Darum gehts
- Seniorenzentrum Auf Walthersburg in Aarau stellt Betrieb per sofort ein
- Kantine geschlossen, Verpflegung durch externen Dienst, Bewohner fühlen sich allein
- 89-jährige Bewohnerin erhielt letztes Mittagessen am 27. Januar 2026
Wenn Seniorinnen und Senioren nicht mehr in ihren eigenen Wohnungen und Häusern leben können und sie andere Betreuung benötigen, ziehen viele von ihnen in Seniorenzentren um. So auch Verena Bütschli-Guggisberg (89), die Mutter von Verena Bütschli (53). Sie lebt seit letztem Sommer im Seniorenzentrum Auf Walthersburg in Aarau.
Geführt wird das Zentrum von einer Betriebsgenossenschaft. Oder besser gesagt, wurde. Die Genossenschaft hat den Betrieb eingestellt. Gemäss Bütschli per sofort. Dies hat zur Folge, dass auch die Kantine nicht mehr betrieben wird.
Damit die Bewohnerinnen und Bewohner trotzdem Frühstück, Mittag- und Abendessen erhalten und auch sonst verpflegt werden, muss nun ein externer Pflegedienst anrücken. Dass die Genossenschaft Probleme hatte, habe sie anfänglich nicht gewusst, sagt Bütschli gegenüber Blick.
Geschlossene Cafeteria und spontane Infoveranstaltung
Im Januar sei zwar von dem Geschäftsführer informiert worden, dass die Bilanz deponiert wurde und man warten müsse. Weiter sei dann aber nichts mehr geschehen. Am Montag war Bütschli noch bei ihrer Mutter zu Besuch. Ihr fiel ein Schild bei der Cafeteria auf, dass diese geschlossen sei.
Bei ihrem Mami fand sie dann den Brief mit der Ankündigung zur Infoveranstaltung am nächsten Morgen. «Wäre ich am Montag nicht bei ihr gewesen, hätte ich davon gar nichts erfahren», sagt die 53-Jährige zu Blick.
«Das rechne ich denen hoch an»
Sie sagt auch, dass die Sache wohl recht komplex sei, da der Wohnraum von der Stadt gestellt werde. Der Rest aber nicht. «Die Stadt hat uns mitgeteilt, dass die Wohnungen weiter verfügbar bleiben.»
Der Vertrag beinhalte aber Wohnung und Verpflegung. Das letzte Zmittag von den Angestellten habe ihre Mutter am Dienstag erhalten. Zwei Serviceangestellte und eine Köchin blieben freiwillig noch, um ein letztes Mal für die Seniorinnen und Senioren zu kochen. Dann war Schluss. «Zum Glück springt die Spitex24 spontan ein. Das rechne ich denen hoch an», betont Bütschli.
Unzumutbare Kommunikation
Um die Verpflegung müssen sich jetzt alle separat kümmern. Auch dass die Cafeteria geschlossen und nicht mehr zugänglich ist, kritisiert Bütschli. «Nur schon dazusitzen und den Austausch mit anderen Bewohnenden zu haben, ist doch wichtig.» Dort hätten diese zum Beispiel auch die Chance, eine Pizza zu bestellen und wenigstens gemeinsam zu essen, sagt sie.
Nicht nur die Cafeteria, sondern auch ein Raum, den die Spitex vorher nutzen durfte, wurde geschlossen. «Da fand das wöchentliche Altersturnen statt. Da hatte meine Mami immer grosse Freude dran. Auch das fällt weg», sagt die Tochter sichtlich enttäuscht.
Wie es nun weitergehen soll und kann, weiss sie noch nicht. Damit sich die Angehörigen der Bewohnenden austauschen könnten, müsste man auch erst mal deren Kontakte haben. «Die Kommunikation ist meines Erachtens unzumutbar und wir fühlen uns einfach im Stich gelassen», sagt Bütschli deutlich.
Stadt äussert sich zur Situation
Die zuständige Stadträtin Petra Ohnsorg sagt auf Anfrage von Blick: «Die Verpflegung der Bewohnerinnen und Bewohner wird derzeit durch einen privaten Anbieter sichergestellt. Der Stadt ist es ein Anliegen, dass sämtliche Bewohnenden des Seniorenzentrums auch künftig in ihren Wohnungen bleiben können, und arbeitet deshalb im Rahmen einer Taskforce intensiv an einer entsprechenden Lösung.» Weitere Informationen sollen zu gegebener Zeit kommuniziert werden.