Darum gehts
- In Au SG wurden am 9. April vier Menschen verletzt aufgefunden
- Ein 51-jähriger Serbe wurde als Tatverdächtiger festgenommen, er sitzt in U-Haft
- 73-jähriger Hausbesitzer bereits Opfer eines versuchten Einbruchs im Oktober 2025
Normalität ist zurückgekehrt nach Au SG – zumindest oberflächlich. Leute gehen mit ihren Hunden im Nieselregen spazieren, Kindergeschrei ist zu hören, beim Dorfbeck trifft man sich zum Kaffeeklatsch.
Die kleine Gemeinde am Rhein, der gleichzeitig die Landesgrenze zu Österreich markiert, hat viel zu bereden. Sie erlebte am vergangenen Donnerstag eine krasse Bluttat – der Kriminalfall ist bis heute mysteriös.
Am Donnerstagnachmittag fand die Kantonspolizei St. Gallen in einem Wohnhaus am Gässeliweg vier teils schwer verletzte Personen. Einen 73-jährigen Mann und drei Frauen im Alter von 57, 65 und 87 Jahren. Ein Grossaufgebot rückte aus, zwei Helikopter bringen die Verletzten ins Spital. Die Region ist in Aufregung.
Noch am selben Tag nahmen die Beamten nur ein paar Hundert Meter entfernt an der Giessenstrasse einen 51-jährigen Mann aus Serbien fest. Der Mann ohne festen Wohnsitz in der Schweiz ist dringend tatverdächtig. Die Frauen sind Stand Montag noch im Spital, der 73-jährige Hausbesitzer durfte nach Hause zurück.
Es ist nicht das erste Mal
Am Montagnachmittag öffnet Ernst M.* (73) Blick die Türe. Der Hausbesitzer hat ein entstelltes Gesicht, zwei blaue Augen. Seine Hand ist mit einem Verband umwickelt. Flankiert ist er von Kantonspolizisten, einer davon hält dem Reporter sofort seinen Ausweis unter die Nase. Ganz kurz darf Blick ein paar Worte mit dem Angegriffenen wechseln. Aber das sei ohnehin zwecklos, sagt Ernst M.: «Ich kann eh nichts sagen, denn ich weiss nichts mehr!» Vom Angriff sei nur noch eine Erinnerung da: «Ich habe die Tür aufgemacht und dann war Licht aus.»
Blick-Recherchen zeigen nun: Es ist nicht Ernst M.s erste Erfahrung mit Kriminalität. Im letzten Oktober wurde er bereits beinahe Opfer eines Einbruchs.
Wie die Kantonspolizei St. Gallen Blick-Informationen bestätigt, ist es im vergangenen Herbst zu einem misslungenen Einbruch bei Ernst M. gekommen. Ob dieser versuchte Einbruch damals etwas mit dem schlimmen Angriff vom Donnerstag zu tun haben könnte, kann die Kantonspolizei aktuell weder bestätigen noch dementieren. Weitere Details gibt Sprecher Milo Frey nicht bekannt.
Mutmasslicher Täter sitzt in Untersuchungshaft
Und was ist mit dem mutmasslichen Täter? Der Serbe rauchte gemäss Augenzeugen noch eine Zigi, bevor er abgeführt wurde. Stefan Hess, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen sagt gegenüber Blick: «Gegen den festgenommenen 51-jährigen Serben wurde durch die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen Untersuchungshaft beim zuständigen Zwangsmassnahmengericht beantragt. Dieses hat den Mann in Untersuchungshaft versetzt.»
Viele Fragen sind noch offen. Benutzte der Täter eine Waffe? Was war das Motiv? Gibt es noch Mittäter? Dazu sagt Hess: «Die Ermittlungen sind intensiv am Laufen. Aufgrund des pendenten Verfahrens können deshalb zurzeit keine weiteren Auskünfte erteilt werden.» Eine Schusswaffe sei nicht im Spiel gewesen, das sagte die Polizei schon am Freitag.
«Wenn es Willkür war, wäre ich schockiert»
Eine ältere Frau, die gegenüber des Tatortes wohnt, hat den Vorfall mitbekommen. Gesehen hat sie nichts, aber: «Ich habe Schreie gehört. Schreie und dann war plötzlich Totenstille.» Die Geräuschkulisse begleitet sie auch Tage nach der Tat noch.
Dass es eine willkürliche Tat gewesen sein könnte, das will man in Au nicht glauben. Eine junge Frau, die in der Nähe des Tatortes wohnt, spricht abseits der Kamera mit Blick. Sie sagt: «Da muss etwas mehr dahinter stecken. Wenn es tatsächlich Willkür war, dann wäre ich schon schockiert.» Sie lässt sich von dem Vorfall vom Donnerstag nicht aus der Ruhe bringen: «Es ist prinzipiell eine sichere Gegend, wir fühlen uns jetzt nicht ängstlich.»
Ähnlich sieht das auch Roger (64). Auch er wohnt in unmittelbarer Nähe des Tatortes – seit 28 Jahren. Er gibt sich rheintalerisch-resolut: «Ich habe überhaupt keine Angst. Es war ein bedauerlicher, schlimmer Zufall. So schaue ich das an.» Sein Rat an die Menschen, die nun Angst haben: «Das Gespräch suchen mit Mitmenschen. Angst mindert die Lebensqualität und das will niemand.» Und wer doch noch darunter leidet: «Ein Hund ist die beste Alarmanlage.»
*Name geändert