An dieser Kreuzung passierte der Unfall
0:19
Von Polizei geflohen:An dieser Kreuzung passierte der Unfall

Jetzt spricht David A. (18), dessen Bruder (16) den tödlichen Töff-Crash von Dübendorf ZH überlebte
«Sie hatten Angst und fühlten sich bedrängt»

Drama in Dübendorf ZH: Ein 15-jähriger Töfffahrer stirbt nach einer Kollision mit einem Auto. Die Flucht vor der Polizei wirft Fragen zur Verhältnismässigkeit des Einsatzes auf. Jetzt konnte Blick mit dem Bruder des Mitfahrers sprechen.
1/6
Das Motorrad an der Unfallstelle in Dübendorf.
Foto: Kapo Zürich

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Töff-Unfall in Dübendorf: Jugendlicher (†15) stirbt nach Kollision mit Auto
  • Lenker ohne Führerschein; Sozius ohne Helm; sie flohen vor der Polizei
  • Polizei meldete massiv überhöhte Geschwindigkeit

In Dübendorf ZH stehen die Menschen unter Schock. In der Nacht auf vergangenen Samstag flüchtet ein junger Töfffahrer (†15) vor der Polizei. Bei ihm auf dem Motorrad: ein 16-Jähriger ohne Helm. Sie biegen von einer 30er-Nebenstrasse auf eine Hauptstrasse ein, knallen seitlich in ein Auto und werden weggeschleudert. Zuerst kommen beide Jugendlichen verletzt ins Spital. Am Donnerstagmorgen dann die tragische Nachricht: Der 15-jährige Schweizer stirbt an seinen schweren Verletzungen.

Am Samstagmorgen nimmt Blick einen Augenschein an der Unfallstelle. Ausser ein paar schwachen Kreidespuren am Boden erinnert nichts mehr an den schrecklichen Unfall. Es wurden bisher keine Blumen oder Kerzen für den verstorbenen Teenager hingelegt. Die Leere zeugt von Fassungslosigkeit. 

Bruder des Überlebenden schildert Situation kurz vor dem Crash

Während die Mutter des Verstorbenen nicht in der Lage ist, öffentlich etwas zu sagen, spricht der Bruder des überlebenden Mitfahrers mit Blick. «Es ist schrecklich, was passiert ist», sagt David A.* (18) tief betroffen am Telefon. «Mein Bruder hat einen guten Kollegen verloren. Und gleichzeitig hat er selber überlebt. Es geht ihm gar nicht gut.» Wohl auch deswegen möchte der Überlebende selbst sich nicht äussern. David A. sagt: Sein Bruder sei seelisch enorm angeschlagen, körperlich aber mit Wunden an Beinen und Armen davongekommen. «Er sass ja hinter dem Lenker auf dem Töff und wurde so nicht direkt beim Aufprall getroffen.»

David A. schildert, was seinem Bruder und dem Fahrer am letzten Samstag kurz vor 2 Uhr passiert ist. «Der Töfflenker hatte keinen Führerausweis und hatte den Töff sowie den Schlüssel dazu von seinem Vater genommen», erzählt der 18-Jährige. Während der Lenker einen Helm getragen habe, habe dies sein Bruder nicht getan. «Das war natürlich nicht gut. Auch, dass sie von der Polizei abgehauen sind.» David A. will den Vorfall damit keineswegs verharmlosen. 

«Sie hatten Angst und fühlten sich bedrängt»

Er schildert jedoch weitere Details. Demnach soll die Polizei in einem zivilen Fahrzeug unterwegs gewesen sein. «Sie hatten Angst vor dem zivilen Polizeiauto und fühlten sich bedrängt. Darum sind sie hauptsächlich davongefahren.» 

In ihrer Medienmitteilung zum Vorfall schrieb die Kantonspolizei Zürich, einer Patrouille sei ein Motorrad aufgefallen, auf dem der Mitfahrer keinen Helm getragen habe. Als die Polizei das Fahrzeug anhalten wollte, sei der Lenker geflüchtet. Gemäss Kapo sei er anschliessend «mit massiv überhöhter Geschwindigkeit durch die 30er-Zone gefahren», bevor es bei der Einmündung in die Hauptstrasse «mit hoher Geschwindigkeit» zur folgenschweren Kollision mit einem Auto gekommen sei.

Gerade diese Darstellung wirft für David A. Fragen auf. Wenn die Polizei selbst davon ausgehe, dass sich die Flucht innert Sekunden zu einer Hochrisikosituation mit massiv überhöhter Geschwindigkeit entwickelte, stelle sich umso mehr die Frage nach der Verhältnismässigkeit des Einsatzes. «Warum hat die Polizei die Verfolgung aufgenommen und die Jungs nicht später über das Kontrollschild ausfindig gemacht?», fragt er.

«Verstorbener Kollege bleibt unvergessen»

Die Kantonspolizei Zürich weist die Darstellung einer risikoreichen Verfolgung auf Anfrage von Blick zurück. «Wir bestreiten diese Darstellung. Weiter können wir uns im Hinblick auf das noch laufende Verfahren nicht äussern», teilt sie mit.

Fest steht: Die Kantonspolizei Zürich untersucht die Unfallursache und sicherte am Unfallort umfangreiche Spuren. Der Motorradlenker wurde nach dem Unfall und vor seinem Tod wegen des Verdachts auf ein Raserdelikt, der Entwendung eines Fahrzeugs, Fahrens ohne Führerausweis sowie weiterer Delikte bei der Jugendanwaltschaft angezeigt.

David A. weiss, dass auch eine allfällige Untersuchung des Polizeieinsatzes seinen verstorbenen Freund nicht zurückbringen wird. «Ich bin einfach nur froh, dass mein Bruder noch lebt», sagt er. «Und natürlich bleibt sein verstorbener Kollege unvergessen.»

* Name bekannt

Heiss diskutiert
    Meistgelesen