Todesfall im Apartment-Hotel, wo es offenbar auch Drogen und Prostitution gibt
Warum musste die junge Frau (†26) in St. Gallen sterben?

In einem Zimmer des Anbieters Visionapartments in St. Gallen ist am Freitagmorgen eine Schweizerin (†26) tot aufgefunden worden. Die Umstände sind zwei Tage später noch nicht geklärt. Fest steht, dass die Polizei einen anwesenden Eritreer (28) verhaftet hat.
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In diesem Haus wurde die junge Schweizerin tot im Zimmer 208 aufgefunden.
Foto: Karin Frautschi

Darum gehts

  • 26-jährige Schweizerin tot in St. Galler Visionapartements gefunden, Eritreer verhaftet
  • Polizei ermittelt Todesursache, Verdacht auf Drogenkonsum nicht ausgeschlossen
  • Betreiber weist Vorwürfe illegaler Aktivitäten zurück
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Karin FrautschiReporterin Blick

Nach einem Notruf am frühen Freitagmorgen wurde eine 26-jährige Schweizerin tot in einer St. Galler Wohnung aufgefunden. Wie Blick-Recherchen zeigten, handelt es sich um eine Unterkunft im Visionapartements-Haus an der Rorschacher Strasse 135.

Vor Ort nahm die Polizei einen Eritreer (28) fest. Wie die Polizei am Sonntag gegenüber Blick erklärte, soll er den Notruf abgesetzt haben. Dieser war am Freitag um 6.30 Uhr bei der Notruf- und Einsatzleitzentrale St. Gallen eingegangen. 

Die Umstände, die zum Tod der Frau geführt haben, sind auch am Sonntag noch unklar. «Die Beteiligung des Mannes, der sich beim Auffinden der Verstorbenen im Appartement aufgehalten hat, muss weiterhin geklärt werden. Aus diesem Grund befindet sich der Mann in Haft.» Das teilt die Kantonspolizei St. Gallen mit.

Kein Ehepaar

Laut Polizeiangaben war die tote Frau im Kanton St. Gallen gemeldet. Ebenso der verhaftete Eritreer. In welchem Verhältnis sie zueinander standen, werde derzeit ermittelt. Klar sei bisher, dass die beiden Personen nicht miteinander verheiratet waren, so Polizeisprecher Marco Thoma.

Gegenüber «20 Minuten» gab Thoma an, dass ein Delikt zwar nicht bestätigt werden könne, es sich aber auch um keinen natürlichen Tod gehandelt habe. 

Eine Mieterin eines anderen Appartement-Zimmers an besagter Adresse sagte gegenüber der Zeitung: «Die Putzfrau hat mir erzählt, es sei viel Kokain konsumiert worden.» Sie gehe von einer Überdosis aus.

Dazu hält sich die Kantonspolizei St. Gallen am Sonntag bedeckt. «Ein Zusammenhang zwischen einem allfälligen Konsum von Betäubungsmitteln und dem Tod der 26-jährigen Frau ist aktuell unklar und ebenfalls Gegenstand der laufenden Ermittlungen», so der Sprecher zu Blick. 

Berühmt-berüchtigte Adresse

Visionapartements ist ein Anbieter, der Zimmer und möblierte Wohnungen an verschiedenen Standorten in der Schweiz vermietet. Zum Beispiel in Glattbrugg ZH, Baar ZG oder Lugano TI. Am Standort St. Gallen stehen 69 Appartements zur Verfügung. 

Im Internet hat der Anbieter allerdings einen zwielichtigen Ruf. Auf einschlägigen Plattformen berichten mehrere Männer von ihren bezahlten Sex-Erfahrungen. In einem Beitrag vom 4. August 2025 schrieb ein User: «Abgezockt von ... Huren in St. Gallen und 250 verloren trotz Polizeieinsatz von drei Beamten ... in der Rorschacherstrasse 135 in St. Gallen.» 

Ein anderer User berichtet, er habe einen Termin bei einer «süssen Polin» gebucht: «Rorschacherstrasse 135 – wer kennt es nicht, das Hotel.»

Thema bei der «Rundschau»

Aussagen eines Imbissladen-Mitarbeiters in der Nähe untermauern das. Wie er gegenüber Blick erzählt, sei in der Gegend bekannt, dass Frauen im Haus ab und zu Zimmer mieten, um sexuelle Dienste anzubieten. Manchmal kämen solche Frauen, oft aus Brasilien oder Rumänien, relativ leicht bekleidet im Imbissladen vorbei. «Viele von ihnen bestellen doppelte Espressos mit etwa fünf Würfelzucker», sagt der Mann, der anonym bleiben will. 

Eine Recherche für die SRF-Sendung «Rundschau» zeigte vergangenen November, dass mehrere Self-Check-in-Hotels, bei denen Visionapartements Schweizer Marktführer ist, für Sexarbeit genutzt werden. Damals wies die Firma den Vorwurf, Prostitution zu tolerieren, zurück.

Appartement-Firma: «keine Stundenunterkünfte»

Auch gegenüber Blick betont die Firma am Sonntag: Die Unterkünfte würden ausschliesslich als Service-Appartements mit einer Mindestaufenthaltsdauer von zwei Nächten betrieben. Es handle sich nicht um Kurzzeit- oder Stundenunterkünfte.

«Wir sind tief betroffen von diesem tragischen Vorfall und sprechen den Angehörigen und nahestehenden Personen der verstorbenen Person unser aufrichtiges Beileid aus», schreibt Andrei Iordan von Visionapartements. 

Da es sich um eine laufende polizeiliche Untersuchung handle, könne er derzeit keine weiteren Angaben machen. Er betont: «Wir möchten klarstellen, dass unsere Hausordnung illegale Aktivitäten, einschliesslich des Konsums von Drogen, in unseren Appartements strikt untersagt.» Verstösse gegen diese Regeln führten zur sofortigen Beendigung des Aufenthalts.

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