«Ich hatte Angst, meine Hände zu sehen»
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Brandopfer Roze (18):«Ich hatte Angst, meine Hände zu sehen»

Blick trifft Brandopfer Roze (18) im Spital von Morges VD
«Denke noch immer an die Schreie und an die Bewusstlosen und Toten auf dem Boden»

18 Tage lang lag Roze (18) aus Vevey VD im Koma. Sie ist eine der Überlebenden des Infernos von Crans-Montana VS. Am Montag kehrte sie nach einmonatiger Spitalbehandlung in Belgien in die Schweiz zurück. Blick traf sie am Dienstag im Spital in Morges VD.
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Roze (18) aus Vevey VD überlebte das Silvester-Drama von Crans-Montana VS.
Foto: Gabrielle Savoy

Darum gehts

  • Roze (18) überlebt Brandkatastrophe in Crans-Montana, liegt jetzt in Morges
  • Sie war 18 Tage im Koma, hat Verbrennungen dritten Grades
  • 41 Menschen starben bei dem Inferno in der Bar Le Constellation
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Nicolas Lurati, Léo Michoud, Gabrielle Savoy

Ein graues Einzelzimmer im Spital in Morges VD. Dort sitzt Roze (18) aus Vevey VD auf ihrem Bett. Sie ist eines der Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS. Sie überlebte – mit gravierenden Verbrennungen. «Einen Monat später denke ich immer noch an das Feuer, an die Schreie des Rettungssanitäters, an die Menschen auf dem Boden, die bewusstlos oder tot waren», sagt die junge Frau, als Blick sie am Dienstag im Spital besucht. Die Brandwunden in ihrem Gesicht sind gut sichtbar.

Im Zimmer von Roze sind die Vorhänge zugezogen, um eine schlechte Wundheilung zu vermeiden. «Manchmal habe ich Schmerzen in den Händen, das ist eine der empfindlichsten Stellen des Körpers», sagt die junge Frau und zeigt ihre bandagierten Hände. Und: «Ich muss mich auch an den Beinen operieren lassen.» Roze spricht leise, macht aber manchmal sogar Scherze und lacht. Sie habe keine starken Schmerzen, sagt sie. Aber sie könne noch nicht ohne Albträume schlafen.

18 Tage im Koma

Verständlich, sind doch seit dem Silvesterhorror keine fünf Wochen vergangen. Roze war in jener verhängnisvollen Nacht in der Bar Le Constellation in Crans-Montana. 41 mehrheitlich junge Menschen starben infolge des Infernos. Roze überlebt. In einer belgischen Klinik, die auf Verbrennungen spezialisiert ist, kümmern sich Ärzte um die Westschweizerin. 18 Tage lang liegt sie im künstlichen Koma. Dann holt das Behandlungsteam die junge Frau zurück.

Letzte Woche sprach sie mit der belgischen Zeitung «Het Laatste Nieuws» über die Brandnacht. Um 1.15 Uhr sei sie in der Unglücksbar angekommen, erzählte Roze. Keine Viertelstunde vor Brand-Ausbruch. Lokal-Besitzerin Jessica Moretti hatte die junge Frau angeheuert, um Videos und Bilder der Partygäste zu machen.

Im Interview mit der Zeitung erhebt Roze auch schwere Vorwürfe gegen ihre Auftraggeberin. Nachdem sie sich selbst aus der Bar habe retten können, habe sie die Inhaberin draussen entdeckt, sagt Roze. «Mit etwas in den Händen, von dem inzwischen gesagt wird, dass es ihre Kasse war.»

Froh über Rückkehr in die Schweiz

Roze erinnert sich gut an den Moment: «Jessica Moretti stand da und weinte, während sie auf ihre brennende Bar schaute – ohne Hilfe zu leisten. Sie kümmerte sich nicht um die Verletzten, suchte nicht nach Wasser. Sie stand einfach nur da.» Roze kann sich nicht erklären, wie Moretti so schnell aus der Bar abhauen konnte. Kurz zuvor habe sie die Chefin nämlich noch im Keller gesehen. Ebenfalls ein Rätsel für Roze: Warum Jessica Moretti niemanden auf den Feuerlöscher aufmerksam gemacht hatte – und wieso diese nicht gut sichtbar an der Wand hingen.

Trotz aller Qualen: Am Montag erlebte Roze einen schönen Moment. Sie durfte von Belgien zurück in die Schweiz fliegen. Nun wird sie im Spital im Waadtland behandelt. «Ich bin froh, zurück in der Schweiz zu sein», sagt sie beim Blick-Spitalbesuch. Sie ist jetzt wieder nahe von ihrem Zuhause in Vevey.

Und auch keine Weltreise von Crans-Montana entfernt. Sobald es ihre Gesundheit zulässt, will sie an den Ort des Unglücks gehen. «Ich werde Blumen für die Opfer niederlegen», sagte sie der belgischen Zeitung. «Ich denke jeden Tag an die Opfer.»

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