Wütende Menschen fackeln Behandlungszentrum ab
1:24
Drinnen liegen tote Menschen:Angehörige fackeln aus Wut Zelt ab

«Wir können Leben retten»
Er reist im Kampf gegen Ebola in den Kongo

Ein tödliches Virus, ausgerufene Notlage und ein Mangel an medizinischen Gütern – die Lage im Kongo spitzt sich immer weiter zu. Das Schweizerische Rote Kreuz schickt einen Einsatzleiter in das zentralafrikanische Land, um die Hilfe vor Ort zu koordinieren.
Kommentieren
1/8
Das Ebola-Virus breitet sich im Kongo immer weiter aus.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die WHO meldet Dutzende Ebola-Infektionen, 600 Verdachtsfälle und 139 Todesopfer
  • Bruno Michon vom Schweizerischen Roten Kreuz wird vor Ort in Kongo den Einsatz koordinieren
  • Sterblichkeitsrate bei 50 bis 60 Prozent, kein Impfstoff für aktuellen Virenstamm verfügbar
Angela_Rosser_Journalistin NewsDesk_Ringier AG_2-Bearbeitet.jpg
Angela RosserJournalistin News

In Zentralafrika steigt die Zahl an gemeldeten Ebola-Infektionen rasant an. Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldete zuletzt 51 bestätigte Infektionen, fast 600 Verdachtsfälle und 139 vermutete Todesfälle. Auch das Schweizerische Rote Kreuz hilft aktiv vor Ort und schickt einen Experten für humanitäre Hilfe in die Demokratische Republik Kongo.

Bereits in den nächsten Tagen soll es für den Freiwilligen Bruno Michon (50) losgehen. Es herrscht Alarmstufe Rot. Darum muss es jetzt auch schnell gehen. «Das Protokoll ist sehr strikt und da braucht es Menschen mit viel Erfahrung», sagt Michon. 

Logistisches Mammutprojekt

Mit Blick hat er über das Aufhalten einer tödlichen Krankheit, das Ringen um Vertrauen in der Bevölkerung und die logistischen Herausforderungen hinter der Rettung von Menschenleben gesprochen.

Als Operations Manager wird Bruno Michon ein wahres Mammutprojekt leiten. Teams koordinieren, Lieferketten sichern und gleichzeitig die strengen Standards der Nothilfe garantieren. «Schnell ist gut, aber schnell auf die bestmögliche Weise ist besser», sagt Michon. «Wir müssen die Standards strikt einhalten.»

Vertrauen als grösste Herausforderung

Auf die Frage, warum man freiwillig in ein Krisengebiet reist, sagt er: «Gute Frage, die stelle ich mir selber jeden Morgen! Aber es ist die Arbeit, die ich mir vor 20 Jahren ausgesucht habe. Ich glaube fest daran, dass mein Platz dort bei der gefährdeten Bevölkerung ist.» 

Die grösste Hürde sei, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. In der betroffenen Provinz, die ohnehin unter grosser Instabilität leidet, ist das Misstrauen gegenüber Behörden gross. 

Aufklärung und Wahrung der Würde

Befeuert wird das Misstrauen durch Stigmatisierung und Gerüchte. «Viele Menschen wissen zu wenig über die Krankheit und es kursieren Gerüchte, das Virus sei importiert worden», führt Michon aus.

Genau hier setzt das Rote Kreuz an. «Wir müssen die Menschen überzeugen, bei Symptomen ein medizinisches Zentrum aufzusuchen.» Wichtig sei auch der Umgang mit Todesopfern und das Wahren von traditionellen Werten und Ritualen.

Das Ebola-Virus ist auch nach dem Tod noch hochgradig ansteckend. Michon erklärt: «Wenn jemand stirbt, gibt es kulturelle Abläufe, die wir respektieren müssen. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass der Leichnam keine Gefahr für die Gemeinschaft darstellt.»

Kein Impfstoff für diesen Virenstamm

Eine weitere Herausforderung ist der aktuelle Virenstamm, der sich deutlich von früheren unterscheidet. Die Sterblichkeitsrate liegt bei verheerenden 50 bis 60 Prozent. Während der letzte Ausbruch im vergangenen Jahr dank frühzeitiger Erkennung rasch eingedämmt werden konnte, sieht die Lage nun völlig anders aus. «Dieser Ausbruch wurde erst spät bemerkt. Das Virus hat sich unerkannt ausgebreitet und die klassischen Ebola-Impfstoffe wirken hier nicht», so Michon.

Die Geografie verschärfe das Problem: «Aus Angst vor dem Virus fliehen die Menschen aus den Dörfern. Dadurch droht sich die Krankheit weiter auszubreiten.» Michons Einsatz ist vorerst auf drei Monate ausgelegt. «Ich befürchte aber, dass diese Krise die betroffene Bevölkerung und auch die Helferinnen und Helfer noch lange fordern wird.»

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Mehr finanzielle Unterstützung

Dringend gebraucht wird auch Hilfe von aussen. Neben der Arbeit in den Gemeinden müssen neue Isolationszentren errichtet werden. «Nur wenn Infizierte isoliert werden, können wir erfolgreich sein.»

Dafür und für Nachschub an medizinischem Material braucht es Geld. «Nur schon, um das medizinische Personal zu schützen, mangelt es an den simpelsten Dingen wie Masken, Handschuhen und Leichensäcken», sagt Michon. Von der WHO wurden gerade einmal zwölf Tonnen Material angeliefert. «Das klingt nach viel, ist es aber nicht.» Wie viel Material man braucht, habe man schon zu Zeiten von Covid-19 erlebt, als auch Europa unter dem schleppenden Warenfluss litt.

Es brauche nun keine Schockmeldungen, sondern konkrete Solidarität durch finanzielle Mittel. «Es ist kein unabwendbares Schicksal. Wir können kämpfen, wir können Leben retten. Vor dieser Krankheit sind alle Menschen gleich.» Wenn man die nötigen Gelder erhalte, könne man diesen Ausbruch beenden. «In einer Welt, in der sich Krankheiten so schnell und einfach ausbreiten, ist niemand von uns dauerhaft vor einem Ausbruch geschützt. Wir müssen jetzt an der Seite der kongolesischen Bevölkerung stehen.»

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen