Darum gehts
- Am 25. Juni: Wasserfälle an der Nordwand des Matterhorns entdeckt
- Experten warnen vor Permafrost-Tauen und erhöhter Felssturzgefahr
- Nullgradgrenze an dem Tag zwischen 4500 und 4800 Metern
Das Bild sorgte über die Landesgrenzen hinaus für Staunen. Über die steile Nordwand des Matterhorns schiessen plötzlich riesige Wasserfälle talwärts. In den sozialen Medien vermuteten manche sogar ein KI-generiertes Fake. Doch die Aufnahme ist echt.
Wie die Walliser Zeitung «Le Nouvelliste» und der Tessiner Sender RSI berichten, entstand das Foto am 25. Juni um 18.10 Uhr. Aufgenommen hat es der 78-jährige Zermatter Bergführer Harry Lauber von seinem Chalet aus. «In Zermatt fielen nur wenige Regentropfen, aber über dem Gipfel des Matterhorns entwickelte sich ein Gewitter», sagte Lauber. Das Naturschauspiel habe «nur fünf bis zehn Minuten» gedauert.
Zu hohe Nullgradgrenze
Weiter erklärt der langjährige Bergführer auch, wie es zu den spektakulären Wasserfällen kam: «Warme Luft steigt an den steilen Berghängen auf und begünstigt so die Entstehung lokaler Gewitter. Das Wasser fliesst dann die Wände hinab und bildet diese Wasserfälle.» Laut Le Nouvelliste beobachtete Lauber ein ähnliches Ereignis zuvor erst einmal – während eines Hagelgewitters im Sommer 2022.
Dass die Wassermassen diesmal über die fast senkrechte Nordwand stürzten, hängt auch mit den hohen Temperaturen zusammen. Meteorologe Luca Nisi von «Meteo Schweiz» erklärte gegenüber RSI: «Früher hätte derselbe Niederschlag den Berg wahrscheinlich weiss gefärbt, statt Regen zu bringen.» Die Nullgradgrenze lag an diesem Tag bei rund 4500 bis 4800 Metern.
Eiswand völlig verschwunden
Für Experten ist das Bild deshalb weit mehr als eine spektakuläre Aufnahme. Die italienischen Glaziologen Riccardo Scotti und Giovanni Baccolo sprechen gegenüber der Walliser Zeitung von einer Szene, die früher «äusserst selten» gewesen wäre. Die einst berühmte Eiswand des Matterhorns gehöre «nun der Vergangenheit an».
Regen in dieser Höhe beschleunigt zudem das Auftauen des Permafrosts und erhöht die Gefahr von Felsstürzen. «Dieses Jahr sehe ich die Nordwand zum ersten Mal völlig ohne Eis», sagte Lauber gegenüber RSI. Wo früher selbst im Hochsommer noch mächtige Eisfelder hingen, sei heute nichts mehr übrig.