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Opfer-Mutter Vinciane Stucky:«Wir wollen einfach die Gesichter der Kinder zeigen»

Mutter von Crans-Montana-Opfer Trystan (†17) empört über Gedenkstätte – aber sie hat bereits Geheimplan
«Mit hübscher Verpackung will man Tragödie kaschieren»

Crans-Montana will die Brandruine der Bar Le Constellation verkleiden und zu einem Gedenkort machen. Für Vinciane Stucky, deren Sohn Trystan starb, kaschiert die Gemeinde damit die Tragödie – sie fordert sichtbare Fotos der Opfer.
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Die Gemeinde Crans-Montana will das Le Constellation optisch aufwerten.
Foto: Commune de Crans-Montana

Darum gehts

  • Zehn Monate nach dem Inferno ist das Le Constellation vernagelt und von der Polizei versiegelt
  • Crans-Montana plant eine schlichte Gedenkstätte mit Holzfassade, Vordach und Sternen für die Opfer
  • Trystans Mutter kritisiert die Pläne als Fassade und will Bilder der Opfer am Gedenkort zeigen
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Martin MeulReporter News

Gut zehn Monate nach dem verheerenden Inferno in der Bar Le Constellation in Crans-Montana VS sieht es dort immer noch so aus wie kurz nach der Tragödie. Die Fenster der Bar sind mit Holzbrettern vernagelt, an sämtlichen Zugängen hängen Polizeisiegel.

Doch das soll sich ändern. Die Gemeinde Crans-Montana will das Le Constellation umgestalten, es zu einer Gedenkstätte machen. Vinciane Stucky, die Mutter des beim Inferno getöteten Trystan (†17), findet die Idee zwar gut, die Umsetzung hingegen nicht. «Jetzt wird das Le Constellation für die Touristen hübsch gemacht», sagt sie zu Blick.

Sterne als Gedenken für die Opfer

Am Montag teilt die Gemeinde Crans-Montana mit, wie das Äussere der Infernobar künftig daherkommen soll. «Der Gemeinderat wollte dem äusseren Erscheinungsbild der Bar Le Constellation besondere Aufmerksamkeit schenken», erklärt Marielle Clivaz, Gemeinderätin und zuständig für soziale Angelegenheiten, in einer Mitteilung. «Wir planen deshalb, die Fassade mit einer Abschirmung und einem provisorischen Dach zu versehen, um den Ort zu schützen und ihm ein schlichtes, respektvolles Erscheinungsbild zu geben.»

Auf entsprechenden Visualisierungen ist zu sehen, dass dieses Vordach mit Sternen verziert werden soll. Die Glasfassade des Le Constellation soll mit Holz verkleidet werden.

Der Gedenkort vor dem Constellation solle von Schlichtheit und Ruhe geprägt sein, so die Gemeinde. «Angehörige, die dies wünschen, können dort den Namen ihres verstorbenen Familienmitglieds anbringen lassen.»

Alles nur Fassade?

Vinciane Stucky ist mit diesen Plänen nicht einverstanden. Sie sieht in den Plänen der Gemeinde weniger den Versuch, der Opfer zu gedenken. «Man will für die Festtage eine hübsche Verpackung über alles legen, damit die tragischen Ereignisse vom 1. Januar so gut wie möglich kaschiert werden», sagt sie und fügt an: «Es geht darum, dass die Festtage für die Gemeinde so reibungslos wie möglich verlaufen und dass die Touristen nicht irritiert werden.»

Stucky findet die Denkmalpläne «schockierend». «Es wird kaschiert, wie immer in Crans-Montana.»

Dass man die Namen der Opfer zeigen wolle, sei das Mindeste, sagt Trystans Mutter. «Das hat die Gemeinde gerade noch so akzeptiert.» Stucky wollte, dass auch die Gesichter der Opfer gezeigt werden. «Das aber wurde abgelehnt, weil es die Nachbarschaft stören könnte – die Armen», sagt sie.

Opfer-Mutter bleibt kämpferisch

Und so macht die Mutter des verstorbenen Trystan eine Ansage in Richtung Gemeinde. «Ich werde dafür sorgen, dass das Bild meines Sohnes dort hängen wird», sagt sie. «Wenn es sein muss, hängen wir es sechsmal am Tag neu auf. Ich werde dieses Mahnmal persönlich umgestalten.»

Ihr Sohn und die anderen 40 Todesopfer des Infernos seien nicht einfach Vornamen, keine Nummern, keine Statistik und nicht einfach «die Opfer des 1. Januar». Stucky sagt: «Sie sind Menschen. Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer, die ein Gesicht, eine Persönlichkeit, eine Familie, Freunde und eine eigene Geschichte hatten – und ein ganzes Leben vor sich.»

Der Plan, das Gebäude zu schützen, sei richtig. «Aber mit einer Sternenverpackung auslöschen, was hier geschehen ist, darf nicht geschehen, niemals», so Vinciane Stucky. «Alle, Einheimische ebenso wie Touristen, sollen die Gesichter der Menschen sehen, die hier ihr Leben verloren haben.»

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