
0
1
Großbritannien
Großbritannien
0
0
0
1
Ungarn
Ungarn
0
0
0
1
Lettland
Lettland
0
0
0
1
Schweiz
Schweiz
0
0
0
1
USA
USA
0
0
0
Playoffs
Abstieg
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kanada
Kanada
0
0
0
1
Tschechische Republik
Tschechische Republik
0
0
0
1
Dänemark
Dänemark
0
0
0
1
Italien
Italien
0
0
0
1
Norwegen
Norwegen
0
0
0
1
Slowakei
Slowakei
0
0
0
1
Slowenien
Slowenien
0
0
0
1
Schweden
Schweden
0
0
0
Playoffs
Abstieg
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