Darum gehts
- Der Treuhänder Daniel Donnet-Monay steht wegen schwerer Vorwürfe im Fokus
- Anklagen: Waffenhandel, Söldnertätigkeit, Geldwäscherei und Verbindungen zu Kriegsverbrechen
- Über 822'000 Franken durch Scheinrechnungen verschleiert, Millionenbeträge unklar verteilt
Daniel Donnet-Monay gilt offiziell als Buchhalter. Doch in den Unterlagen rund um Jacques (49) und Jessica Moretti (41) taucht er immer wieder als zentrale Figur im Hintergrund auf. Sein Name zieht sich durch Hunderte Dokumente. Die Verbindungen reichen laut «Tages-Anzeiger» mehr als ein Jahrzehnt zurück. Damals soll er Moretti den Einstieg ins Geschäftsleben ermöglicht haben, mit einem ersten Geschäftsführerposten.
Das Projekt scheiterte schnell, doch Donnet-Monay blieb im Spiel. Der Buchhalter stellte rund 20'000 Franken Startkapital bereit und half beim Aufbau einer neuen Firma. Später soll er auch beim Kauf von Geschäftsräumen eine Schlüsselrolle gespielt und den Kontakt zu einer Bank im Wallis hergestellt haben. Auch die Buchhaltung lief teilweise über seine Strukturen. Die Treuhandfirma AAGS führte gemeinsam mit Jessica Moretti mehrere Betriebe. Als Donnet-Monay 2024 ausschied, verschwanden laut Stimmen aus dem Umfeld Unterlagen wegen einer IT-Panne.
Schwere Vorwürfe und drei Strafanzeigen
Nun steht Donnet-Monay auch im Fokus der Justiz. Ein Opferanwalt hat in Bern, Sitten und Paris drei Strafanzeigen gegen ihn und mehrere Firmen eingereicht. Die Vorwürfe wiegen schwer: mutmasslicher illegaler Waffenhandel, unerlaubte Söldnertätigkeiten in Afrika und Geldwäscherei. Im Raum steht zudem die Zusammenarbeit mit einer Person mit mutmasslicher Kriegsverbrecher-Vergangenheit.
Unter der Leitung von Donnet-Monay soll die Handelsfirma im Sicherheits- und Rüstungsbereich Algemira SA militärische Ausrüstung an Sicherheitskräfte in mehreren afrikanischen Staaten vermittelt haben. Ein 57-seitiger Katalog listet Tränengas, Blendgranaten, Zielsysteme für Sturmgewehre wie AK-47 und M16, Elektroschock-Schilde sowie bewaffnungsfähige Drohnen. Die Güter sollen ohne Bewilligungen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) aus der Schweiz vermittelt worden sein.
Zudem sollen zwischen 2017 und 2020 über die Algemira SA weissrussische Instruktoren in die Elfenbeinküste entsandt worden sein, um Streitkräfte an Cayman-Panzern auszubilden und Wartungen zu übernehmen. Parallel dazu soll die Lausanner Beratungs- und Sicherheitsfirma Vici SA nachrichtendienstlich tätig gewesen sein. Trotz mehrfacher Hinweise des EDA wurden die Aktivitäten nicht korrekt deklariert. Im Raum steht demnach auch ein Verstoss gegen das Bundesgesetz über private Sicherheitsdienstleistungen im Ausland.
Mysteriöse Geldflüsse
Besonders brisant ist ein Vermittlungsvertrag vom 17. April 2020. Darin treten Vici SA, Algemira SA und der ehemalige französische Gendarm Robert Montoya gemeinsam auf. Gegen ihn wird in Frankreich wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermittelt. Er gilt als Schlüsselfigur im Umfeld der Lieferung von SU-25-Kampfflugzeugen, die 2004 beim Angriff auf ein französisches Militärlager in Bouaké im Zentrum der Elfenbeinküste eingesetzt wurden. Trotzdem sind Provisionen bis zu 15 Prozent vorgesehen.
Auch die Geldflüsse stehen im Fokus. Laut den Anzeigen soll über die AAGS ein komplexes Konstrukt wirtschaftlich Berechtigter verschleiert worden sein, mit Strohmännern, Inhaberstrukturen und Firmen in Hongkong. Dazu kommen Scheinrechnungen unter dem Namen «Data Collector». Über 822'000 Franken sollen zwischen Firmen für angebliche IT-Leistungen zirkuliert sein, oft mit identischen Beträgen und ähnlichen Rechnungsnummern. Eine zentrale Rolle spielt die Socralex SA, die 2024 ohne Vermögenswerte in Konkurs ging.
Bei der Swiss Digital Services SA wurde der Wert einer angeblich selbst entwickelten Software innert kurzer Zeit stark erhöht, obwohl das Unternehmen überschuldet blieb. Gleichzeitig flossen interne Kredite in Millionenhöhe, darunter 1,8 Millionen an die Vici SA. Nach dem Konkurs der Socralex SA wurde das Verfahren mangels Aktiven eingestellt. Nun soll die Staatsanwaltschaft klären, wohin die Gelder geflossen sind.