Darum gehts
- Swisscom streicht regelmässig Stellen, betroffen sind oft ältere Mitarbeitende über 50
- Konzerne haben den Anreiz, Personenfreizügigkeit und liberale Arbeitsgesetze auszunutzen
- Die Zeche zahlen ältere Mitarbeiter, die Entlassungen fürchten müssen
Swisscom ist ein halbstaatlicher Telekomkonzern, an dem der Bund eine Mehrheit von 51 Prozent hält. Als börsenkotiertes Unternehmen verhält es sich aber wie alle börsenkotierten Unternehmen: Es sieht sich in erster Linie den Interessen seiner Aktionäre verpflichtet. Diese erwarten solide Gewinne und steigende Dividenden. Das erreichen sie durch tiefere Kosten. Und so baut Swisscom Jahr für Jahr Stellen ab.
Das Betrübliche daran: Jede zweite Entlassung trifft einen Mitarbeiter aus der Altersgruppe der über 50-Jährigen. Die tragen also die grösste Last. Aus Sicht eines börsenkotierten Unternehmens ist das nachvollziehbar. Ältere Angestellte gehören in der Regel zu den teuersten Beschäftigten. Zugleich ermöglicht die mit der EU vereinbarte Personenfreizügigkeit den Zugriff auf einen schier unerschöpflichen Arbeitsmarkt: Deutsche, Franzosen, Italiener – qualifizierte Arbeitskräfte stehen in allen Landessprachen zur Verfügung.
Figgi und Mühli
Die Kombination aus Personenfreizügigkeit und liberalem Arbeitsmarkt ist für Unternehmen nahezu ideal. Sie schafft den Anreiz, teure Inländer durch günstigere Arbeitskräfte aus anderen Nationen zu ersetzen. Für die Firmen ist das wie im Mühlespiel: Sie haben Figgi und Müli – eine Situation, in der dem Gegner kaum noch eine Chance bleibt. Das alles ist legal und politisch gewollt. Flankierende Massnahmen, die diese unfaire Spielregel korrigieren, existieren nicht.
Für die Beschäftigten bedeutet das: Mit 50 wirst du zum Freiwild.