Darum gehts
- Kindergartenlehrerin Carla C. aus dem Kanton Zürich wegen Rassismus angezeigt
- Klassenassistent fühlte sich durch das Spiel «Schwarzer Peter» diskriminiert
- 8000 Franken Schadenersatz gefordert, Verfahren 2026 eingestellt, Ruf beschädigt
Das Kartenspiel «Schwarzer Peter» ruft an der Schule Küsnacht ZH die Justiz auf den Plan! Dabei steht die Kindergartenlehrerin Carla C.* (44) unter Rassismusverdacht. Der Vorwurf: Diskriminierung und Aufruf zum Hass. Die «Weltwoche» hat über den Fall berichtet, im Blick äussert sich nun die betroffene Pädagogin.
Auslöser des Konflikts
Auslöser: Ende Oktober 2024 beauftragt Carla C. ihren Klassenassistenten, mit den Kindern das Kartenspiel «Schwarzer Peter» zu spielen. Weil er das nicht kennt, sollen ihm die Kinder die Regeln erklären: Wer am Ende den Schwarzen Peter hält, verliert. Gemäss Lehrerin wurde Peter im Spiel als Kaminfeger dargestellt.
Aber: Der Klassenassistent fühlt sich durch das Kartenspiel diskriminiert, weil er dunkle Hautfarbe hat. Reklamiert habe er aber nicht, sagt C. und fügt an: «Er hat lachend mitgespielt.»
Weil einige Spielkarten fehlen, habe sie eine neue Ausgabe gekauft, auf der eine schwarze Katze das Cover ziert. Vor den Weihnachtsferien übergibt C. das neue Spiel den Kindern und bittet den Klassenassistenten erneut, mit ihnen «Schwarzer Peter» zu spielen.
Für den Assistenten zu viel: Er reklamiert bei der Schulleitung – und geht im Januar 2025 noch einen Schritt weiter. Er zeigt Carla C. an und fordert 8000 Franken Schadenersatz! Bei der Polizei sagt er aus, dass C. damals einem Mädchen auch noch «sei vorsichtig, schwarzer Mann, könnte aggressiv sein» ins Ohr geflüstert haben soll.
Folgen der Anzeige
Gegenüber Blick bestreitet Carla C. die Rassismus-Vorwürfe. Sie betont: «Es war nie meine Absicht, jemanden zu verletzen oder zu diskriminieren.» Statt einer Strafanzeige hätte sie sich ein Gespräch gewünscht. Dies hätten weder der Klassenassistent noch die Schule mit ihr gesucht.
Die Folgen für Carla C. sind gravierend. «Diese Vorwürfe haben meinem Ruf als Lehrperson sehr geschadet», sagt die Deutsche. Und: «Durch die Strafanzeige wurde mein Einbürgerungsverfahren sistiert.»
Kündigung der Schule
Carla C. arbeitet inzwischen nicht mehr für die Schule. Ihr Ex-Arbeitgeber kündigte ihr bereits vor dem Rassismusstreit auf Ende Schuljahr. Grund dafür war ein anderer Konflikt, der bereits länger tobte. Es laufen noch mehrere arbeitsrechtliche Verfahren.
Zurück zum Rassismus-Vorwurf: Nach der Anzeige wurde die Justiz aktiv. Und wie! Der Assistent wird bei der Polizei befragt. In einem vierseitigen Ermittlungsbericht halten die Beamten fest, dass der Spielname «Schwarzer Peter» heutzutage als potenziell diskriminierend wahrgenommen werden könne. Dass modernere Versionen häufig andere Figuren verwenden, wie zum Beispiel Tiere, entschärfe den Kontext jedoch. Ob der Name noch zeitgemäss ist, bleibe gesellschaftlich umstritten.
Die Geschichte des Kartenspiels geht lange zurück: Die ersten «Schwarzer Peter»-Spielkarten soll es bereits im 19. Jahrhundert gegeben haben.
Nach verbreiteter Auffassung steht der Name im Zusammenhang mit dem Räuber Johann Peter Petri, der damals als Köhler gearbeitet haben soll. Sein Gesicht sei deshalb häufig von Russ geschwärzt gewesen.
