Darum gehts
- Das höchstgelegene Bergrestaurant Europas liegt auf 3883 Metern im Wallis.
- Kaffee kocht hier bei 88 Grad, ein Ei braucht 20 Minuten.
- 2025 verkaufte das Restaurant 23'500 Tassen heisse Schokolade.
Schon allein die Fahrt zum höchsten Bergrestaurant Europas ist ein Erlebnis. Gute 30 Minuten dauert sie vom Weltkurort Zermatt VS mit der Seilbahn. Der Blick aus dem Fenster der Gondel zeigt dann auch schon bald einmal: Es geht ins Hochgebirge, aber so richtig.
Über Gletscher und Geröllfelder hinweg geht es auf 3883 Meter über Meer ins Matterhorn Glacier Paradise am Kleinen Matterhorn. Hier befindet sich der Arbeitsort von Martin Hänni (47). Seit fünf Jahren leitet er das höchstgelegene Bergrestaurant Europas.
Dünne Luft
Wer das Restaurant mit 70 Plätzen betritt, hat auf den ersten Blick nicht das Gefühl, dass es hier anders zu und hergeht als in jeder anderen Bergbeiz im Land. Salatbuffet, Essensausgabe, Getränke. Doch auf den zweiten Blick oder den zweiten Atemzug stellt man fest: Hier oben gibt es ein paar Besonderheiten.
Allen voran wäre da die dünne Luft beziehungsweise der tiefere Luftdruck. Auf dieser Höhe gelangen pro Atemzug nur noch knapp 60 Prozent des Sauerstoffs ins Blut. Martin Hänni sagt: «Man braucht hier oben eine gewisse körperliche Fitness. Wenn man angeschlagen oder leicht kränklich ist, merkt man das sofort, weil der Körper noch viel mehr arbeiten muss als beispielsweise unten im Tal.»
Auch die Gäste spüren die Höhe von Zeit zu Zeit. «Es kommt immer mal wieder vor, dass Gäste an den Tischen wegdösen, weil sie die Höhe spüren», sagt Hänni. Für den Notfall steht auf dem Kleinen Matterhorn auch Sauerstoff bereit, doch diesen muss das Personal zum Glück nur ganz selten einsetzen.
Kalter Kaffee
Die grosse Höhe hat auch Auswirkungen auf das Kochen. Im Restaurant auf dem Kleinen Matterhorn kocht Wasser schon bei 88 Grad. Hänni erklärt: «Das heisst, dass bei uns der Kaffee zum Beispiel nur mit 80 Grad aus der Maschine kommt. Da haben die Leute manchmal das Gefühl, der Kaffee sei nicht heiss genug.»
Ein anderes Beispiel sind die Eier. «Ein 9-Minuten-Ei muss hier bei uns 20 Minuten kochen!», so der Restaurantleiter.
Traumhafte Aussicht, gemütliche Terrasse oder kulinarischer Geheimtipp: Reto Scherrer will für den «Blick Check» die beste Bergbeiz der Schweiz finden. Und dafür braucht er deine Hilfe. 20 Bergrestaurants haben es ins Halbfinale geschafft. Stimme jetzt für deinen Favoriten und gewinne tolle Preise.
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Chips sucht man im Restaurant übrigens vergeblich. «Die Beutel sind beim Transport wegen des Druckunterschieds immer aufgeplatzt. Irgendwann haben wir es dann sein lassen», erzählt Hänni und lacht.
Die Gäste des Restaurants schätzen ohnehin andere Sachen deutlich mehr. «Der Renner bei den Getränken ist die heisse Schoggi», sagt Hänni und fügt an: «Pro Tag verbrauchen wir drei bis vier Kilogramm, egal ob Sommer oder Winter.» Im letzten Jahr wurden denn auch 23'500 Tassen des Getränks verkauft.
Auch beim Essen dominiert ein Schweizer Klassiker: die hausgemachte Rösti. Davon wurden 2025 ganze 15’700 Portionen zubereitet.
Frisches Wasser
Eine grosse Herausforderung für den Betrieb des höchstgelegenen Restaurants in Europa ist die Wasserversorgung. Das Restaurant ist nicht an eine Wasserversorgung oder Kanalisation angeschlossen. «Sämtliches Wasser, das wir brauchen, muss in Tanks mit der Seilbahn nach oben befördert werden», sagt der Restaurantleiter.
Doch auch die Abwasserbewirtschaftung ist komplex. Hänni erklärt: «Wir haben eine eigene Kläranlage, die das Wasser aus der Küche recycelt, also für die Toilettenspülung.» Darum ist das Wasser in der Toilette auch leicht trüb. Die Feststoffe aus den Toiletten werden gesammelt und wieder ins Tal transportiert. «Sechs Tonnen Klärschlamm fallen bei uns pro Jahr an.»
Für Gäste, die im Restaurant konsumieren, ist die Toilettenbenutzung kostenlos. Für alle anderen kostet sie zwei Franken. Dem einen oder anderen Gast muss der Aufwand dahinter schon auch einmal erklärt werden. «Nicht jeder ist sich bewusst, was alles im Hintergrund passiert, damit man hier oben die gleichen Annehmlichkeiten hat wie im Tal», so Hänni.
Ein Ganzjahresbetrieb
Trotz des grossen Aufwands, den der Betrieb des Restaurants mit sich bringt, ist für Jenny Imboden (25), Sprecherin der Zermatt Bergbahnen, klar: «Das Restaurant rundet das Erlebnis im Matterhorn Glacier Paradise ab. Im Sinne der Servicequalität für den Gast gehört es für uns dazu, dass man sich auf der höchsten Bergstation Europas auch standesgemäss verpflegen kann.»
Dazu gehört auch, dass das Restaurant das ganze Jahr über geöffnet hat. «Jede Jahreszeit hat ihren Reiz. Im Winter ist es etwas hektischer als im Sommer, doch Spass macht es hier oben immer», sagt Restaurantleiter Hänni.
Das Gastgewerbe prägt unsere Kultur und unser Zusammenleben. Als grösster gastgewerblicher Verband vertritt GastroSuisse die Interessen von über 20’000 Mitgliedern. Wir unterstützen und stärken gastgewerbliche Betriebe und bringen das Gastgewerbe voran. Mit unserem Engagement geben wir der Branche Stärke, Sichtbarkeit und Zukunft. Wir gestalten eine Schweiz, in der durch gelebte Gastfreundschaft echte Begegnung stattfindet, und sind die starke Stimme einer Branche, die inspiriert und Erlebnisse schafft.
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