Darum gehts
- Betrüger täuschen Notlagen auf Strassen vor, fordern Bargeld von Autofahrern
- Kantonspolizei Bern warnt: Täter geben falsche Sicherheiten wie Schmuck
- Masche besonders während Ferienzeit aktiv
«Heute wurde ich auf der 80er-Strecke bei Wangen an der Aare abrupt zum Anhalten gezwungen.» So schildert Nadine Schneider auf Facebook ihr Erlebnis vom vergangenen Montag. Was war geschehen?
Erst habe eine Person am Strassenrand neben einem dunklen Mercedes hilfesuchend gewunken. Dann sei sie teilweise auf die Fahrbahn gesprungen. Schneider hielt an. «Durch das leicht geöffnete Fenster wurde mir erzählt, der Tank sei fast leer, man könne nur noch etwa drei Kilometer fahren und benötige Geld zum Tanken.»
«Verlangt wurde ausdrücklich Bargeld»
Die Person habe ihr als «Sicherheit» einen angeblichen Goldring sowie ihre Handynummer angeboten. «Auffällig war jedoch, dass kein Diesel geholt werden sollte – verlangt wurde ausdrücklich Bargeld», so Schneider weiter.
Sie wurde misstrauisch. «Als ich darum bat, mir den Tankstand zu zeigen und den Motor zu starten, um die Geschichte zu überprüfen, wurde mehrfach ausgewichen.» Die Person habe den Motor nicht gestartet. Zudem hätten zwei weitere Personen vor beziehungsweise hinter dem Fahrzeug gestanden, um so die Nummernschilder zu verdecken.
«Wenn möglich, fahrt weiter»
Schneider habe den Vorfall daraufhin umgehend der Polizei gemeldet. Sie mahnt in ihrem Facebook-Post, der inzwischen fast 500-mal geteilt wurde, zur Vorsicht. «Wenn möglich, fahrt weiter und informiert die Polizei.»
In den Kommentaren unter ihrem Post berichten andere von ähnlichen Erlebnissen. «Ich habe das Gleiche vor einem halben Jahr in Schwarzenburg BE erlebt», schreibt eine Frau. Eine andere schreibt: «Im Kanton Zürich ebenfalls. Einzelperson, rumänisches Kennzeichen.»
«Ein gängiges Phänomen»
Auf Nachfrage von Blick bestätigt Gregory Zwygart, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern, dass das eine bekannte Masche ist. «Es handelt sich um ein gängiges Phänomen, das wir seit Jahren beobachten, insbesondere während der Reise- und Ferienzeit.»
Die Täterschaft agiere meist an stark frequentierten Verkehrsachsen, Autobahnraststätten oder Hauptstrassen. «Die Masche zielt stets darauf ab, eine emotionale Notlage vorzutäuschen, um an Geld zu gelangen», so der Sprecher weiter. «Ziel ist, die Unwissenheit der Angesprochenen auszunutzen.»
Tausch, Überweisungen, Betteln
Die Betrüger bedienen sich vielfältiger Varianten. Zwygart nennt beispielhaft Tauschangebote, vorgetäuschte Überweisungen und aggressives Betteln:
- Es werden Schmuck oder wertlose beziehungsweise ausser Kurs gesetzte Banknoten in fremder Währung als vermeintliche Sicherheit angeboten.
- Opfer werden gedrängt, Geld direkt vor Ort digital zu überweisen, während die Täterschaft gefälschte Bankbelege oder irreführende Visitenkarten als Garantie vorlegt.
- Teils wird massiv Druck ausgeübt, um Passantinnen und Passanten zur Herausgabe von Geld zu bewegen.
Dazu rät die Kantonspolizei Bern:
- Kein Bargeldtausch: Gehe niemals auf Bitten um Geldwechsel oder den Tausch von fremden Banknoten ein.
- Datenschutz: Gebe niemals persönliche Daten, Passwörter, Bankverbindungen oder Kreditkartennummern an Unbekannte weiter – weder persönlich noch digital.
- Polizei verständigen: Wenn dir eine Situation verdächtig vorkommt oder du bedrängt wirst, informiere umgehend die Polizei unter der Notrufnummer 117 oder 112.
Täterschaft mehrheitlich aus Rumänien
Bruno Gribi, Mediensprecher der Kantonspolizei Solothurn, bestätigt auf Nachfrage von Blick ebenfalls, dass es sich um ein bekanntes Phänomen handelt.
«Im Kanton Solothurn treten solche Personen, die mehrheitlich aus Rumänien stammen, tendenziell eher im Bereich von Autobahnraststätten in Erscheinung als auf Ausserortsstrecken», so Gribi weiter. Allerdings seien der Kantonspolizei Solothurn seit geraumer Zeit keine solchen Vorkommnisse mehr gemeldet worden.