Einen rassistischen Ursprung hat das Spiel demnach nicht. Problematische Darstellungen entwickelten sich erst mit der Zeit: «Die ‹Schwarzer Peter›-Figuren wurden erst mit dem Aufkommen des Kolonialismus mit schwarzen Menschen dargestellt», erklärt die deutsche Kulturwissenschaftlerin Mascha Eckert (33). Heutzutage finde man allerdings kaum noch solche Spielversionen. Der «Schwarze Peter» sei heute meist als Kaminfeger oder als Tier abgebildet.
Das Kartenspiel ist international verbreitet, teilweise aber unter anderen Namen bekannt. Im Englischen heisst das Spiel beispielsweise «Old Maid» (deutsch: alte Jungfer) und im Französischen «Vieux Garçon» (deutsch: alter Knabe).
Die Geschichte des Kartenspiels geht lange zurück: Die ersten «Schwarzer Peter»-Spielkarten soll es bereits im 19. Jahrhundert gegeben haben.
Nach verbreiteter Auffassung steht der Name im Zusammenhang mit dem Räuber Johann Peter Petri, der damals als Köhler gearbeitet haben soll. Sein Gesicht sei deshalb häufig von Russ geschwärzt gewesen.
Einen rassistischen Ursprung hat das Spiel demnach nicht. Problematische Darstellungen entwickelten sich erst mit der Zeit: «Die ‹Schwarzer Peter›-Figuren wurden erst mit dem Aufkommen des Kolonialismus mit schwarzen Menschen dargestellt», erklärt die deutsche Kulturwissenschaftlerin Mascha Eckert (33). Heutzutage finde man allerdings kaum noch solche Spielversionen. Der «Schwarze Peter» sei heute meist als Kaminfeger oder als Tier abgebildet.
Das Kartenspiel ist international verbreitet, teilweise aber unter anderen Namen bekannt. Im Englischen heisst das Spiel beispielsweise «Old Maid» (deutsch: alte Jungfer) und im Französischen «Vieux Garçon» (deutsch: alter Knabe).
Nachdem die Polizei den Fall der Staatsanwaltschaft übergibt, lädt diese beide Involvierten zur Einvernahme vor, die im Frühling 2026 stattfinden soll. Doch einen Tag vor seiner Einvernahme teilt der ehemalige Klassenassistent mit, dass er kein Interesse mehr an einer Weiterführung des Verfahrens habe.
Das Rassismusverfahren gegen Carla C. wird daraufhin eingestellt. Auf sieben Seiten rollt die Staatsanwaltschaft den Fall nochmals auf, umreisst den möglichen Tatzeitraum, wo eines der Kartensets im Chindsgi war (30. Oktober bis 19. Dezember) – und wo das Corpus Delicti erworben wurde (im Franz Carl Weber). Auch die historische Herkunft des Spiels wird noch mal aufgearbeitet.
Was am Ende bleibt, sind Tausende Franken Verfahrenskosten und Anwaltshonorare.
Obwohl die Verfahrenseinstellung gut ist für Carla C., belastet sie die Situation bis heute: «Ich habe das Gefühl, dass ich meine Sicht nie wirklich darlegen konnte.» Wegen der fehlenden Entbindung vom Amtsgeheimnis sei sie nie zu Wort gekommen.
Klassenassistent erklärt sich
Auf Blick-Anfrage schreibt der Klassenassistent in einer Textnachricht, dass er aus Datenschutzgründen nicht ins Detail gehen möchte. Er gibt aber an, dass er die Figur, die im Kartenspiel den Schwarzen Peter darstellte, eindeutig als dunkelhäutiges Kind wahrgenommen habe und nicht als Kaminfeger. Zudem habe er damals versucht, mit Carla C. zu sprechen. Schlussendlich habe dies allerdings nicht geklappt.
Die Schule Küsnacht beantwortet Fragen mit Verweis auf Persönlichkeitsschutz nicht.
Trotz Einstellung lässt der Rassismusfall Carla C. keine Ruhe. Der Rechtsstreit geht in die nächste Runde: Sie hat mehrere Schulverantwortliche wegen Amtsmissbrauchs angezeigt.
Wer den Schwarzen Peter als Nächstes zieht, wird wohl die Zukunft zeigen.
* Name geändert