Darum gehts
- Kristina Hunkeler fand nach Rückschlägen Hilfe in Babywunsch-Klinik
- Schweizer Klinik enttäuschte mit mangelhafter Betreuung und Kommunikation
- 10'000 Franken für drei Versuche führten zur erfolgreichen Schwangerschaft
Kristina Hunkeler (35) sitzt strahlend auf ihrem Sofa und hält ihren Sohn liebevoll in den Armen. Hinter ihr eine Fotowand voller Bilder, auf denen die wichtigsten Momente der letzten Jahre festgehalten sind. Das Schwangerschafts-Shooting. Dann die ersten Babyfotos mit Jöö-Faktor. Und schliesslich Aufnahmen vom ersten Geburtstag. Im Gang hängt noch ein XXL-Foto der Hochzeit, Kristina und ihr Mann Andy strahlen. Die Bilder zeigen die Stationen einer typischen Familiengründung.
Was die Bilder nicht zeigen: Bis zu ihrem «Wunder-Baby» musste das Luzerner Paar einige Umwege nehmen – verbunden mit Verlust und Angst, aber auch voller Hoffnung. Kristina Hunkeler sagt zu Blick: «Es war ein langer, steiniger Weg bis hierhin – doch er hat sich gelohnt!»
Die Fehlgeburt
Nach drei Jahren Beziehung heiratete das Paar im August 2020. Für die beiden war klar: «Wir wollen ein Baby!» Anfang 2021 wurde Hunkeler schwanger. Die Freude: unbeschreiblich!
Doch dann schlug das Schicksal zu: In der zehnten Schwangerschaftswoche verlor das Paar das Baby. Der Verlust plagte Hunkeler. Weil Fehlgeburten noch immer ein grosses Tabu sind, konnte sie zunächst mit niemandem darüber sprechen. «Für viele ist das Thema mit Scham und Schuldgefühlen verbunden», sagt sie. «Ich fühlte mich so einsam mit dieser Erfahrung.»
Die Babywunsch-Klinik
Schliesslich fand Hunkeler den Mut und sprach mit Kolleginnen im Geschäft darüber. «Heute weiss ich: Fehlgeburten kommen recht häufig vor. Und: Die Gespräche halfen mir, aus einem anderen Winkel auf diesen Verlust zu blicken.» In der Schweiz verliert gemäss Schätzungen eine von sechs Schwangeren in den ersten Wochen ihr Kind. Pro Jahr sind das etwa 20'000 Frauen.
Hunkeler versuchte weiterhin auf natürlichem Wege schwanger zu werden – doch der Erfolg blieb aus. Erst der Tipp einer Kollegin eröffnete dem Paar eine neue Möglichkeit: eine Babywunsch-Klinik.
Das Paar suchte eine Klinik in der Zentralschweiz auf – war aber total unzufrieden. Es wurden zwar viele Tests gemacht. «Man sagte uns aber auch nach Wochen nicht offen und direkt, wo die Schwierigkeiten genau lagen und wie unsere Chancen überhaupt standen», erinnert sich Hunkeler.
Keine natürliche Schwangerschaft möglich
Schliesslich brachte eine weitere Freundin Hunkeler auf die Idee, sich Hilfe in einer Baby-Klinik im österreichischen Feldkirch zu holen. Hunkeler: «Dort wurde mir im Herbst 2023 zum ersten Mal überhaupt erklärt, dass ich nicht ohne medizinische Hilfe ein Kind zur Welt bringen kann.»
Der Grund: Die 35-Jährige leidet am Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom). Dabei handelt es sich um eine hormonelle Störung, bei der die Eierstöcke viele kleine, unreife Eibläschen bilden. Zusätzlich hat sie eine Schilddrüsenunterfunktion, was etwa für die Eizellenreifung nicht ideal ist. Hinzu kommt ein Progesteronmangel, was dazu führen kann, dass sich eine befruchtete Eizelle nicht einnistet.
Die künstliche Befruchtung
Das Paar entschied sich deshalb für eine künstliche Befruchtung – eine sogenannte In-vitro-Fertilisation (IVF). Die Behandlung im Ausland mussten sie selbst bezahlen. «Meine Schwangerschaft kostete etwa 10'000 Franken», sagt Hunkeler. Auch wenn die Behandlung in der Schweiz erfolgt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten nicht, die hier zwischen 5000 und 9000 Franken pro Versuch liegen.
Auch die künstliche Befruchtung sei so ein heikles Thema, über das kaum jemand offen spricht, findet Hunkeler. «Vermutlich hängt das damit zusammen, wie eine Frau in der Gesellschaft wahrgenommen wird. Sie muss auch heute noch als gebärfreudig und gebärfähig gelten.»
Ein Blick in die Statistik zeigt: 6513 Frauen liessen sich im Jahr 2023 in der Schweiz mit der IVF-Methode behandeln. Daraus entstanden 2511 Kinder, die lebend geboren wurden. Sie machen 3 Prozent aller Geburten in der Schweiz aus. Was die Statistik nicht zeigt: wie viele Kinder im Ausland per IVF-Methode entstanden sind. Hunkeler sagt hierzu: «In der Klinik in Feldkirch hiess es, dass jede zweite Patientin aus der Schweiz kommt.»
Das Wunder
Nachdem zwei Versuche fehlschlugen, wurden ihr beim dritten Versuch gleich zwei Eizellen eingesetzt – ein Schritt, der nur in gewissen Fällen erlaubt ist. «Ich war ja schon etwas älter und hatte schon zwei Fehlschläge hinter mir», sagt Hunkeler. Und dann passierte es: Im Januar 2024 wurde sie schwanger!
Blickt sie zurück, füllen sich ihre Augen noch heute mit Tränen der Freude. «Damals behielten wir die Nachricht noch lange für uns. Manche erfuhren erst bei der Geburt von unserem Baby. Zu gross war unsere Angst, dass wieder etwas schiefgehen könnte», sagt Hunkeler und drückt ihren Sohn enger an sich ran.
Hunkelers Wunsch heute: «Wir Frauen sollten mehr und offener miteinander über solche Themen sprechen. Je mehr wir miteinander sprechen, desto eher finden wir Unterstützung, Lösungen und Wege.»