Darum gehts
- WHO ruft am 16. Mai Notlage wegen Ebola in Afrika aus
- Mindestens 100 Tote, 330 Verdachtsfälle in der Demokratischen Republik Kongo gemeldet
- Sterblichkeit des Bundibugyo-Virus liegt bei knapp 40 Prozent
Der Ebola-Virus-Ausbruch in Zentralafrika sorgt erneut für grosse Sorgen. Besonders betroffen sind derzeit Regionen in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda – wo sich die gefährliche Infektionskrankheit in den vergangenen Tagen stark ausgebreitet hat. Gesundheitsbehörden und internationale Hilfsorganisationen versuchen, die Ausbreitung einzudämmen, und haben eine Notlage ausgerufen.
Die aktuelle Lage
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 16. Mai eine Notlage ausgerufen. Mit diesem Schritt möchte die Uno-Behörde die Nachbarländer sensibilisieren und Aufmerksamkeit schaffen. Um einen Pandemie-Alarm handelt es sich jedoch nicht.
Die WHO erklärte, der zunehmende Anstieg von Verdachts- und Todesfällen deute darauf hin, dass das tatsächliche Ausmass des Ausbruchs womöglich deutlich grösser sei als bisher bekannt. Dadurch steige auch das Risiko einer weiteren Ausbreitung des Virus innerhalb der Region und darüber hinaus. Die Demokratische Republik Kongo meldete am Montagabend mindestens 100 Tote und bis zu 330 Verdachtsfälle.
Darum ist die WHO so besorgt
Das Virus verbreitet sich aktuell an der Grenze zwischen dem Kongo und Uganda respektive dem Südsudan. Durch die vielen Bewegungen, die in Grenzregionen stattfinden, ist das Risiko für eine Verbreitung höher. Hinzu kommt: In den betroffenen Provinzen herrscht eine angespannte humanitäre Lage. Die Sicherheitslage für die Bevölkerung ist fragil.
Beim aktuellen Erreger geht es um das Bundibugyo-Virus. Gegen diesen Erreger gibt es keinen Impfstoff. Diese Faktoren zusammen machen aus der aktuellen Situation ein «aussergewöhnliches Ereignis», so die WHO.
So tödlich ist der aktuelle Erreger
Im Durchschnitt stirbt jeder zweite Mensch infolge einer Erkrankung. Die Sterblichkeit kann je nach Stamm jedoch zwischen 20 und 90 Prozent schwanken. Beim Bundibugyo-Virus liegt der Anteil der angesteckten Personen, die sterben, bei knapp 40 Prozent.
Bei früheren Ausbrüchen der lebensbedrohlichen Krankheit handelte es sich hauptsächlich um das am häufigsten vorkommende Zaire-Ebolavirus.
Ebola beginnt mit unspezifischen Symptomen
Die ersten Symptome von Ebola ähneln oft einer Grippe. Fieber, Müdigkeit, Unwohlsein und Gliederschmerzen können auftreten. Nach wenigen Tagen kommen in der Regel Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und starke Bauchschmerzen hinzu. Im weiteren Verlauf kann die Krankheit schwere Beschwerden wie Atemnot, Krampfanfälle, Verwirrtheit sowie innere und äussere Blutungen verursachen. Bei schweren Verläufen können Nieren, Leber und andere Organe versagen. Betroffene sterben meist an den Folgen von massivem Flüssigkeitsverlust und multiplem Organversagen.
Übertragen werden die Viren durch engen Körperkontakt und den Austausch von Körperflüssigkeiten sowie über kontaminierte Gegenstände – etwa Nadeln.
Hilfsorganisationen planen Grosseinsatz
Laut Wissenschaftlern hat der Ausbruch in der dritten April-Woche begonnen. «Wir untersuchen gerade, wo und wann genau er begann, um die Infektionskette zurückverfolgen zu können», sagte Jean Kaseya, Direktor der afrikanischen Gesundheitsbehörde CDC.
Die Organisation Ärzte ohne Grenzen bereitet sich derweil auf einen längeren Einsatz vor. «Die Zahl der Fälle und Todesfälle, die wir in so kurzer Zeit beobachten, ist äusserst besorgniserregend», erklärte Trish Newport, Leiterin des Nothilfeprogramms von Ärzte ohne Grenzen. «Die Menschen leben in ständiger Unsicherheit, weshalb schnelles Handeln entscheidend ist.»
Die WHO ruft die zehn Nachbarländer der Demokratischen Republik Kongo zur Vorsicht auf. Sie seien gefährdet und sollten Massnahmen zur Behandlung sowie Eingrenzung allfälliger Ebola-Fälle treffen.
Andere Länder sollten jedoch keine Reisebeschränkungen oder Massnahmen an den Grenzen beschliessen. Die WHO warnte, dass Menschen in diesem Fall auf unkontrollierte Grenzübergänge ausweichen könnten, die keiner Überwachung unterliegen. Dadurch würde das Risiko steigen, dass sich Ebola weiter verbreitet.