Darum gehts
- Air Zermatt verzeichnete 2025 mit 6700 Flugstunden ein Rekordjahr
- Rettungschef erinnert sich an tödlichen Blitzschlag am Matterhorn
- Alpine Rettung Ostschweiz meldet 240 Einsätze, 31% mehr als 2024
Für die Air Zermatt war 2025 ein Rekordjahr. Mit 6700 Flugstunden und über 2200 Helikopter-Rettungseinsätzen verzeichnete die Organisation einen neuen Höchstwert, wie es auf der Seite der Helikopter-Firma heisst. Besonders gefordert war die Air Zermatt durch mehrere Naturereignisse im Oberwallis, darunter starke Schneefälle rund um Ostern.
Eine zentrale Rolle spielte die Air Zermatt zudem bei der Katastrophe von Blatten im Lötschental. Auch der Brand in Crans-Montana sorgte – bereits im neuen Jahr – für viel Arbeit. Gemeinsam mit der Air-Glaciers unterstützte die Air Zermatt die betroffenen Menschen mit insgesamt sechs Helikoptern.
«Frau von einem Blitz erschlagen»
Anjan Truffer (52), Rettungschef der Air Zermatt, hat in seiner Karriere Hunderte verunfallte Alpinisten vor dem Tod bewahrt. Bereits mit 14 Jahren stand er erstmals auf dem Matterhorn, mit 20 führte er seinen ersten Gast allein auf den berühmten Berg. Heute zählt Truffer zu den erfahrensten Bergrettern der Schweiz. Seit 28 Jahren ist er im Einsatz in der Bergrettung, davon 11 Jahre als Teamleiter. «Da kommen einige Rettungseinsätze zusammen», sagt Truffer bescheiden zu Blick.
Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Einsatz am Matterhorn. «Wir mussten zwei Evakuierungen durchführen. Es befand sich noch ein Paar im Biwak. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen doch mitkommen, sie wollten aber nicht. Am Tag danach wurde die Frau von einem Blitz erschlagen.»
«Wir richten nicht, wir retten»
Zu den schwierigsten Einsätzen zählen für ihn Rettungen zu Fuss bei schlechtem Wetter oder Situationen, bei denen Kinder beteiligt sind oder man die Betroffenen persönlich kennt. Sorgen bereitet ihm vor allem die zunehmende Selbstüberschätzung vieler Berggänger. «Sehr oft wird mit schlechter Ausrüstung oder trotz ignoriertem Wetterbericht gestartet. Social Media hat dabei einen riesigen Einfluss. Jeder hat heutzutage ein Handy, eine GoPro-Kamera oder einen Stick dabei und filmt sich selber. Die Leute sind risikofreudiger geworden und möchten sich selbst verwirklichen.»
Trotz des teils riskanten Verhaltens vieler Touristen bleibt Truffer ruhig und betont auf die Frage, wie sehr ihn die Dummheiten der zu Rettenden ärgern: «Nicht sehr. Wir richten nicht, wir retten.»
Mediaslot: Stories
Immer mehr Menschen unterwegs in den Bergen
Die Alpine Rettung Ostschweiz verzeichnete 2025 mit 240 Einsätzen einen Höchststand – deutlich mehr als 2024 mit 183 Einsätzen. 157 Einsätze betrafen klassische Bergrettungen, 83 übernahmen First-Responder-Plus-Helfer. Auch finanziell war es laut Jahresbericht das teuerste Jahr der Geschichte – unter anderem wegen Ausbildungsprogrammen, Suchübungen und Lawinenhunde-Trainings.
Laut Roman Hüppi, Präsident der Alpinen Rettung Ostschweiz, zeigt die steigende Zahl an Einsätzen auch, dass sich immer mehr Menschen im alpinen Gelände bewegen. Als Gründe nennt er gegenüber dem «Tagblatt» neben der wachsenden Beliebtheit von Freizeitaktivitäten in den Bergen auch das Bevölkerungswachstum. Die Einsätze fanden im Kanton St.Gallen, in beiden Appenzell, im Fürstentum Liechtenstein sowie im Zürcher Oberland statt.
Besonders viele Wanderunfälle
Besonders stark angestiegen ist die Zahl der First-Responder-Plus-Einsätze. Insgesamt wurden 83 solcher Einsätze durchgeführt, davon allein 55 in Appenzell Ausserrhoden. Der Grund dafür liegt laut Hüppi darin, dass das System dort erstmals während eines ganzen Jahres vollständig im Einsatz war.
Die meisten Einsätze gingen auf Wanderunfälle zurück, gefolgt von Evakuierungen aus schwierigem Gelände. Viele Menschen unterschätzen dabei die rasch wechselnden Wetterbedingungen in den Bergen. Besonders häufig mussten die Rettungskräfte zwischen August und Oktober 2025 ausrücken, als wegen Ferienzeit und gutem Wetter besonders viele Menschen unterwegs waren.
So lassen sich Bergnotfälle laut dem SAC verhindern
Laut Remo Schläpfer vom Schweizer Alpen-Club (SAC) lassen sich Bergeinsätze vor allem durch gute Vorbereitung und umsichtiges Verhalten verhindern. Dazu gehören eine sorgfältige Tourenplanung, das Prüfen der Wetterbedingungen und möglicher Gewitter sowie die Beachtung von Schneefeldern an Nordhängen. Wichtig sei zudem, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und die Tour entsprechend zu wählen.
Auch die richtige Ausrüstung spielt eine zentrale Rolle, da sich die Temperaturen in den Bergen je nach Höhenlage stark verändern können. Geeignete Kleidung mit ausreichendem Wetter- und Kälteschutz ist deshalb unverzichtbar.
Weiter empfiehlt der SAC den Besuch von Aus- und Weiterbildungskursen im Bergwandern. Zusätzliche Sicherheit bieten geführte Touren mit Bergführern oder organisierten Gruppen der SAC-Sektionen.