Darum gehts
Im Februar holte sie noch Olympia-Bronze mit der Frauenhockey-Nati. Jetzt steckt Alina Müller (28) schon in der Vorbereitung auf die neue Saison in der Profiliga PWHL, wo sie einen emotionalen Wechsel nach drei Jahren bei Boston zum neu gegründeten Team in Hamilton in Kanada hinter sich hat. Trotzdem nimmt sich der Nati-Star Zeit für ein Herzensprojekt: Müller hat am vergangenen Wochenende in Engelberg das erste reine Mädchenhockey-Camp der Schweiz veranstaltet.
Vor ungefähr einem Jahr entstand die Idee, mit dem Campveranstalter Edgework und dem Textilausrüster Aycane ein Lager nur für Mädchen zu organisieren. «Am Anfang herrschte Ungewissheit darüber, ob das Ganze laufen wird», erklärt Müller gegenüber Blick. «Wir rechneten mit zwölf Anmeldungen. Am Schluss war es mehr als ausverkauft mit 22 teilnehmenden Spielerinnen und zwei Goalies.» Der Bedarf an solchen Camps ist offenbar vorhanden.
Vier bis fünf Spielerinnen pro Coach
Dabei betont Müller, dass die Anzahl der Teilnehmerinnen bewusst auf 22 Spielerinnen und zwei Goalies beschränkt ist. «Wir wollen dabei die Qualität beibehalten. Wir sind jetzt bei vier bis fünf Spielerinnen pro Coach und können somit besser individuell mit den Teilnehmerinnen arbeiten.» Neben der Nati-Spielerin, die auf dem Eis vor allem für Stocktechnik-Übungen zuständig ist, besteht das Trainerteam aus den ehemaligen Profis Corsin Camichel (45), Henric Andersén (35) und Tobias Granath (46).
Camichel, der bei der Frauen-Nati als Mental-Coach im Einsatz steht, bringt seine Kenntnisse im Camp ein und steht ebenfalls auf dem Eis. Andersén und Edgework-Gründer Granath spielten früher in Schwedens zweithöchster Liga und in Frankreichs Top-Liga. Und mit Müller steht eine der aktuell besten Hockeyspielerinnen der Schweiz auf dem Eis. Sie bringt die Erfahrung aus nun drei Jahren in der Profi-Liga PWHL und fünf Jahren in der College-Liga NCAA mit.
«Du musst die Extrameile gehen»
Jetzt spannen Müller und Granath zusammen – und richten das Angebot erstmals exklusiv an Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren. Private Hockeycamps gibt es zwar viele, ein reines Mädchenlager ist in der Schweiz aber eine Premiere. Müller betont gegenüber Blick, dass das Niveau auch beim Frauenhockey stetig steigt, besonders bereits im jungen Alter. «Wenn man heutzutage gut werden will, muss man diese Extrameile noch mehr gehen», erklärt die Stürmerin.
Und weiter: «Man muss sowohl auf als auch neben dem Eis zusätzliche Zeit ins Training investieren, um sich von der Masse abzuheben – im Gegensatz zu früher. Besonders in der Schweiz warst du über Jahre hinweg besser als die meisten, wenn du bei den Juniorinnen gut warst. Ich glaube, das beginnt sich zu ändern.»
Die richtige Motivation ist entscheidend
Auf die Frage, ob Mädchen noch drumherum kommen, zusätzliche Trainingseinheiten ausserhalb des Vereins zu absolvieren, wenn sie an die Spitze möchten, antwortet Müller mit: «Ich kann es aus eigener Erfahrung nicht genau sagen. Bei mir war es nicht so. Zwar gab es bereits damals ähnliche Angebote, doch die wurden erst im höheren Alter wahrgenommen», erklärt die Nati-Spielerin.
Und weiter: «Heute beginnen sie bereits im Alter von zehn Jahren mit Extratrainings – (lacht). Je nach Umstand finde ich es gut.» Müller betont dabei, dass es wichtig sei, woher die Motivation für die Extraeinheiten kommt. Es sei der falsche Ansatz, wenn Kinder den Druck von den Eltern verspüren.
In ihrem Camp zeigt Müller den Mädchen, wie ihr Alltag als Profi auf und neben dem Eis aussieht. Sie will den Nachwuchsspielerinnen vermitteln, dass man heute auch als Frau vom Eishockey leben kann. Gleichzeitig gibt sie die Erfahrungen weiter, die sie während ihrer eigenen Karriere gesammelt hat. «Damit sie jetzt nicht die gleichen Fehler machen, die wir bereits vor zehn Jahren gemacht haben.»