Darum gehts
- Schweizer Autofahrer sparen in Österreich rund 30 Rappen pro Liter
- Tankstellenbetreiber sagt, jetzt gebe es nochmals «einen Schub von gut 10 Prozent» an Schweizer Tanktouristen
- Tanken wird oft mit Einkaufstourismus kombiniert
An den Tankstellen gleich hinter der österreichischen Grenze häufen sich derzeit Autos mit Schweizer Nummernschildern. Kein Wunder: Seit Ende Februar hat der Preis für Bleifrei 95 und Diesel um über 20 Prozent zugelegt. Im Nachbarland lockt dagegen günstiger Most. Ein «Schnäppli», schwärmt ein Schweizer Tanktourist in der «Tagesschau»-Ausgabe vom Sonntag.
Der Preisunterschied sorgt für einen regelrechten Ansturm. Petra Girardi (61), Fachgruppenobfrau der Garagen-, Tankstellen- und Serviceunternehmungen der Wirtschaftskammer Feldkirch, bestätigt gegenüber Blick: «Jedes zweite Auto an den grenznahen österreichischen Tankstellen hat derzeit ein Schweizer Kontrollschild.» Das Geschäft mit den Tanktouristen boomt. Laut Girardi machen die Tankstellen in Grenznähe inzwischen den grössten Teil ihres Umsatzes mit Schweizer Kundschaft.
Schweizer nehmen immer längere Anfahrten in Kauf
Auch Patrick Deuring (52), Inhaber der Deuring Tankstellen GmbH im österreichischen Lochau am Bodensee, spürt den Boom. Der Österreicher zählt schon seit Jahren viele Schweizer zu seinen Kunden. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs im Frühjahr seien es aber nochmals deutlich mehr geworden. «Ich würde den Zuwachs auf gut 10 Prozent schätzen», sagt er zu Blick.
Was Deuring besonders auffällt: Seine Kundschaft reist zunehmend von weiter her an. Früher seien vor allem Schweizer aus den grenznahen Gemeinden zum Tanken gekommen. Heute nehmen viele deutlich längere Fahrten in Kauf. «Die Schweizer kommen neuerdings von weiter her, um zu tanken», beobachtet der Unternehmer.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum: Bereits Ende September hat Blick berechnet, wann sich die Tankfahrt für Schweizer ins Ausland lohnt. Damals lag die Grenze für den maximalen Umweg nach Österreich bei 117 Kilometern für Dieselautos und 114 Kilometern für Benziner.
Seither ist der Preisunterschied weiter angewachsen. In der Schweiz kostet der Liter Diesel aktuell durchschnittlich 2.45 Franken, Bleifrei 95 schlägt mit 2.16 Franken zu Buche. Bei Deuring in Lochau sind es umgerechnet nur 2.01 Franken für Diesel und 1.70 Franken für Benzin.
Das verschiebt die Rechnung zugunsten der Schweizer Tanktouristen: Für Dieselfahrer lohnt sich gemäss der bisherigen Berechnung nun ein Umweg von bis zu 121 Kilometern, für Benziner sind es sogar 128 Kilometer. Damit rückt selbst der Kanton Zürich in Reichweite. Und tatsächlich: Deuring entdeckt an seinen Zapfsäulen auch immer wieder Zürcher Nummernschilder.
Bis zu 21 Franken Ersparnis pro Tankfüllung
Wie gross der Preisvorteil ist, zeigt ein konkretes Beispiel: An den Shell- und Coop-Tankstellen beim Einkaufscenter Rheinpark in St. Margrethen SG kostet der Liter Bleifrei 95 laut TCS-Benzinpreisradar 2.12 Franken, beim Diesel sind es 2.43 Franken.
Nur rund 24 Kilometer oder eine halbe Autostunde entfernt verlangt Deuring in Lochau 32 Rappen weniger für Benzin und 42 Rappen weniger für Diesel. Wer dort 50 Liter tankt, spart gegenüber St. Margrethen zwischen 16 und 21 Franken – die zusätzlichen Fahrtkosten noch nicht eingerechnet.
An der Preisfront droht unterdessen bereits der nächste Dämpfer – besonders Dieselfahrer brauchen weiterhin starke Nerven: Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt in ihrem neuesten Bericht vor «extremem Druck» auf dem Diesel- und Heizölmarkt. Die globale Versorgung bleibe bis weit ins Jahr 2027 angespannt – und die Treibstoffpreise damit wohl weiterhin auf Rekordniveau.