Ein Mann gegen alle
«Jedes Jahr werden 20’000 Füchse geschossen – für nichts»

Pascal Wolf ist 31, Jurist – und gegen die Fuchsjagd. In 14 Kantonen hat er schon Petitionen eingereicht. Seine Geschichte zeigt: Einzelkämpfer haben es schwer, können aber durchaus etwas erreichen.
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«Jedes Jahr werden rund 20’000 Füchse geschossen – für nichts», sagt Pascal Wolf.
Foto: Imago, zVg; Montage: Beobachter

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Conny Schmid
Beobachter

Über sich selbst spricht er mit dem Beobachter ungern, persönlichen Fragen weicht er aus. Doch sobald das Gespräch auf sein Herzensthema kommt, taut der Luzerner Jurist auf: Pascal Wolf, 31 Jahre alt, stellt sich gegen eine jahrhundertealte Tradition. Es geht um das Schicksal der Schweizer Füchse – und für ihn um Gerechtigkeit.

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In 14 Kantonen hat er bereits Petitionen eingereicht und fordert, dass sie die wissenschaftlichen Grundlagen für die Fuchsjagd überprüfen. Kantone und Jagdverbände betonen gerne, dass der Fuchs keine natürlichen Feinde habe, weshalb die Jagd nötig sei, etwa zur Seuchenkontrolle oder zum Schutz von bedrohten Bodenbrütern. Das zeigt sich auch in den Antworten, die Wolf auf seine Petitionen erhält.

Doch er hat zahlreiche Studien gelesen und ist zu einer anderen Einsicht gelangt: Ein hoher Jagddruck kurbelt die Geburtenrate der Tiere an und fördert die Verbreitung von Krankheiten (siehe Box). Die Fuchsjagd löse keines der Probleme, die sie zu lösen vorgibt, sagt Wolf. Für ihn ist klar: Jemand muss etwas tun. «Jedes Jahr werden in der Schweiz rund 20’000 Füchse geschossen – für nichts. Das darf nicht sein.» Er habe einen starken Gerechtigkeitssinn. «Und das ist doch ungerecht, finden Sie das nicht ungerecht?»

Solche Fragen stellt Pascal Wolf gerne. Der Beobachter trifft ihn in der Bye Bye Bar am Flughafen Zürich, wenige Stunden vor seinem Abflug nach Bali. Er trägt feine Lederschuhe, Handgepäck hat er keines dabei – ungewöhnlich für einen Langstreckenflug. Ob er beruflich oder privat verreist, verrät er nicht. Wann er zurückkehrt? Kann er noch nicht sagen.

Kritik an den Medien

Wolf gibt sich zugeknöpft. Überhaupt begegnet er der Journalistin mit Skepsis. Das liegt auch an der Berichterstattung über sein Kernanliegen, die Fuchsjagd. «Jäger werden als Experten befragt, dabei sind die Interessenvertreter. Sie dürfen Dinge behaupten ohne Belege, und ihre Aussagen werden gleichwertig behandelt wie wissenschaftliche Studien. Journalisten müssen doch kritisch hinterfragen, oder nicht?»

Seine beruflichen Erfahrungen und persönlichen Lebensumstände behält er für sich. Er stamme aus einfachen Verhältnissen, habe internationales Recht studiert, in Genf gelebt und zur Uno gewollt – das ist alles, was er erzählt. Ob und wo er als Jurist arbeitet, lässt er sich nicht entlocken.

Lust, sich zu exponieren, scheint also nicht sein Antrieb zu sein. Ist es Tierliebe? Oder Debattierfreude? «Für mich ist es Charaktersache, eine Frage der Integrität. Der Fuchs kann nicht für sich selbst kämpfen – und einer muss es tun. Warum nicht ich?»

Enttäuschende Reaktionen

Wolf wählt die politische Petition als Mittel, weil sie kostengünstig ist. Und weil er hofft, dass Kantonspolitikerinnen und -politiker selbst aktiv werden, da die Sache so offensichtlich sei. Trotzdem schrieb er einige persönlich an, um sie zu entsprechenden Vorstössen zu bewegen. Aus sechs Kantonen hat er bisher Antworten erhalten. Sie sind mal länger, mal kürzer ausgefallen. Inhaltlich sagen alle etwa dasselbe: Wir haben den Fuchs immer schon gejagt, und es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern. Man verweist auf bewährte, nationale und kantonale Jagdgesetze. Manchmal kommt auch keine Reaktion.

Mit Widerstand hat Wolf gerechnet, aber nicht mit Diskussionsverweigerung. Seine Enttäuschung ist gross. «Ich erwarte von Behörden und Politikern, dass sie die nötige Seriosität an den Tag legen und sich zumindest mit den Argumenten auseinandersetzen», sagt er. Doch nicht mal Linke und Grüne oder Tierschutzorganisationen wollten sich engagieren. «Das ist doch bedenklich, finden Sie nicht?»

Die Erklärung, Politik funktioniere selten rein rational, lässt er nicht gelten. «Wenn Sie die Bevölkerung fragen würden, ob es in Ordnung ist, jedes Jahr ohne Grund Zehntausende Füchse zu erlegen, würde sie dies ablehnen. Versuchen Sie mal, dies einem Kind zu erklären.» Für ihn versagt das politische System. «Wenn man sich wider besseres Wissen nicht für eine Sache einsetzt, die man sich auf die Fahne schreibt, stimmt etwas nicht.»

Doch ganz erfolglos war Wolf gar nicht. Der Kanton Zug bedankte sich für seinen Input. Der Regierungsrat gab eine externe Studie in Auftrag. Diese kam zum gleichen Schluss wie Wolf – dass die Fuchsjagd wissenschaftlich nicht notwendig ist. Der Kanton will sie nun nicht mehr aktiv fördern.

Kompromisslos und manchmal forsch

In Bern überzeugte Wolf den GLP-Grossrat Casimir von Arx, Präsident des Berner Tierschutzes. Dieser reichte eine Motion für ein fuchsjagdfreies Testgebiet ein. Sogar ein SVP-Grossrat unterschrieb. Von Arx sagt: «Ich habe selten ein so fundiertes und gut begründetes Anliegen erhalten.» Doch Wolf war der Vorstoss nicht genug: «Wir brauchen keine weiteren teuren Studien, die bereits etablierte Fakten neu untersuchen», sagt er.

Diese Kompromisslosigkeit eckt bisweilen an. Wolf komme manchmal etwas forsch rüber, das könne den politischen Erfolg erschweren, sagt von Arx.

Dennoch zeigt der Druck des Einzelkämpfers Wirkung: Die später erschienene Studie aus dem Kanton Zug dient dem Politiker nun als Argument für einen direkteren Vorstoss. Er fordert, die Fuchsjagd durch ein Fuchsmanagement zu ersetzen. Für von Arx steht fest: «Wolf ist ein gutes Beispiel dafür, dass man in unserer Demokratie auch als Einzelkämpfer etwas erreichen kann.»

Manche hielten ihn wohl für einen unangenehmen, mühsamen Typen, sagt Pascal Wolf. Aber er werde weiter für den Fuchs kämpfen und «keine unsinnigen Kompromisse eingehen». «Ich habe den Glauben an die Menschheit noch nicht verloren», sagt er – und meint es ironisch.

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