«Ich kandidiere dafür, dass wir die Schwarzen loswerden»
Post-Kader sorgt für Rassismus-Skandal!

Innerhalb der Post brodelt es: Blick wird ein Video zugeschickt. Darin zu sehen: Ein Kadermann, der sich während einer privaten Feier rassistisch äussert. Dahinter steckt offenbar eine Schlammschlacht unter Mitarbeitern. Die Post reagiert.
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Ein Post-Kadermann hat sich in einem Video rassistisch geäussert.
Foto: zVg

Darum gehts

  • Post-Kadermann fürchtet um Job nach rassistischem Video
  • Post distanziert sich und leitet arbeitsrechtliche Schritte ein
  • Kadermann vermutet Racheaktion durch den Filmer
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Qendresa LlugiqiReporterin News

Mobbing, Rassismus, Diskriminierung, sexuelle Belästigung: Wie in jedem seriösen Unternehmen ist das auch bei der Schweizer Post ein absolutes Tabu. Ein respektvolles Miteinander unter den rund 45'000 Mitarbeitenden aus 139 Nationen gilt als selbstverständlich beim Unternehmen des Bundes.

Nicht alle Mitarbeitenden beherzigen diesen Verhaltenskodex, wie ein Video zeigt, das aufgetaucht ist und Blick vorliegt. Ein mittlerweile zum Kadermann aufgestiegener Postangestellter macht auf diesem Video rassistische Aussagen.

Doch der Reihe nach: Ein Postmitarbeiter reichte die Aufnahme bei der Blick-Redaktion ein. Er schrieb dazu: «Ich denke, es ist von öffentlichem Interesse, dass die Post nicht von Rassisten geführt wird.»

«Unvernünftig, dass wir hier so viele Schwarze haben»

Im Video zu sehen: Der Kadermann, der sich spätabends vor einem Bahnhof an anwesende Personen richtet. Er fragt: «Was macht ihr huere Niggers» und lacht. Dann fragt er: «Macht ihr ein Video?» – Was bejaht wird. 

Dann dreht er sich zur Kamera und erklärt: «Ich bin ein anständiger Schweizer Bürger, aber ich finde es unvernünftig, dass wir hier so viele Schwarze in der Schweiz haben.» Weiter sagt er: «Darum werde ich dafür kandidieren, dass wir die chaibe Schwarzen loswerden!» Wieder lacht er. Und ergänzt: «Das soll kein Witz sein! Also, meine Brüder, haltet zusammen, das kommt gut!»

Blick konfrontiert die Post mit diesen Aussagen. Sprecher Patrick Stöpper sagt dazu: «Die Post distanziert sich in aller Form von den gemachten Aussagen.» Stöpper betont gleichzeitig: «Die Person spricht in dem Video als Privatperson und nicht in ihrer Rolle als Postangestellter. Die Aussagen seien im Rahmen eines privaten Anlasses aufgenommen worden, der mehrere Jahre zurückliege. Der Post-Sprecher weiter: «Die Person bereut die Aussagen und hat mehrmals beteuert, dass die Aussagen nicht ihrer Gesinnung entsprechen.» 

Trotzdem könnte es Konsequenzen geben. «Die Post hat umgehend interne Abklärungen und arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet», sagt Sprecher Stöpper. Mehr will das Unternehmen nicht sagen – und begründet dies mit Datenschutz- und Persönlichkeitsgründen.

Betrunken und nicht für Öffentlichkeit gedacht

Auch der Kadermann selbst nimmt gegenüber Blick Stellung zum Video. «Mir ist bewusst, dass einzelne Aussagen im Video inhaltlich problematisch und verletzend sind.» Doch: «Diese wurden in einer privaten, alkoholisierten und vertraulichen Situation gemacht – ohne jede Absicht der Veröffentlichung.» Die Aufnahme sei an einer privaten Geburtstagsfeier im Jahr 2023 entstanden.

Als Grund für die Video-Einsendung an die Blick-Redaktion vermutet der Kadermann eine Racheaktion: «Das Material wurde nicht aus einem öffentlichen Interesse heraus übermittelt, sondern mit dem Ziel der persönlichen und beruflichen Zerstörung.»

Der Grund: angeblich laufende arbeitsrechtliche Verfahren gegen die Person, die das Video in Umlauf gebracht hat. Laut dem Kadermann soll der Urheber – ebenfalls ein Postmitarbeiter – mehrfach gegen den Verhaltenskodex des Unternehmens verstossen haben, weshalb interne Abklärungen laufen würden.

Er ist sich sicher: «Die Weitergabe dieses Videos erfolgte in einem offensichtlichen Rache- und Vergeltungskontext im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen.»

Kommt es zur Kündigung?

Auf die Vorwürfe gegen den Video-Einsender und dessen Motiv angesprochen, erklärt Post-Sprecher Stöpper, die Post könne «aus Datenschutz- und Persönlichkeitsgründen zu internen arbeitsrechtlichen Angelegenheiten keine Auskunft erteilen.» Er hält jedoch fest: «Alle Meldungen werden ernst genommen, intern geklärt und geprüft und wo nötig, werden geeignete Massnahmen getroffen.» Der Postmitarbeiter, der das Video in Umlauf gebracht hat, schweigt zu den Gegenvorwürfen.

Mit welchen Konsequenzen der Kadermann nach den fragwürdigen Äusserungen tatsächlich rechnen muss, bleibt unklar. Er selbst ging zunächst davon aus, dass er seinen Job verlieren könnte. Er erklärte gegenüber Blick: «Mir wurde von meinem Arbeitgeber bereits mitgeteilt, dass mir in diesem Zusammenhang die Kündigung ausgesprochen wird.» Am Mittwoch sagte sein Anwalt auf Blick-Nachfrage jedoch, dass seinem Mandanten nicht gekündigt worden sei. Der Post-Kadermann überlegt sich seinerseits eine Anzeige gegen den Kollegen, der das Video weitergegeben hat.

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