Darum gehts
- Am 5. Juli entscheiden drei Saastaler Gemeinden über die Eishallen-Zukunft
- Die fast fertige Halle kostet wegen Baufehlern 14 Millionen Fr.
- Gemeinden sollen jährlich 200'000 CHF für Betrieb zahlen, Abstimmung stark umstritten
Am Sonntag entscheidet Saas-Grund VS über nichts weniger als seine Zukunft. Die neue Eishalle, die Saastalhalle, ist zum Millionen-Debakel geworden: Die Baukosten sind explodiert, nun braucht das Projekt eine Finanzspritze von der Gemeinde. Egal, wie die Abstimmung ausgeht – das Dorf steht vor einem Scherbenhaufen. Lehnt die Bevölkerung ab, bleibt die Saastalhalle als teuerste Bauruine der Schweiz zurück.
Sagt die Bevölkerung Ja, droht die Gemeinde finanziell in eine gefährliche Schieflage zu geraten. Manche ziehen bereits Parallelen zum einstigen Finanzdesaster von Leukerbad. Ein Einheimischer drückt es folgendermassen aus: «Wir haben schon verloren, die Frage ist nur wie viel.»
Die Halle steht – fast
Rückblick: Seit 2019 laufen Planung und Bau der neuen Eishalle. Diese braucht es, weil für den Verbleib in der 1. Liga der EHC Saastal über eine Halle verfügen muss. Das Geld hätte ursprünglich vom Verein und anderen Gläubigern kommen sollen, doch nun muss doch die öffentliche Hand ran.
Während des Baus explodierten die Kosten. Gründe dafür waren die Inflation, die Corona-Pandemie, zwei grosse Unwetter im Saastal. Statt gut 10 Millionen Franken kostet der Bau nun fast 14 Millionen. Die Folge: Seit Monaten befindet sich die Halle im Rohbau, doch dem EHC Saastal fehlt das Geld, um sie fertigzustellen. «Ja, es wurden Fehler gemacht», sagt denn auch Alexander Geiser, Vizepräsident des Vereins.
Kürzlich wurde ein Rettungsplan präsentiert. «Die Hauptgläubiger sind bereit, die 3,2 Millionen Franken, die für die Fertigstellung der Halle fehlen, zu investieren und zudem 5 Millionen Franken an Fremdkapital zu übernehmen», sagt Geiser.
Der EHC Saastal verzichte auf die bereits gesammelten gut 5 Millionen Franken sowie weitere 500'000 Franken des Vorstands.
Widerstand gegen Gemeindegarantie
Doch eine Halle muss nicht nur gebaut, sondern auch betrieben werden. Und hier wird es kompliziert und politisch. Denn Saas-Grund soll Geld sprechen, um den Betrieb zu sichern. «Das finanzielle Engagement ist auf maximal 200'000 Franken pro Jahr gedeckelt», erklärt Vorstandsmitglied Martin Zerzuben (45). Laufen soll der Vertrag über 20 Jahre.
Eine Vorlage, die spaltet. Denn längst nicht alle stehen hinter den Rettungsplänen. Einer von ihnen ist Diego Andenmatten (40), von der Mitte Saas-Grund. Für ihn ist ein Einbeziehen der Gemeinde in dieser Form ein No-Go. «Für eine 1000-Seelen-Gemeinde ist es eine erhebliche Investition.»
Andere Baustellen
Andenmatten verweist auf andere Projekte, die Saas-Grund in der Zukunft viel Geld kosten werden. Das Schulhaus müsse saniert werden, der Hochwasserschutz werde Geld kosten und dann sei da noch die Bergbahn, der Motor des Dorfs, die immer wieder nur knapp durchkomme. «Vor diesem Hintergrund ist es unverantwortlich, auch gegenüber der Jugend, sich eine solche Verpflichtung aufzulegen», sagt er.
Barbara Anthamatten, die Präsidentin des EHC Saastal, hält dagegen. «Auch die alte Eisbahn hat die Gemeinde jährlich gut 75'000 Franken gekostet. Also würden wir nur gut 75'000 mehr zahlen, hätten dafür aber eine vielseitig nutzbare Halle und eine Investition in die Zukunft des Dorfs», sagt sie. Zudem werde die Halle der Gemeinde auch Einnahmen generieren. Sie sagt: «Die Halle wird nicht zuletzt für mehr Übernachtungen in Saas-Grund sorgen.»
Hallen-Gegner Diego Andenmatten widerspricht. «Das ist alles nur Theorie, keiner weiss, wie die Welt in 20 Jahren aussieht. Was sicher ist, sind hingegen die Kosten für die Gemeinde!»
Es droht eine Geisterhalle
Sicher scheint auch: Die Abstimmung wird knapp. Das sagen die Befürworter wie auch die Gegner. Verständlich, denn es geht um viel. «Bei einem Nein gibt es momentan keinen Plan B. Wenn das Projekt am Sonntag abgelehnt wird, verliert das ganze Tal ein Sportzentrum. Für den EHC Saastal wäre es das Ende – ohne Halle wird sich der Verein nicht mehr tragen können und im schlimmsten Fall von der Bildfläche verschwinden», sagt Vorstandsmitglied Martin Zerzuben und fügt an: «Diese fundamentale Opposition ist deshalb nur schwer zu verstehen.»
Die halbfertige Halle würde zur Geisterhalle und zur teuersten Bauruine der Schweiz, zu einem Lost-Place, so Zerzuben.
Hallen-Gegner Diego Andenmatten sagt hingegen: «Das Projekt war von Anfang an überdimensioniert. Die Fertigstellung muss neu reorganisiert und wenn möglich das ganze Saastal einbezogen werden.»
Wie auch immer der Urnengang ausgeht, es wird eine Schicksalsabstimmung für das Walliser Dorf. Saas-Grund verliert – entweder seine Halle oder Geld.