«Warm wird es auch hier, darum muss man früh aufstehen»
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Im Mai 2026:Blick-Reporter besucht Sommer-Skigebiet am Klein Matterhorn

Die Hitze macht das Matterhorn unberechenbar – Bergretter Anjan Truffer schlägt Alarm
«Was wir am Horu erleben, ist krass»

Zermatt schlägt Alarm: Wegen Hitze und fehlendem Schnee ist das Matterhorn aktuell zu gefährlich. Bergführer warnen, Steinschlag bedroht Bergsteiger – und Schuld daran sind sie selbst!
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Schneemangel und hohe Temperaturen hinterlassen gefährliches Geröllfeld auf dem Matterhorn. (Symbolbild)
Foto: Kim Niederhauser

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Zermatter Bergführer rufen zum Matterhorn-Verzicht auf – wegen Steinschlaggefahr
  • Schneefelder fehlen, lockeres Gestein erhöht Risiko für Alpinisten stark
  • SAC meldet im Schnitt 30 Steinschlag-Notfälle jährlich, 2 tödlich seit 2021
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Pascal ScheiberReporter Gesellschaft

«Ohne Steigeisen und im T-Shirt könntest du jetzt auf das Matterhorn», sagt der Zermatter Bergführer und Rettungschef Anjan Truffer (52). Was locker tönt, ist eine Gefahr. «Wer den Berg nicht kennt, hat nichts am Matterhorn verloren – es ist zu gefährlich!»

Anlass dazu ist ein Verzichtsaufruf der lokalen Bergführer. Das lokale Bergführer-Büro «Zermatters» empfiehlt «bis auf Weiteres auf eine Besteigung des Matterhorns zu verzichten». Das geht aus einem Schreiben hervor, das Blick vorliegt. 

Der Grund: «Die anhaltend hohen Temperaturen und die daraus resultierende erhöhte Steinschlaggefahr», schreiben die Bergführer. Auf 4478 Metern über Meer, dem Gipfel des Matterhorns, liegt auch im Sommer die Temperatur meist unter null. Die Schneedecke überlebt in gewöhnlichen Jahren auch den Sommer. 

Rettungschef Truffer: «Die Gefahr ist hausgemacht!»

Nicht so in diesem Sommer. Dem Matterhorn ist es zu heiss. «Was wir seit Juni am Horu erleben, ist krass», erklärt Truffer, der Rettungschef der Air Zermatt. Ausgerechnet jetzt, in der «besten» Zeit, steigt das Risiko für Steinschläge. Weshalb?

Erhöhte Steinschlaggefahr auf dem Gipfeldach des Matterhorns. Bergführer schlagen Alarm!
Foto: Kim Niederhauser

Das Gipfeldach des Horus, wie die Einheimischen dem Matterhorn sagen, ist exponiert und steinig. Das lose Gestein bleibt dank dem Schneedeckel normalerweise unberührt. «Die Berggänger laufen immer auf einer Spur über das Schneefeld und sehen den Untergrund nicht», sagt Truffer, der selbst schon über 230 Mal auf dem Gipfel war. 

Dieses Schneefeld existiert aktuell nicht. Der schneearme Winter lieferte nicht genug Schnee, um den anhaltend hohen Temperaturen standzuhalten. Das ist jetzt ein Problem. «Ohne Schneespur laufen die Bergsteigerinnen überall», so Truffer. Sie besteigen den Berg in der Regel zu zweit, gegenseitig gesichert an einem Seil.

Bergretter Truffer: «Wenn unerfahrene Alpinisten ein zu langes Seil führen, was nicht selten passiert, touchiert es das Gestein und bringt es in Bewegung.» Wer unterhalb der Aufstiegsroute steht, befindet sich in unmittelbarer Gefahr. Schuld seien die Berggänger selbst, so Truffer. «Die Gefahr kommt hier nicht vom Permafrost, sie ist hausgemacht!» 

Das zeigten auch die vergangenen Tage, wie die «NZZ am Sonntag» zuerst berichtete. Mehrere Seilschaften gerieten am Matterhorn in einen Steinschlag. Ein Bergführer, der von einem Stein getroffen wurde, musste mit einer Schulterverletzung von einem Helikopter gerettet werden. 

Alpinisten müssen umdenken

Fallende Steine am Berg bergen immer ein Risiko. Die Bergnotfallstatistik des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) zählt im Schnitt rund 30 Notfälle nach einem Steinschlag auf Hochtouren oder beim Klettern in der ganzen Schweiz. In den letzten fünf Jahren erfasste der SAC zwei tödliche Bergunfälle nach einem Steinschlag. 

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Diesem Risiko ist sich der Bergretter bewusst. Seit 32 Jahren besteigt der Zermatter Alpinist das Matterhorn selbst oder rettet andere. Der aktuelle Matterhorn-Verzicht kommt für ihn nicht überraschend und nicht zum ersten Mal. Er erinnert sich an den Hitzesommer 2003: «Ein grosses Stück Fels löste sich oberhalb der Hörnlihütte, 70 Alpinisten mussten evakuiert werden.» Mehrere Tage blieb die Hauptaufstiegsroute geschlossen. 

Ob der Verzicht vermehrt im Sommer eintreffen wird, hängt von der Schneemenge und den Temperaturen ab. Nicht nur am Matterhorn, sondern im ganzen Alpenraum. «Das gibt Anlass zum Umdenken», ist sich Truffer sicher. «Wir müssen uns darauf einstellen, vermehrt in der Randsaison im Juni oder September hochzusteigen.» 

Wie viele Bergsteigende aktuell auf das Matterhorn verzichten, ist unklar. «Im Idealfall gehen Bergbegeisterte auch auf einen anderen Berg», findet Anjan Truffer und lacht: «Wir haben noch 28 andere Viertausender – da findet man eine gute Alternative.» 

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