Experte über Party-Trick der Krawall-Chaoten
«Wer eine Party feiern will, nimmt keine Pflastersteine mit»

Eine illegale Party ist am Wochenende am Zürcher Hardplatz eskaliert. Die Situation war so gefährlich, dass sich die Polizisten zwischenzeitlich zurückziehen mussten. Ex-Kriminalkommissar Markus Melzl und Extremismus-Forscher Dirk Baier schätzen die Eskalation ein.
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Ex-Kriminalkommissar Markus Melzl (74) geht davon aus, dass die Krawallnacht von den Chaoten geplant war.
Foto: zVg

Darum gehts

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Karin FrautschiReporterin Blick

Explosionen auf Kopfhöhe und Böller, die gegen Wohnhäuser knallen: In der Nacht auf Sonntag kam es im Zürcher Kreis 4 zu üblen Szenen. Vermummte Chaoten zündeten unter anderem ein Polizeifahrzeug an und attackierten Polizisten mit Pflastersteinen und Raketen.

Die Einsatzkräfte seien nur dank ihrer Schutzausrüstung nicht schwer verletzt worden, teilte die Stadtpolizei Zürich mit. Es scheint klar: Die Gewalt war von den Organisatoren der illegalen Party von Beginn an einkalkuliert worden.

So eskalierte die illegale Party

Am späten Samstagabend wurde der Polizei zunächst eine illegale Party am Hardplatz gemeldet. Vor Ort trafen die Einsatzkräfte dann aber auf eine aggressive und gewaltbereite Menschenmenge von über hundert Personen.

«Die Polizisten wurden massivst beschossen», sagt Stapo-Medienchefin Judith Hödl gegenüber Blick. Wegen der massiven Gewalt hätten sich die Einsatzkräfte zunächst aus Selbstschutz zurückziehen müssen. Sie spricht von einem «äusserst anspruchsvollen» und «gefährlichen» Einsatz.

Die Polizei geht davon aus, dass die Party organisiert war und im Vorfeld sogar gezielt Raketendepots angelegt wurden.

Illegale Party als Tarnung?

Womöglich habe die Party nur als Tarnung gedient, sagt der ehemalige Kriminalkommissar Markus Melzl (74) zu Blick. «Wer nur eine Party feiern will, nimmt keine Pyro und Pflastersteine mit», sagt er.

Extremismus-Forscher Dirk Baier (50) stimmt zu: «Insofern dienen diese Partys sicherlich auch dem Zweck, die Polizei auf sich aufmerksam zu machen und sich dann mit ihr zu messen.»

Wer sind die Chaoten?

Wer hinter den jüngsten Ausschreitungen steckt, ist noch unklar. In der Nacht auf Sonntag sei für die Polizei im Vordergrund gestanden, die Situation unter Kontrolle zu bringen. «Verhaftungen wären zu diesem Zeitpunkt nur mit massiv höheren Aufgeboten an Polizisten möglich gewesen», so Hödl. Unterdessen seien aber Ermittlungen zur Identifizierung von möglichen Straftäterinnen und Straftätern im Gang.

Weil der FCZ am frühen Abend im nahegelegenen Stadion Letzigrund gegen den FC Thun spielte, könnten laut Polizei FCZ-Fans involviert gewesen sein. Dafür sprächen auch FCZ-lastige und politisch motivierte Sprayereien, die in besagter Nacht rund um den Hardplatz aufgetaucht sind.

«Es handelt sich um junge Männer, die Lust auf Gewalt haben», schätzt Dirk Baier generell ein. Gruppendynamik und Anonymität verstärkten die Gewaltbereitschaft, was auch zu sehr schweren Übergriffen führe. «Ich würde das aber nicht einer politischen Szene allein zuordnen», betont er.

«Leider kommt es in Zürich immer wieder zu solchen Übergriffen», sagt Baier. Er verurteilt diese Übergriffe, warnt aber vor Verallgemeinerungen. Es handle sich um punktuelle Ereignisse. «Das gesellschaftliche Vertrauen in die Polizei ist weiterhin sehr hoch.» Die Gewalt gegen Behörden und Beamte gehe seit 2021 sogar leicht zurück.

Ex-Kriminalkommissar lobt Polizei

«Die Polizei hat vorbildlich reagiert», sagt Markus Melzl über den Einsatz vom vergangenen Wochenende. Die Eskalation sei kaum zu verhindern gewesen, da beim Eintreffen der Polizei bereits Hunderte Personen vor Ort gewesen seien.

Dieser Vorfall zeige die aktuell hohe Belastung und die Sicherheitsrisiken für Polizeikräfte deutlich. «Die Polizeikorps in der gesamten Schweiz leiden massiv unter Personalmangel. Gerade bei Korps im städtischen Umfeld verschärft sich diese Situation zunehmend», so Melzl. Es sei schwierig, dauernd viele Leute auf Abruf zu haben.

Die Folgen der Krawallnacht

Nach 3 Uhr am Sonntagmorgen brachte die Stadtpolizei Zürich die Lage schliesslich wieder unter Kontrolle. Dafür setzte sie Reizstoff, Wasserwerfer und Gummischrot ein. Ein Polizist wurde beim Einsatz an der Hand verletzt, befindet sich aber unterdessen nicht mehr im Spital.

Der Schaden an den Polizeifahrzeugen liege im sechsstelligen Bereich, sagt Stapo-Medienchefin Judith Hödl. Die weiteren Schäden seien aktuell noch nicht bezifferbar.

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