Darum gehts
- Ein Brandstifter zerstörte 2024 Abdullah Gündogdus Porsche in Root LU
- Das Feuer gefährdete einen Öltank, was eine Katastrophe verhinderte
- Täter wird bald vor Bezirksgericht Hochdorf LU stehen
Abdullah Gündogdu (49) aus Root LU ist ein cooler Typ. Er ist selbstbewusst, freundlich, zuvorkommend und hat immer einen lässigen Spruch auf den Lippen. Doch wenn der breit gebaute, nicht unbekannte Kunsthändler mit türkischen Wurzeln über eine Nacht im April 2024 spricht, verdunkelt sich seine Stimmung.
Am Morgen des 9. April 2024, ungefähr um 5 Uhr, wurden Gündogdu und seine ganze Familie unsanft aus den Federn geholt. Feuerwehr und Polizei läuten Sturm und poltern an die Tür. Im Unterstand brannte sein frisch gekaufter Porsche Macan lichterloh. «Es war Horror», sagt er. Neuwert des Autos: rund 90'000 Franken. Gündogdu holte sich den Boliden gebraucht für die Hälfte. «Es hat mir so wehgetan, als ich ihn brennen sah.»
Eigentlich wollte er das Auto folieren lassen und so Werbung für seinen Kunsthandel machen, sagt er. Versichert war das Auto noch nicht, eingelöst auch nicht – ein grosser Fehler, wie sich herausstellen sollte. «Ich dachte, im Unterstand ist er sicher vor Regen, Hagel und Wind», sagt Gündogdu. «Und dann kommt einer und fackelt ihn ab.»
«Gänsehaut»
In unmittelbarer Nähe zum brennenden Auto befand sich der Öltank des Wohnhauses. «Wir hatten ein Riesenglück», sagt Gündogdu. Er zeigt Blick den Ort des Geschehens. Gündogdu ist gezügelt, allerdings nur auf die andere Strassenseite.
Auf der Strasse wurde damals auch ein parkierter Lieferwagen von Gündogdu zum Anzünden vorbereitet. «Auf die Pneus im Radkasten legte der Täter Stoff, Watte und goss Brennflüssigkeit drüber.»
Der Kunsthändler in Root war mutmasslich nicht das einzige Opfer des Brandstifters. In der gleichen Nacht, ein paar Stunden zuvor, brannte im benachbarten Buchrain eine Baumaschine. In Root wurden bei parkierten Autos zudem Fenster eingeschlagen und Pneus zerstochen. Nur dank eines aufmerksamen Anwohners, der die Polizei rief, konnte Schlimmeres verhindert werden. «Diese Person möchte ich gern umarmen», sagt Gündogdu. Die Luzerner Polizei konnte den mutmasslichen Brandstifter festnehmen.
«Ich verzeihe ihm, wenn Gott ihm verziehen hat»
Der beschuldigte Frédéric P.* (45) verbrachte einen Grossteil seiner Zwanziger in einer WG für Menschen mit schwierigem familiären Hintergrund und Suchtvergangenheit.
Aus einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 2008 geht hervor, dass sich Frédéric P. gefangen habe, als Kleinkinderzieher arbeite und mit seiner Freundin zusammengezogen sei. Jahre später zündet er mutmasslich Autos an. Nach seiner Festnahme wurde er aus dem Verkehr gezogen. Er sitzt jetzt in der Justizvollzugsanstalt Cazis Tignez im Kanton Graubünden.
Zum mutmasslichen Täter sagt Abdullah Gündogdu: «Ich verzeihe ihm, wenn Gott ihm verziehen hat.» Auch zwei Jahre später kann der Kunsthändler noch nicht wirklich glauben, was Frédéric P. gemacht haben soll: «Du zündelst, wo Leute am Schlafen sind. Ich hoffe, er bekommt seine gerechte Strafe.»
Die Ermittlungen in Sachen «Brandstifter von Root» sind abgeschlossen. Bald folgt die Anklageerhebung beim Bezirksgericht Hochdorf LU.
Der Staatsanwaltschaft gegenüber gab Gündogdu den Wert seines Porsches an. Da er sein Auto aber nicht versichert hatte, kann er vor Gericht nur auf Schadenersatz hoffen. Wird der Täter verurteilt, kann aber nicht zahlen, sieht Gündogdu für seinen niedergebrannten Porsche höchstwahrscheinlich keinen Rappen.
Doch das ist nicht Gündogdus einzige Sorge: Nach über zwei Jahren Ungewissheit möchte er endlich Klarheit. Ob und wie lange der Brandstifter in den Knast kommt. Und ob Gündogdu für seinen Porsche überhaupt noch ein paar Franken zurückbekommt. Etwas hat er fürs Leben gelernt: «Wenn ihr ein Auto kauft, versichert es sofort!»
* Name geändert