So sieht der Alltag eines Sturm-Jägers aus
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«Gehe nur, wenn es sich lohnt»:So gelingen Dominic Kurz seine spektakulären Aufnahmen

Sturm-Jäger Dominic Kurz (41) erlebte in 30 Jahren 1000 Gewitter – und riskierte viel
«Einmal traf mich der Blitz – es fitzte wie beim Elektrozaun»

Ein Blitz wie ein Feuerwerk: Der Andermatter Sturmjäger Dominic Kurz (41) liebt die Naturgewalten. Diesen Sommer hofft er auf mehr spektakuläre Gewitter – und für das perfekte Foto kann es gelegentlich auch mal etwas brenzlig werden.
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Seit der Kindheit faszinieren Dominic Kurz Gewitter.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Sturmjäger Dominic Kurz verfolgt Gewitter am Gotthardpass
  • Bis zu 40'000 km jährlich für Gewitterjagd, kostet ihn Zehntausende Franken
  • Er dokumentierte über 1000 Gewitter

Es tut sich was am Himmel über dem Gotthardmassiv. Dominic Kurz (41) packt seine Tasche. Kameras, Stativ, Autoschlüssel, und los geht die Sturmjagd. Diese Woche läuft er zur Hochform auf. Die Prognosen zeigen: Die Gewitter kommen. Mit der Südwestwetterlage und feuchter Luft vom Mittelmeer dürfte es blitzen und donnern.

Auf dem Handy studiert Kurz die Wettermodelle. Klick, Klick, Klick, tönt es von seinem Telefon. Er zeigt auf eine Karte mit Blitzen in Echtzeit. Jeder Blitz wird akustisch gemeldet. «Bei Salzburg eskaliert es», stellt er fest.

Blitzartig ist es nicht immer

Seine Jagd-Ausrüstung ist klein. Hinter dem Rückspiegel hängt eine Actionkamera. Das Telefon klemmt er nebenan ein. Damit streamt er seine Ausflüge auf Tiktok und hält die «Zellen» immer im Blick. Auf dem Beifahrersitz liegt eine Fotokamera mit grossem Objektiv für Nahaufnahmen aus der Weite. «Griffbereit, es kann schnell gehen», sagt er.

Endlich! Die letzten Wochen war die Zahl der Gewitter und Blitze «unterdurchschnittlich», wie MeteoNews auf Anfrage schreibt.
Foto: Archiv Dominic Kurz

Zwischen Camper und Velofahrenden fährt Kurz den Gotthardpass mit seinem Auto hoch. «Schau, diese Cumulonimbus-Wolke sieht vielversprechend aus.» Blitze sieht man nicht. Kurz bleibt entspannt. «Das kann noch vier, fünf oder mehr Stunden dauern, aber das gehört zum Sturmjagen dazu.»

Ein Feuerwerk am Himmel

Seit seiner Kindheit fasziniert ihn das Wetter. Blitz, Donner, Hagel oder Tornados. Die Naturgewalt, die Grösse und Dynamik beeindrucken ihn jedes Mal, erklärt er. «Andere hören sich ein Konzert an oder sind begeistert von einem Feuerwerk.» Für ihn kommt es auf dasselbe raus.

Dunkle Wolken oder Stürme findet er schön und beeindruckend. «Ein Blitz ist wie ein Feuerwerk der Natur», so Kurz. Der in Andermatt lebende Aarauer sieht sich als professionellen Sturmjäger oder wie er sich nennt «storm chaser». Auf den sozialen Medien folgen und schauen ihm Tausende zu.

Anzeichen für Gewitter: Südwestlich von Andermatt türmte sich eine Cumulonimbus-Wolke über dem Gotthard.
Foto: Thomas Meier

Kündigen sich Gewitter an, rückt er aus, aber nicht immer. «Ein kleines Sommergewitter interessiert mich nicht», findet Kurz. Seinen Entscheid fällt er anhand der Wetterprognosen und seiner Erfahrung. «Was Meteorologen publizieren, ist wichtig, aber nicht entscheidend. Da zählt das Auge und die Erfahrung.»

Wenn möglich fährt er früh genug los, beobachtet den Himmel und die Entwicklung der Wolken. Mehrere Faktoren sind relevant für ein Gewitter mit der Aussicht auf Blitze. Die Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Instabilität der Luftmassen. «Ob wir heute Glück haben?», fragt er und liefert gleich die Antwort: «Bin mir noch nicht sicher.»

Tödliches Hobby

Auf der Südseite des Gotthards parkiert Kurz sein Auto. Die beste Sicht Richtung Süden und Westen habe man hier. Er stellt das Stativ auf, schliesst die Kamera an und schaut. «Je höher die Wolken aufsteigen, desto eher entsteht ein Gewitter», erklärt er. Sein Ziel: Gewaltige Gewitterzellen mit markanter Böenwalze und einer ambossförmigen Wolke. Hauptsache sehr viel «Feuerwerk». «Bei 80 bis 100 Blitzen pro Zelle bin ich glücklich», so der 41-Jährige.

Nicht nur das. «Wenn ich ein gutes Blitz-Bild knipse, bin ich zufrieden.» Die Aufregung, das Adrenalin schwingt dabei immer mit. Was Kurz jagt, ist für ihn auch ein Risiko und kann lebensgefährlich sein. «Einmal traf mich der Blitz – zum Glück nur ein Seitenast, sonst wäre ich tot», erklärt er trocken. Das war bei Murten FR. Der Blitz schlug in das Stativ und seinen Arm ein. «Es fitzte wie bei einem Elektrozaun.» Angst, wieder getroffen zu werden, hat er nicht. Er folgt immer seinem Sicherheitskonzept.

«Wo Parkhäuser, Tankstellen oder Gebäude sind und wie ich den Ort verlassen kann, prüfe ich immer vorab», so der 41-Jährige. Langweilig wird ihm deshalb nicht.

Der gelernte Logistiker gleicht einem Hobby-Meteorologen. Heute arbeitet er als Chauffeur für einen grossen Hotelbetrieb in Andermatt im Schichtbetrieb. Das lasse sich zwar gut verbinden, meint er, aber nicht genug. «Meine Ferien richte ich nach der Gewittersaison aus», sagt er.

Und so fährt Dominic Kurz regelmässig und lange durch die Schweiz, Deutschland oder Italien. Oft alleine, manchmal mit Gleichgesinnten. Geld verdient er, abgesehen von kleinen Spenden, damit nicht. Seine Auslagen richten sich nach den Gewittern. «In einem guten Jahr fahre ich bis zu 40'000 Kilometer und bezahle mehrere Zehntausend Franken für Transport und Unterkunft», rechnet er vor. Seit er sich Sturmjäger nennt, dokumentierte er rund 1000 Gewitter. Ende Sommer dürften es einige mehr sein.

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