«Künstliche Intelligenz hat eine Rolle gespielt»
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Blick-Reporterin beim Prozess:«Künstliche Intelligenz hat eine Rolle gespielt»

Drei Kindergärtler in Zürich mit Messer attackiert und schwer verletzt
Chinese hatte Tat zusammen mit ChatGPT geplant!

Er plante die Tat über Wochen und soll dafür sogar ChatGPT genutzt haben. Heute steht Han L.* (25) wegen des Messerangriffs auf drei Kinder vor Gericht.
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1. Oktober 2024: Han L. wird nach der Tat in Zürich-Oerlikon festgehalten.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ein Student aus China steht wegen versuchten Mordes in Zürich vor Gericht
  • Er nutzte ChatGPT zur Planung und griff 2024 drei Kinder mit Messer an
  • Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft
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Helena GrafReporterin
vor 1 Minute

Stimme habe ihm befohlen

Es geht zunächst um die Stimme, die Han L. vor der Tat gehört hat. Das habe zwei bis drei Wochen vor der Tat angefangen. Es sei eine «imperative» Stimme gewesen. Also eine Stimme, die ihm befohlen habe.

Gemäss Gutachter dachte Han L. auch an Suizid.

vor 3 Minuten

Kann Han L. bestraft werden

Habermeyer wird befragt, weil er von einer Schuldunfähigkeit ausgeht. Die Staatsanwaltschaft widerspricht dem. Das Gericht muss darüber entscheiden.

vor 6 Minuten

Es geht weiter

Der Prozess geht weiter. Nun wird Doktor Elmar Habermeyer befragt, der das psychiatrische Gutachten von Han L. erstellt hat. Er ist Direktor Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

vor 24 Minuten

Nun entschuldigt sich Han L.

Nun stellt der Staatsanwalt eine Frage: «Sie sagten, Sie hätten unter Druck gestanden. Was meinen Sie damit?» Han L. verweigert die Aussage. Auch zur zweiten Nachfrage des Staatsanwalts will er nichts sagen.

Sein Verteidiger bittet ihn, seine Gefühle zu schildern, wenn er heute mit seiner Tat konfrontiert wird. «Ich bin sehr traurig und ich entschuldige mich aufrichtig», sagt er.

Damit ist die Befragung vorbei. Han L. wird aus dem Saal geführt. Das Gericht macht eine Pause. 

vor 30 Minuten

Nach Tat sagte er: «Ich geniesse es, Kinder zu töten»

Nach der Tat soll Han L. gegenüber den Ermittlern gesagt haben: «Ich geniesse es, Kinder zu töten.» Das Gericht fragt, weshalb er damals nichts von der inneren Stimme gesagt habe. «Das ist eine verstörende Aussage. Ich finde es heute unglaublich, dass ich das gesagt habe», antwortet L.

vor 33 Minuten

Laut Gutachten war er schizophren

Das psychiatrische Gutachten attestiert Han L. Schizophrenie. Diese Krankheit mache ihm Angst, sagt Han L. «Ich hatte zuvor nie davon gehört.»

vor 35 Minuten

«Das hat mich aufgeweckt»

Eine Hortleiterin hat Han L. schliesslich gestoppt. Sie hielt ihn fest, sodass er nicht weiter auf die Kinder einstechen konnte. «Ihre Stimme war sehr laut», sagt der Angeklagte. «Das hat mich aufgeweckt.»

vor 37 Minuten

«Denke vor dem Einschlafen daran»

Die Richterin zweifelt an den erwähnten Erinnerungslücken. Sie zitiert mehrere Zwischenfälle, die Han L. gut beschreiben konnte. Reisen ins Ausland etwa, eine Veranstaltung zu Taiwans Souveränität an der Uni, eine unangenehme Begegnung. «Warum können Sie sich daran erinnern, aber nicht an die Tatvorbereitungen?», fragt die Richterin.

Han L. hat darauf keine Antwort. Er drückt Reue aus. «Ich denke vor dem Einschlafen oft an den Schmerz, der die Familien erfahren haben.»

vor 42 Minuten

Während er zustach, schrie er «China» und «Taiwan»

An die Tat selber habe er keinerlei Erinnerungen, gibt der Beschuldigte zu Protokoll. Er soll laut Zeugen «China» und «Taiwan» geschrien haben. Auch daran erinnere er sich nicht, so Han L.

vor 44 Minuten

«Entweder stirbst du oder die Kinder»

Offenbar hat Han L. in den Befragungen nichts von den Tötungsfantasien und seinen inneren Stimmen gesagt. Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter erwähnte er die Stimme plötzlich.

«Ich weiss nicht, warum ich der Staatsanwaltschaft nichts gesagt habe», so Han L. «Es fing drei Wochen vor der Tat an. Die Stimme sagte mir, dass ich unbedingt Kinder töten muss.»

