Darum gehts
- Hoch-Ybrig meldet Rekord-Saisonkartenverkäufe trotz schneearmer Saison und grüner Pisten
- 80 Prozent der Skipisten offen, Rest wegen fehlendem Schnee geschlossen
- Schwyzer Skigebiet nur 8 Prozent unter dem Umsatz der Saison 2024/2025
Unten grau, oben blau. Auf 1300 Meter über Meer, oberhalb der Talstation Weglosen im Skigebiet Hoch-Ybrig, strahlt die Sonne den weidenden Gämsen auf den Rücken. Während die Skitouristen in der Gondel vorbeischweben, grasen sie auf den grünen Flecken am Hang.
Einen Augenblick später: Burger, Pizza, Älplermagronen. Skifahrerinnen und Snowboarder warten auf ihr Essen oder vor der Sesselstation Seebli auf die Abfahrt. Es ist kurz vor Mittag. Der Bahnbetrieb läuft seit den Morgenstunden auf Hochtouren, 12 von 13 Bahnen laufen.
Nicht überall siehts so aus: Am Freitag sprach ein Bündner Gastronom im Blick vom grossen Schnee-Flop. «Wenn es nicht bald schneit, haben wir ein Riesenproblem», sagte Wirt Sead Besic (40) in Obersaxen Mundaun GR. Die Pisten um seine Beizen sind grün. Kurzarbeit dürfte die Folge davon werden.
«Ohne Kunstschnee geht nichts!»
40 Kilometer nordöstlich im Hoch-Ybrig im Kanton Schwyz spricht niemand von Kurzarbeit. Hoch-Ybrig-Chef Urs Keller (39) sitzt entspannt in der neuen Gondel und strahlt: «Wir verkauften noch nie so viele Saisonkarten wie in dieser Saison.» Dass seinen Bahn-Kollegen in Graubünden oder dem Tessin nichts zu lachen ist, macht ihm weh.
«Es ist immer eine Frage des Glücks», so Keller. Schnee, Wind und Temperatur müssen stimmen, damit die Zahlen florieren. «Wir leben heute noch vom grossen Schneefall Ende November.» Aber dennoch sagt der Chef: «Ohne Kunstschnee geht nichts!»
80 Prozent der Skipisten sind aktuell geöffnet. Der Rest ist geschlossen. Der Grund: Fehlender Schnee. «Obwohl die technische Beschneiung möglich wäre, brauchen wir 60 bis 80 Zentimeter Naturschnee auf der Talabfahrt», erklärt Keller.
Holländer: «Zum Glück ist Samstag»
Von den schneearmen Ecken spüren die Schneesportler noch nichts. Andreas (48) und Rebekka (39) reisten aus Deutschland an – zum ersten Mal ins Schwyzer Skigebiet. «Der Schnee ist toll und das Panorama ist wunderbar», erzählt der Deutsche. Ihr Herausforderung sei die Orientierung. Rebekka: «Wir kennen uns noch nicht gut aus, aber das kommt noch im Verlaufe des Tages.»
Dass der Schnee diese Saison nicht immer nur gut war, wissen die beiden Freestyle-Anfänger Jason (15) und Tristan (17). Sie investierten ihren Lehrlingslohn in eine Saisonkarte. «Dank dem Naturschnee verbesserte sich die Qualität stark. Anfang Saison war dem nicht so», findet Tristan. Ab dem Schnee können sie sich nicht mehr beklagen. Einzig: «Die Rennfahrer aus den Skiclubs stören, weil sie rücksichtslos fahren», so Jason.
Jochen (45) zählt sich selbst nicht zum Schlag Rennfahrer. «Ich fahre möglichst langsam», sagt der Niederländer, während seine Kinder ihn zum Weiterfahren drängen. Mit seinem selbstgelernten «holländischen Fahrstil» wolle er die anderen Skifahrerinnen nicht gefährden. Er findet: «Zum Glück ist Samstag, denn am Sonntag hat es viel mehr Leute hier.»
Das spüren derweil auch die Verantwortlichen des Skigebiets. Sie zählen sich zu den Glücklichen. Nach der Rekordsaison 24/25 liegen die Schwyzer bloss acht Prozent unter dem Vorjahresumsatz. Sehr erfreulich, sagt Geschäftsführer Keller zu Blick. Und dennoch: Trotz Kunstschnee geht hier ohne Naturschnee nichts.