Darum gehts
- Überhöhte Taxipreise in Zürich, besonders am Hauptbahnhof, seit Jahren bekannt
- Fahrten kosten teils doppelt so viel wie bei grossen Taxizentralen
- Flughafentaxis verlangen für dieselbe Strecke nur 20 bis 25 Franken
Immer wieder hört man von fiesen Taxi-Tricks, mit denen den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen wird. In Amsterdam beispielsweise sollen Taxistände eine Fahrt zunächst ablehnen, woraufhin ein Kollege aus derselben Schlange sie später zu einem deutlich höheren Preis anbietet. Die Methode wird als «Handbremsenmethode» bezeichnet. Besonders am Hauptbahnhof sollen Touristen betroffen sein, wie das deutsche Nachrichtenportal Focus berichtet.
Und auch im österreichischen Wien ist der Hauptbahnhof zum Schauplatz von Beschwerden über Taxifahrer geworden, berichtet der ORF. Doch wie siehts in der Schweiz aus? Blick hat bei der Taxi Sektion Zürich (TSZ) nachgefragt.
Problem auch hierzulande bekannt
Auch in Zürich gibt es Probleme – und zwar seit Jahren. Das bestätigt Rudolf Raemy, Präsident der Taxi-Sektion Zürich, auf Anfrage von Blick. «Wir bekommen seit der Einführung des kantonalen Taxi- und Limousinengesetzes regelmässig Schreiben betreffend überhöhter Preise», schreibt er. Besonders problematisch sei eine Gruppierung rund um den Bahnhofplatz beim Zürcher Hauptbahnhof. Dort sollen sich die Fahrer laut Raemy offenbar auf bestimmte Preise geeinigt haben. «Die Gruppierung um den Hauptbahnhof Zürich hat offenbar eine gewisse Preisabsprache vereinbart», schreibt er.
Für kurze Strecken würden bei dieser Gruppe demnach ein Grundtarif von zehn Franken, zehn Franken pro Kilometer und 2.50 Franken pro Minute verlangt. Eine Fahrt vom Hauptbahnhof zum Universitätsspital Zürich (USZ) könne damit «schnell Fr. 40 bis 50» kosten. Zum Vergleich: Bei den beiden grossen Zürcher Taxizentralen und den Flughafentaxis koste dieselbe Strecke laut Raemy rund 20 bis 25 Franken.
Fixpreis in Zürich grundsätzlich erlaubt
Der entscheidende Unterschied zu Städten wie Wien: Ein Fixpreis ist in Zürich grundsätzlich nicht verboten. Laut dem kantonalen Taxi- und Limousinengesetz sowie den Ausführungsbestimmungen ist es erlaubt, einen Pauschalpreis zu vereinbaren, ohne dass der Taxameter mitläuft. Für Fahrgäste bedeutet das: Ein hoher Fixpreis ist nicht automatisch eine illegale Abzocke. Entscheidend ist unter anderem, ob der Preis transparent kommuniziert und vereinbart wurde.
Raemy empfiehlt deshalb, die aussen am Fahrzeug angeschriebenen Tarife genau zu studieren, auf der freien Taxiwahl zu bestehen und im Zweifelsfall vor Fahrtbeginn einen Pauschalpreis zu vereinbaren. Gerade die freie Wahl des Taxis könnte am Zürcher Hauptbahnhof allerdings zum Problem werden. Laut Raemy stellen sich dort Taxis «unerlaubterweise in zwei, manchmal drei Spuren» auf. Dadurch könne ein Fahrgast ein Taxi in der inneren, eigentlich erlaubten Spur nicht ohne weiteres verlassen.
Nicht nur Touristen betroffen
Es sind jedoch nicht nur ausländische Gäste das Ziel. Die Anfragen kämen «sowohl von Eidgenossen wie Touristen». Damit unterscheidet sich die Situation zumindest in einem Punkt von den aktuellen Berichten aus Amsterdam und Wien. Wer in Zürich ein Taxi nimmt, sollte deshalb vor dem Einsteigen die angeschriebenen Tarife prüfen.
Noch sicherer ist es laut Taxi Sektion, ein Taxi telefonisch zu bestellen. Bei den grossen Zentralen seien die Preise moderat und transparent. Wer bereits in einem Taxi sitzt und mit einem aus seiner Sicht überhöhten Preis konfrontiert wird, sollte möglichst eine Rechnung verlangen und die Angaben zum Fahrzeug notieren. Dazu gehören insbesondere Kennzeichen, Zeitpunkt, Strecke und – soweit vorhanden – die Angaben zum Unternehmen.