Wie häufig er die Stimme gehört habe – daran könne er sich nicht mehr erinnern. Am Tag der Tat habe die Stimme gesagt: «Entweder stirbst du oder die Kinder.»

Es geschieht an einem Dienstagnachmittag im Herbst. Kinder sind auf dem Weg zu ihrem Kinderhort in Zürich-Oerlikon. Sie gehen diesen Weg regelmässig. Eine Hort-Betreuerin begleitet sie.

Normalerweise hört man die Kinder schon von weitem. Sie singen, wenn sie vorbeilaufen. Doch an diesem 1. Oktober 2024 ist es anders. Plötzlich sind da Schreie. Hilferufe. Ein junger Mann mit einem Messer. Und kleine Kinder mit Stichwunden.

Die Polizei nimmt den chinesischen Studenten Han L.* (25) noch am Tatort fest. Jetzt, fast zwei Jahre später, steht er in Zürich vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrfachen versuchten Mord vor. Die Tat soll von langer Hand geplant gewesen sein. Das zeigt die Anklageschrift, die Blick vorliegt.

Er kam zum Studium in die Schweiz

Han L. stammt aus Chengdu, einer Millionenstadt im Südwesten Chinas. 2023 kommt er in die Schweiz, um an der Universität Zürich seinen Master zu machen. Seine Nachbarn beschreiben ihn als ruhig und zurückgezogen.

Einer von ihnen erzählte Blick damals: «Das einzige Lebenszeichen, das ich aus seiner Wohnung vernehmen konnte, war der exotische Duft, wenn er kochte.»

Doch laut Anklage ist Han L. unglücklich in der Schweiz. Er fühlt sich nicht respektiert. Spätestens Anfang August 2024 fasst er den Entschluss, einen Menschen zu töten.

Mit ChatGPT diskutiert

Am 8. August 2024 fragt er die künstliche Intelligenz ChatGPT nach den «juristischen Konsequenzen verschiedener Tatvarianten der Tötung von Zufallsopfern durch Erstechen». Das schreibt die Staatsanwaltschaft. Er habe sich dann entschieden, Kinder zu erstechen.

In den folgenden Wochen bestellt er laut Anklage Kleidung für die Tat und ein Set mit vier unterschiedlich grossen Küchenmessern.

Dann öffnet er erneut ChatGPT. Am 18. September fragt er die Software, wo und wann er in der Stadt Zürich Kinder antreffen könne.

Wirre Posts auf Instagram

Die Staatsanwaltschaft schreibt weiter: «Am 28. September studierte er im Hinblick auf deren Tötung über ‹Google› und ‹ChatGPT› anatomische Darstellungen des menschlichen Kopfes, Halses und Oberkörpers sowie der Blutgefässe.»

Am 30. September, dem Tag vor der Tat, kauft Han L. Rindfleisch. Laut Anklage, um daran Messerstiche und Schnitte zu üben.

Auch das Datum soll kein Zufall sein. Han L. wählt laut Staatsanwaltschaft bewusst den 1. Oktober. Es ist der chinesische Nationalfeiertag. Am Mittag veröffentlicht er auf Instagram chinesisch-patriotische Inhalte. Unter anderem gegen die Unabhängigkeit Taiwans. Zudem soll er sich abwertend über eine frühere Freundin aus China geäussert haben.

Bub (5) am Herzen verletzt

Danach verlässt er laut Anklage mit zwei Messern seine Wohnung.

Am Berninaplatz holt er eine Gruppe Kindergartenkinder ein. Mit einer 8,5 Zentimeter langen Klinge sticht er mehrfach auf die Kinder ein, die sich in seiner Reichweite befinden.

Die Betreuerin greift ein. Sie hält ihn fest. Han L. gibt auf.

Drei fünfjährige Buben sind verletzt. Einer erleidet Verletzungen am Schlüsselbein, am Hals und an der Schulter. Er muss notoperiert werden. Einen zweiten Buben soll Han L. zweimal in die Brust gestochen haben. Einer der Stiche trifft das Herz. Der Fünfjährige überlebt nur knapp. Der dritte Bub wird am Ohr und an der Lunge verletzt.

«Blosse Rachsucht»

Nach seiner Festnahme zeigt sich Han L. geständig. Seit April 2025 befindet er sich im vorzeitigen Strafvollzug in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies.

Die Staatsanwaltschaft zeichnet in ihrer Anklage das Bild eines Mannes, der aus «blosser Rachsucht, Geltungsdrang und ideologischer Verblendung» gehandelt habe. Sie fordert eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren sowie eine ambulante Behandlung. Zudem soll Han L. für 15 Jahre des Landes verwiesen werden.

Han L.s Verteidiger äussert sich auf Anfrage von Blick zurzeit nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Verhandlung findet am Donnerstag, 17. September, vor dem Bezirksgericht Zürich statt. Blick verfolgt den Prozess vor Ort und berichtet im Liveticker.

* Name geändert 

«Die anderen Kinder konnten in den Hort flüchten»
2:08
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