Drohnenbilder zeigen Ausmass der Trockenheit
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Tiefster Pegel seit 1930:Drohnenbilder zeigen Ausmass der Trockenheit

Sind die Hitzewellen in diesem Sommer vorbei? ETH-Klimaforscherin zieht Bilanz
«Die Situation ist alarmierend. Und das ist keine Panikmache»

Die Schweiz hat heiss. Seit Wochen rollt eine Hitzewelle nach der anderen übers Land. Am Freitag möglicherweise zum letzten Mal im 2026. Blick spricht mit ETH-Klimawissenschaftlerin Sonia Seneviratne (52) über Temperaturrekorde, Hitzetote und Naturschäden.
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ETH-Klimaforscherin Sonia Seneviratne zieht am womöglich letzten Hitzetag 2026 Bilanz.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Extreme Hitze und Trockenheit prägen den Schweizer Sommer 2026
  • 2026 ist bisher das trockenste Jahr seit Messbeginn 2010
  • Schweiz im Schnitt 3 Grad wärmer als Mitte 19. Jahrhundert
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Nicolas LuratiReporter News

Die Schweissperlen sammeln sich schon am Morgen auf der Stirn. Das Hemd gleicht zur Mittagszeit einem nassen Waschlappen. Jeden Tag Badi, jeden Tag Sonnenbrand. Die einen lieben den heissen Schweizer Sommer 2026. Anderen geht die Hitze mittlerweile gehörig auf den Sack.

Am Freitag ist es noch mal richtig heiss. Das letzte Mal in diesem Jahr? Vielleicht. Auf jeden Fall Zeit, Bilanz zu ziehen. ETH-Klimaforscherin Sonia Seneviratne (52) erklärt im Interview, warum es nicht reicht, wenn man sich einfach nur über die Hitze freut oder aufregt.

Blick: Frau Seneviratne, was bleibt Ihnen von diesem Hitzesommer in der Schweiz?
Sonia Seneviratne:
Extrem hohe Temperaturen. Extreme Trockenheit. Lange Hitzewellen. Alte Menschen, die unter den heissen Bedingungen litten. Leute, die an der Hitze starben. Bauern, die ihre Kühe schlachten mussten. Bauern mit ausgetrockneten Feldern. Schwitzende Kinder in glühend heissen Klassenzimmern während der Juni-Hitzewelle.

Kurz: ein schlimmer Hitzesommer.
Ja, die Situation ist alarmierend. Das ist keine Panikmache: Die Wahrscheinlichkeit für einen Anstieg dieser Phänomene steigt Jahr für Jahr.

Warum werden Hitzesommer wahrscheinlicher?
Weitere CO2-Emissionen bedeuten immer höhere CO2-Konzentrationen in der Luft – und immer mehr Erwärmung. Wir sind jetzt in einem Klimaregime angekommen, in dem böse Temperaturüberraschungen jederzeit möglich sind. Bisher war die Klimaentwicklung linear steigend. Wir wissen aber nun aus der Klimawissenschaft, dass es Potenzial für abrupte Änderungen nach oben gibt.

Wir werden also laufend Temperaturrekorde brechen – auch in der Schweiz?
Ja. Vor allem in der Schweiz. Hier ist es aktuell im Schnitt drei Grad wärmer im Vergleich zu den Anfängen der Temperaturmessungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Der globale Schnitt beträgt «nur» 1,4 Grad mehr.

Warum ist das so?
Festland erwärmt sich mehr als Wasser. Zentraleuropa erwärmt sich besonders stark. Einer der Hauptgründe dafür ist die Zunahme der grossen Trockenheit im Sommer. Es ist häufiger und extremer trocken. Wir haben auch weniger Aerosolpartikel in der Luft als in den 70er-Jahren, was auch zur zusätzlichen Erwärmung beiträgt. Und: In Zentraleuropa gibt es mehr Hochdrucklagen. Hier ist sich die Forschung noch unsicher, ob der Mensch dieses Phänomen verursacht hat.

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Welche Rekorde wurden in der Schweiz in diesem Sommer gebrochen?
2026 ist bisher das trockenste Jahr in der Schweiz seit Beginn unserer Messungen an der ETH. Und: Die Rekordtemperaturen im Juni waren für diesen Monat historisch hoch.

Extremes Klima bedeutet auch Schäden: Was wurde in der Schweiz kurzfristig zerstört, was funktionierte nicht?
Kernkraftwerke mussten in der Schweiz teilweise ausgeschaltet werden, weil die Temperaturen der Flüsse zu hoch waren. Kernkraftwerke bedienen sich aus Gewässern, und wenn deren Temperatur eine Grenze überschreitet, müssen sie teilweise vom Netz genommen werden. Das wirkt sich negativ auf die Stromversorgung aus.

Was ging langfristig kaputt?
Bäume sterben nach Trockenheits- und Hitzeschäden oft erst im Jahr danach. Zusätzliche Schäden an unseren Wäldern können also erst kommendes Jahr vollständig abgeschätzt werden.

Ging diesen Sommer in uns Menschen in der Schweiz etwas kaputt?
Ja. Die Unbeschwertheit des Sommers. Viele Leute waren verunsichert. Die Zeiten, als der Sommer Freude und lange laue Nächte bedeutete, sind vorbei. Zum ersten Mal habe ich von vielen Leuten in der Schweiz gehört und gespürt, dass sie sich wegen des Klimas Sorgen um die Zukunft machen. Die Menschen in der Schweiz sind betroffen und werden wachgerüttelt, weil sich die Klimaextreme jetzt vor der eigenen Haustür abspielen.

Was müssen die Menschen in der Schweiz tun, um sich auf den nächsten Hitzesommer vorzubereiten?
Jeder muss das Thema der Erderwärmung ernst nehmen. Klar, wir können uns anpassen und uns nicht zu hohen Temperaturen aussetzen. Aber: Es gibt eine Grenze der Anpassung.

Wie meinen Sie das?
Mensch und Natur können sich nicht immer weiter anpassen. Es gibt schon Menschen, die an den Folgen des menschenverursachten Klimawandels sterben. Steigt das globale Klima weiter, ist etwa die Vegetation im Mittelmeerraum gefährdet. Global gesehen wären viele Bereiche auf der Welt nicht mehr bewohnbar. Kurz: Es ist eine globale Krise.

Was können wir Menschen tun?
CO2-Emissionen reduzieren. Was bisher stattgefunden hat, ist für die kommenden Jahrzehnte nicht reversibel.

In diesem Jahr haben wir die extreme Hitze und Trockenheit aber hinter uns?
Es ist möglich, dass der Freitag der letzte richtige Hitzetag dieses Jahres ist. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Höchsttemperaturen der vergangenen Wochen nicht mehr auftreten werden. Aber: Wir können hohe Temperaturen im September nicht ausschliessen. Die 30-Grad-Grenze kann geknackt werden. Anders sieht es mit der Trockenheit aus.

Heisst?
Die Trockenperiode ist leider noch nicht vorbei. Kommende Woche wird weiterhin sehr wenig Regen erwartet. Das Problem wird sich also in den kommenden Tagen weiter verschärfen. Und die Temperaturen bleiben wohl sehr hoch. Es regnet selten, und wenn es regnet, verdunstet das Wasser schnell.

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