Darum gehts
- Im Zürcher Kreis 4 randalierten Vermummte beim Hardplatz
- Sie griffen die Polizei mit Böllern an und legten Feuer
- Anwohner und Geschäfte klagen über Angst und Schäden
Nach den heftigen Ausschreitungen im Zürcher Kreis 4 melden sich Betroffene, Anwohner und Geschäftsinhaber zu Wort. Sie schildern dramatische Szenen, brennende Fahrzeuge – und fordern härtere Konsequenzen für die Vermummten.
In der Nacht auf Sonntag verwandelte sich das Areal rund um die Hardbrücke und den Hardplatz in ein Schlachtfeld. Vermummte Chaoten griffen die Polizei mit Böllern an, zündeten Fahrzeuge an und hinterliessen eine Spur der Verwüstung.
Eine Augenzeugin, Katerina Sterpul (39), geriet gegen 3 Uhr morgens mitten in die Gewaltszene. Sie war unterwegs zum Supermarket Club, als sie Folgendes beobachtete: «Als wir in die Nähe der Hardbrücke kamen, sahen wir plötzlich Dutzende vermummte Personen mit Kapuzen und schwarzer Kleidung, die Dinge zerschlugen und alles um sich herum zerstörten.»
Die Randalierer zündeten Mülleimer an und attackierten Fahrzeuge. «Ich habe gesehen, wie sie einen Lieferwagen hin und her schaukelten. Nur ein paar Minuten später explodierte er förmlich», berichtet Sterpul schockiert. «Überall gab es Feuerwerk und laute Knalle, fast wie Schüsse. Es war absolut verrückt. So etwas hatten wir in der Schweiz noch nie erlebt», sagt die Betroffene zu Blick. Aus Gesprächen mit anderen Passantinnen erfuhr sie, dass den Krawallen angeblich eine illegale Party vorausgegangen war, die aufgelöst werden sollte.
Tränengas in der Luft
Sehr nah ging die Chaos-Nacht auch Anwohnerin Silvana P.* (29). Sie beobachtete das Geschehen entsetzt von zu Hause aus: «Es knallte immer wieder. Es war grauenvoll.» Eine Menschenmenge habe sich auf dem Hardplatz versammelt und Feuerwerk in die Luft gejagt.
«Die Menge hat sich dort um die Tonnen versammelt, wo das Feuerwerk drin war. Dann haben sie es angezündet.» Kurze Zeit später sei die Polizei mit dem Wasserwerfer vor Ort gewesen, und die Situation sei komplett eskaliert: Sie sah, wie die Chaoten Container und Paletten auf die Strasse schoben, um den Wasserwerfer der Polizei zu verbarrikadieren. Der Mob warf währenddessen Flaschen auf die Polizei und zündete weitere Gegenstände an.
«Ich hatte extrem Angst und habe am ganzen Körper gezittert. Das so zu beobachten, war definitiv sehr traumatisierend.» Das Erlebte sitzt so tief, dass sie sogar überlegt, das Quartier zu verlassen: «Ehrlich gesagt habe ich mir schon überlegt, wegzuziehen, es ist mir recht eingefahren – aber es ist halt mein Zuhause.»
Auch Natascha Camen (59), Serviceangestellte und seit 27 Jahren Anwohnerin am Hardplatz, erlebte die Krawalle hautnah mit. Nachdem sie spät von der Arbeit nach Hause kam und schlafen ging, schreckten sie grelles Licht und ständige Detonationen auf. «Man hat direkt Niesanfälle bekommen, weil alles voller Tränengas war. Da haben wir das Fenster zugemacht.»
Für die Langzeit-Anwohnerin hat sich die Lebensqualität drastisch verschlechtert. Auf die Frage nach den Täterprofilen hat Camen eine klare Vermutung: «Also viele sind ja vermummt. Aber ich gehe davon aus, dass die meisten, die Krawall machen, ausländische Jugendliche mit Migrationshintergrund sind.» Auch sie würde am liebsten wegziehen, findet jedoch kaum bezahlbaren Wohnraum. Den Chaoten selbst hat sie nichts mehr zu sagen: «Ich bin ein Mensch, der eigentlich für Liebe und Frieden ist – aber ich glaube, diese Menschen sprechen diese Sprache nicht.»
«Eine riesige Schweinerei»
Ebenfalls mit dem Schrecken davongekommen ist Sandra Leuch (44) vom Fachgeschäft Aquarium Seerose. Ihr Zoofachgeschäft befindet sich direkt am Hardplatz. Chaoten haben den Raum für den Container und die leeren Paletten komplett ausgeräumt. «Keine einzige Palette ist ganz geblieben. Sie haben alle zerschlagen», sagt sie zu Blick. Etwas beängstigend seien auch die grossen Steine gewesen, die direkt neben der Scheibe lagen. «Diesmal ist glücklicherweise nichts passiert.» Vor zwei Jahren hatten sie weniger Glück: Im Dezember 2024 haben Chaoten ihre Scheiben zerstört, und Leuch musste sie alle ersetzen lassen.
Die Besitzerin sucht keine Schuldigen, trotzdem ist für sie klar: «Egal, wer es gewesen ist, es ist einfach eine Schweinerei.» Dennoch lässt sie sich nicht entmutigen und hat ihr Geschäft am Montag ganz normal geöffnet.
Geschäftsinhaberin Cristiane Keckel (48), die am Hardplatz ein Kosmetikstudio betreibt, erfuhr erst am Sonntagmorgen durch die Blick-Videos von der Gewalt. «Das hat mich so geschockt», sagt sie. «Ich dachte nur: Wow, die schiessen ja genau auf meine Fenster!» Zwar blieben ihre Scheiben ganz, doch die Wand wurde getroffen. Und vor dem Eingang hinterliessen die Randalierer ein Trümmerfeld aus Müll und Schutt. «Das ist ein Skandal.» Aus ihrer Sicht werde die Lage in der Schweiz immer schlimmer.
Sie fordert deshalb ein klares Signal der Behörden: «Die Polizei muss mehr Härte zeigen und entschlossener gegen diese Situation kämpfen.»
* Name geändert