Die UN-Hitzebeauftragte Eleni Myrivili hat die Schweiz letzte Woche wegen der vielen Hitzetoten kritisiert. Warum waren die Städte so schlecht auf den Hitzesommer vorbereitet, Herr Hilfiker?
Hanspeter Hilfiker: Wir waren nicht schlecht vorbereitet. Der Klimaentwicklung sind sich die Städte lange bewusst. Wir bereiten uns mit zahlreichen Massnahmen vor. Dazu gehören die Entsiegelung von Böden und die Begrünung von Strassen. Aber wir müssen auch der Realität ins Auge schauen: Unsere Städte wurden für ein anderes Klima gebaut. Die Anpassung an den Klimawandel ist ein langer und teurer Prozess. Das können die Städte nicht alleine stemmen.
Sondern?
Wir brauchen einen nationalen Aktionsplan. Die Anpassung an den Klimawandel ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir Städte werden sie nur im Verbund mit Kantonen und Bund bewältigen können.
Was brauchen die Städte konkret?
Erstens muss die Finanzierung geregelt sein. Auch das ist eine Verbundaufgabe. Rund drei Viertel der Schweizer Bevölkerung leben im urbanen Raum. Und dieser muss sich an rapide verändernde Gegebenheiten anpassen. Zum Beispiel der Umbau zur Schwammstadt, für den es Speicher von Niederschlagswasser für Trockenphasen braucht. Zweitens brauchen wir eine nationale Koordination, etwa bei der Priorisierung von Massnahmen.
Der Bund soll den Städten sagen, was sie wie umbauen sollen?
Nein. Aber Städte, Kantone und Bund sollten gemeinsame Schritte beschliessen, die alle umsetzen. Wir müssen zum Beispiel klären, ob zuerst Plätze entsiegelt, Strassen begrünt oder Schulhäuser saniert werden. Es ist wenig sinnvoll, wenn jede Stadt ihre Ziele alleine umsetzt. Ausserdem erhöhen nationale Aktionspläne die Akzeptanz in der Bevölkerung. Sie verringern langwierige Verzögerungen durch Einsprüche auf Gemeindeebene. Das wissen wir vom Hochwasserschutz, der von den Städten, Kantonen und Bund gemeinsam getragen wird.
SVP und Teile der FDP sehen die Gemeinden in der Pflicht und setzen auf Klimaanlagen für alle. Wäre das nicht der einfachste Schritt?
Klimaanlagen sind für spezifische Innenräume zu prüfen, etwa in Krankenhäusern oder Schulen. Sie sind aber nur ein kleiner Puzzlestein in einem grossen Katalog von Massnahmen, die nötig sind, um unsere Städte in der Hitze lebenswert zu erhalten.