VO Randale Hardplatz
1:08
Nach illegaler Party an Hardplatz:Vermummte attackieren Polizisten mit Feuerwerk

Rekonstruktion der Zürcher Krawallnacht
So schnell eskalierte die Gewalt am Hardplatz

Zunächst hat die Stadtpolizei die illegale Party am Hardplatz mehrere Stunden geduldet – dann kippte die Stimmung. Eine Rekonstruktion der Zürcher Krawallnacht.
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Ab 2 Uhr und bis mindestens 3.30 Uhr dauerten die Krawalle am Hardplatz in Zürich.
Foto: Blick Visual

Darum gehts

  • Nach dem FCZ-Sieg feierten Hunderte illegal am Hardplatz
  • Nach Böllern und Schäden wollte die Polizei räumen
  • Es folgten Angriffe, Reizgas, Wasserwerfer und Brände
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Pascal ScheiberReporter Gesellschaft

Eine chaotische Nacht ist vom Samstag auf den Sonntag mit einer gewalttätigen Eskalation zwischen Chaoten und der Polizei zu Ende gegangen. Die Schäden: Beschädigungen an Häusern und Fahrzeugen, ein verletzter Polizist. Blick rekonstruiert die Krawallnacht in der Stadt Zürich anhand öffentlicher Daten.

20 Uhr, Letzigrund

Der FC Zürich gewinnt gegen den FC Thun mit 4:2 im Letzigrund. Kurz nach dem Spiel strömen die Fans in alle Richtungen.

23 Uhr: Meldung einer illegalen Party

Bereits vor 23 Uhr versammelt sich eine Menschengruppe auf dem Hardplatz. Die Lage scheint ruhig.

Hier war die Stimmung noch friedlich. Nach dem Match FCZ gegen Thun warteten Fans auf dem Hardplatz auf die Party.
Foto: zVg

Die Stadtpolizei Zürich schreibt in ihrer Mitteilung: «Kurz nach 23 Uhr wurde der Stadtpolizei Zürich eine Party beim Hardplatz gemeldet.» Sie duldet die Feier zunächst – obwohl diese eigentlich illegal ist.

2 Uhr, Party in der Unterführung

1.05 Uhr: Die illegale Party ist auf dem Hardplatz rund um die Unterführung im Gang. Die Polizei duldet sie zunächst.
Foto: Avisec

Während mehrerer Stunden feiert eine grosse Menschenmenge in einer Unterführung unter der Hohlstrasse beim Hardplatz. Augenzeugen beschreiben die Stimmung als friedlich, wie so oft an Partys.

In dieser Unterführung unter der Hohlstrasse feierten die Menschen.
Foto: Ralph Donghi

2.15 Uhr: Stimmung spitzt sich zu

Über drei Stunden duldet die Stadtpolizei Zürich die illegale Party am Hardplatz. Doch die Stimmung kippt immer mehr. Feuerwerk, Böller und Raketen werden gezündet. Das bestätigen auch öffentliche Überwachungsbilder und Aussagen von Augenzeugen.

Ohne eine zeitliche Angabe schreibt die Stadtpolizei Zürich: «Aufgrund von Meldungen über Sachbeschädigungen an Hausfassaden und Fahrzeugen, Böllerzündungen sowie Belästigung von Anwohnenden entschloss sich die Stadtpolizei, die illegale Party zu beenden.»

Sie fordert die über Hundert Personen – darunter auch Vermummte – auf, den Platz innert zehn Minuten zu verlassen. Die Polizistinnen und Polizisten werden mit Glasflaschen und Pflastersteinen angegriffen. «Aufgrund der massiven Gewalt mussten sich die Einsatzkräfte zurückziehen», schreibt die Stadtpolizei weiter.

2.30 Uhr: Eskalation auf dem Hardplatz

Der Hardplatz und die Hohlstrasse sind von einer Reizgas-Wolke überdeckt. An mehreren Seiten hat sich die Polizei positioniert. Denn: Beim alten Schulhaus, direkt neben der Party-Unterführung, haben sich die Chaoten installiert. Ab 2.35 Uhr steht ein Wasserwerfer der Polizei auf dem Hardplatz. Schaulustige verfolgen das Geschehen von der Hardbrücke aus.

Ab 2.35 Uhr ist ein Wasserwerfer der Polizei auf dem Hardplatz. Rauchschwaden von Feuerwerk und Reizgas liegen in der Luft.
Foto: Avisec

Ein Video eines Blick-Leserreporters zeigt: Drei Polizisten stehen vor einem Kosmetikstudio an der Hohlstrasse 219 – in Vollmontur, mit Gummischrot-Pistole. Einen Augenblick später kommt es zu rund einem Dutzend Feuerwerkexplosionen direkt vor dem Kosmetikstudio.

Dort, wo kurz zuvor noch Polizisten standen, knallten die Feuerwerkskörper in die Hauswand an der Hohlstrasse 219.
Foto: Instagram (@brandbachcenter)

Die Polizei schreibt dazu, dass ihre Einsatzkräfte von einem «anderen» Mob «gezielt» mit Raketen beschossen wurden. Sie geht davon aus, dass der Mob im Vorfeld «gezielt» Depots mit Raketen anlegte.

3 Uhr – «Lage unter Kontrolle»

In der Mitteilung der Stadtpolizei steht: «Mit dem konsequenten Einsatz von Zwangsmitteln konnte die Stadtpolizei gegen 3 Uhr die Lage unter Kontrolle bringen.» Unter Kontrolle? Überwachungsbilder, die Blick vorliegen, zeigen: Die zweite Eskalation in dieser Nacht beginnt jetzt!

Feierabend für die Polizei? Von wegen! Um 2.55 Uhr steuert der Wasserwerfer Richtung Hardstrasse. Die Tumulte sind offensichtlich noch am Laufen.
Foto: Avisec

3.05 Uhr: Brennendes Polizeiauto, weitere Eskalation

Um 3 Uhr steht der Wasserwerfer in der Hardstrasse – Richtung Albisriederplatz. In der Zwischenzeit haben Chaoten Abfallcontainer auf die Strasse gestossen und angezündet.

Wenig später, um 3.15 Uhr, geht der Wasserwerfer gegen Randalierende und Barrikaden vor. Eine private Überwachungskamera hat dies so festgehalten.
Foto: Instagram (@raluwa)

Mit Reizgas und Wasserwerfer geht die Stadtpolizei erneut gegen den Mob vor. Die Chaoten versuchen, die Reizgasdosen wegzukicken.

Parallel – rund 150 Meter weiter vorn – demolieren Vermummte einen parkierten Polizeiwagen an der Kreuzung zur Bullingerstrasse. Einer schlitzt die Pneus auf, andere schlagen Scheiben ein und werfen brennende Gegenstände rein. Kurz darauf steht der Streifenwagen in Vollbrand.

3.15 Uhr: Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot auf dem Hardplatz. Im Hintergrund, an der Kreuzung Hardstrasse/Bullingerstrasse, ist die Rauchwolke des brennenden Polizeiwagens ersichtlich.
Foto: Avisec

Ein Video zeigt, wie die Feuerwehr von Schutz und Rettung Zürich das brennende Polizeiauto löscht. Die Feuerwehr steht auch bei weiteren Bränden rund um die Eskalation im Einsatz.

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