Achtung vor Betrügern an der Haustüre!
Wegen dieser fiesen Masche verlor Else F. (95) ihr Erspartes

In Wohlen AG wird die 95-jährige Else F. Opfer eines dreisten Diebstahls. Betrüger holen 24'000 Franken aus ihrem Tresor. Die Seniorin ist wütend und tieftraurig, wie sie Blick erzählt.
Else F. zeigt ihre Geldkassette, in der sie ihr Bargeld hatte.
Foto: Ralph Donghi

Darum gehts

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Ralph DonghiReporter News

Else F.* (95) sitzt in ihrer Stube auf ihrem Lieblingssessel. «Ich empfinde nur noch Wut und Traurigkeit», sagt die Rentnerin aus Wohlen AG zu Blick. Wut hat sie auf die Betrüger, die ihr Erspartes gestohlen haben. Traurig ist sie, weil sie das Grundvertrauen in die Menschen verloren hat.

Seit 70 Jahren wohnt die kinderlose Witwe in einem Mehrfamilienhaus. «Noch nie ist mir so etwas passiert», erzählt sie. «Ich dachte, ich bin hier sicher.»

Plötzlich klingelt es an der Türe

Doch seit Dienstag ist für Else F. nichts mehr so, wie es einmal war. Sie erinnert sich: «Ich war noch im Bett, als es an der Türe klingelte.» Sie habe zum Glück einen dicken Pyjama angehabt, sei direkt aufgestanden und an die Türe gegangen.

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Else F. (95) zeigt ihre Geldkassette, in der sie ihr Bargeld hatte.
Foto: Ralph Donghi

Als Else F. diese öffnet, sieht sie, wie ein dunkel gekleideter Mann die Treppe hochkommt. Sie habe ihn gefragt: «Haben Sie bei mir geklingelt?» Der Mann habe es bejaht. Else F.: «Er hatte eine gepflegte Erscheinung.» In gebrochenem Deutsch habe er ihr erklärt, es sei etwas mit der Heizung nicht in Ordnung.

«Ich gehe mal nachschauen»

«Es ist mir schon ein wenig komisch vorgekommen», sagt die Seniorin. Aber: «Ich dachte, dass dies schon sein könnte, weil ich am Tag zuvor im Badezimmer gefroren hatte.» Und: Die Verantwortlichen der Liegenschaft würden das meiste selber machen. So stört es sie auch nicht, als der Mann sagt: «Ich gehe mal nachschauen.»

Else F. und der Mann gehen direkt ins Badezimmer. Er habe ihr gesagt: «Hören Sie das komische Rauschen?» Die Rentnerin sagt, dass sie es tatsächlich gehört habe. Er habe dann daran gearbeitet.

Masche dauert lange

«Was ist jetzt los?», habe sie ihn gefragt. «Ich weiss es noch nicht genau», habe der Mann geantwortet – und weitergearbeitet. Sie sei ständig bei ihm geblieben. «Er hat auch noch bei den Armaturen der Badewanne, am Lavabo und am WC rumgeschraubt», sagt Else F. «Das Ganze ging sicher eine Stunde lang.» Und: Als sie für ihn einen Kleiderständer aus dem Badezimmer räumen will, habe er sofort «Nein» und «Sie können ihn hier lassen» gesagt.

«Ich habe ihn nie alleine gelassen»
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Seniorin in Wohlen ausgeraubt:«Ich habe ihn nie alleine gelassen»

Else F. vermutet: «In dieser Zeit muss eine zweite Person in meine Wohnung geschlichen sein, den Safeschlüssel ab dem Schlüsselbrett genommen und den Tresor gefunden haben.» Die Rentnerin hatte die Wohnungstür zwar zugemacht, aber nicht abgeschlossen.

Im Tresor befand sich laut Else F. eine Kasse, in der «24'000 Franken und meine Bankkarte» gewesen seien. «Die haben mein Erspartes gestohlen», weiss die 95-Jährige heute.

«Er hat Zeit geschunden»

Währenddessen ist Else F. weiter mit dem angeblichen Handwerker im Badezimmer. «Er hat Zeit geschunden», weiss sie nun. «Er hat auch immer wieder den Kopf geschüttelt, und ich habe mit immer höheren Reparaturrechnungen gerechnet.»

Als der Mann fertig ist, will er noch, dass sie ihren Namen auf einen leeren, weissen Zettel schreibt. «Das tat ich dann nicht», sagt sie. Da habe er den Zettel eingesteckt und sei gegangen.

«Es war wie ein Schlag für mich»

Else F. wird es etwas mulmig. «Ich ging zum Fenster, ob ich einen Firmenwagen sah», sagt sie. «Aber da war nichts.» Sie habe dann Essen vorbereitet und später beim Schlüsselkästli den Briefkastenschlüssel nehmen wollen, um die Post zu holen. «Da sah ich, dass der Safeschlüssel weg war», sagt sie immer noch ungläubig. Sie geht sofort in die Stube und sieht, dass dort, wo jeweils eine Vase vor dem Gestell mit dem Tresor steht, dies nicht mehr so ist. Doch sie kann den Safe nicht öffnen – «weil ja die Schlüssel weg waren».

Da sieht Else F., dass ihr Safeschlüssel auf dem Stubentisch hinter einer Blumenvase liegt. «Ich schloss sofort alles auf und sah, dass das ganze Geld und die Bankkarte aus der Kasse weg waren», sagt sie. «Es war wie ein Schlag für mich.» Sie habe ihr ganzes Leben lang gearbeitet und gespart. «Und dann so etwas! Ich hätte den Mann im Bad am liebsten erwürgt.» Doch der ist längst weg. Als die Polizei kommt, hätten die Beamten gleich ihre Bank informiert.

Keine Fremden reinlassen

Ob Else F. das Geld, dessen Höhe sie im Safe auf einen kleinen, weissen Zettel geschrieben hatte, von einer Versicherung bezahlt erhält, weiss sie noch nicht. «Ich habe zum Glück noch Geld auf der Bank», sagt sie. Die Seniorin werde künftig niemanden, den sie nicht kennt, reinlassen. Sie überlegt sich auch, eine Schlüsselkette zu montieren. Und: Sie wünscht sich, dass die Hauseingangstür immer abgeschlossen wird.

Else F. erklärt zudem: «Ich kaufe praktisch nichts mit Karte. Und wenn man kein Geld zu Hause hat, dann kann man auch nichts spontan bezahlen – wie etwa einen neuen Kühlschrank.» Diese Freiheit habe sie jetzt verloren. Aber Else F. weiss auch: «Mein einziger Trost ist, dass ich körperlich nicht verletzt wurde.»

* Name bekannt 

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