«Wir sind betroffen, mehr eigentlich als alle»
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Gemeindepräsident Féraud:«Wir sind betroffen, mehr eigentlich als alle»

Forderungen nach Rücktritt – Gemeindepräsident von Crans-Montana gewaltig unter Druck
«Dieses Vertrauen ist komplett zerstört»

Nach dem Inferno von Crans-Montana ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen neun Personen, darunter neu auch Gemeindepräsident Nicolas Féraud. Rücktrittsforderungen gegen die Verantwortlichen werden laut.
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Gegen den Gemeindepräsidenten von Crans-Montana, Nicolas Féraud, wird nun ebenfalls ermittelt.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Neun Personen wegen Inferno in Crans-Montana angeklagt, darunter Gemeindepräsident
  • Vorwürfe: Totschlag, fahrlässige Körperverletzung, Brandstiftung, 41 Tote, 115 Verletzte
  • Lokale fordern Rücktritt Férauds, Kritik an gesamtem Gemeinderat wegen Vertrauensverlust
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Martin MeulReporter News

Am Montagmorgen platzte die Bombe: Die Walliser Staatsanwaltschaft hat im Verfahren zum Inferno von Crans-Montana VS gegen fünf weitere Personen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das sorgt im Dorf für Gesprächsstoff. «Jetzt muss er gehen, muss zurücktreten», sagt ein Passant zu Blick. Der Pensionär will anonym bleiben, zu brisant sei die Sache. Denn Adressat der Aussage ist der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud (55).

Hintergrund: Am Montag wurde bekannt, dass die Walliser Staatsanwaltschaft gegen Féraud im Zusammenhang mit dem Inferno vom Le Constellation ermittelt. Ihm werden Totschlag, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung vorgeworfen. Die gleichen Anklagepunkte wie beim Betreiberpaar der Bar, Jacques (49) und Jessica Moretti (40). 

Insgesamt neun Angeklagte

Doch damit nicht genug. Ermittelt wird nun auch gegen den ehemaligen Gemeinderat, der von 2021 bis 2024 für die öffentliche Sicherheit zuständig war: Kevin Barras (36) sitzt derzeit für die FDP im Walliser Kantonsparlament. Ebenfalls ermittelt wird gegen den ehemaligen Leiter der Feuerwehr und seinen Stellvertreter sowie ein Mitglied des aktuellen Sicherheitsteams. Die Staatsanwaltschaft bestätigte einen entsprechenden Bericht von «24 Heures».

Damit laufen nun Untersuchungen gegen neun Personen im Zusammenhang mit dem Inferno, bei dem 41 Menschen starben und 115 verletzt wurden.

Nicolas Féraud wollte sich am Montag zu den Anschuldigungen gegenüber Blick nicht äussern, er verwies an seine Anwälte. 

Auch Kevin Barras verwies auf seine Anwältin. So bleibt vorerst unklar, ob die beiden Politiker Konsequenzen aus der Untersuchung ziehen. 

Opfervater spricht Klartext

Für Gérald D.* (54) ist die Sache hingegen glasklar. Sein Sohn starb in den Flammen von Crans-Montana. Der Vater sagt zu Blick: «Wenn Herr Féraud ein Minimum an Würde und Ehrgefühl besitzt, sollte er unverzüglich seinen Rücktritt erklären. Man bleibt nicht an der Spitze einer Gemeinde, wenn gegen einen wegen Handlungen ermittelt wird, die mit der Ausübung seines Amts zusammenhängen.»

Man bleibe nicht Kapitän eines Schiffs, zu dessen Untergang man beigetragen habe. Féraud hatte sich selbst im Januar als Kapitän bezeichnet. «Doch offensichtlich fehlt ihm der politische Mut ebenso sehr wie Ehrlichkeit», sagt D.

Der Vater hofft, dass die Justiz ihre Arbeit vollständig machen und alle etwaigen Verantwortlichen bestrafen wird. «Die Ermittlung ist aber keine Genugtuung, denn nichts wird den Schmerz unserer Trauer auslöschen oder unseren Kindern und unseren Angehörigen das Leben zurückgeben. Was ich empfinde, ist eine bittere Erleichterung – die Erleichterung darüber, endlich zu sehen, dass die juristische Wahrheitssuche voranschreitet, nach Wochen des Leidens.»

Kritik am gesamten Gemeinderat

Deutliche Worte gibt es auch von Patrick Sägesser (54), Uhren- und Schmuckhändler aus Crans-Montana. Sein Geschäft liegt direkt gegenüber des Le Constellation. Die Tragödie beschäftigt ihn daher seit den ersten Stunden. Sägesser sagt zu Blick: «Féraud muss gehen, aber nicht nur er!»

Für den Geschäftsmann, der seit 18 Jahren in Crans-Montana lebt, geht es dabei um das Vertrauen in den gesamten Gemeinderat. «Dieses Vertrauen ist komplett zerstört. Nicht erst seitdem gegen Féraud ermittelt wird.»

Sägesser nennt Beispiele. «Wenn eine Gemeinde es zulässt, dass ihre Schulen über acht Jahre nicht kontrolliert werden, dann müssen alle Gemeinderäte gehen.» 

Was ist mit dem Audit?

Und der Geschäftsmann verweist auf ein Audit, das im Jahr 2023 die Funktionsweise der Verwaltung unter die Lupe genommen hat. Er sagt: «Dieses Audit stellt der Gemeindeverwaltung kein gutes Zeugnis aus. Das ist wohl der Grund, warum sich der Gemeinderat standhaft weigert, die Resultate zu veröffentlichen.»

Gemäss RTS enthüllt das Audit, dass Mitglieder der Gemeindeverwaltung schon im Jahr 2023 über Mängel bei den städtischen Dienstleistungen informiert wurden, insbesondere in der Abteilung, die für die Brandschutzinspektionen in öffentlichen Gebäuden zuständig ist. «Ein Gemeinderat, der solche Erkenntnis ignoriert und zulässt, dass 41 Menschen sterben, ist nicht tragbar», sagt Sägesser mit Nachdruck. 

* Name geändert 

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