Diesel- und Benzinpreise verharren auf Rekord
Was für ein Umsteigen auf ein E-Auto spricht und wo es noch Vorbehalte gibt

Steigende Preise an den Zapfsäulen bescheren der E-Auto-Branche in der Schweiz einen Boom. Ob sich der Umstieg weg vom Verbrenner oder Benziner lohnt, hängt laut Experten von mehreren Faktoren ab.
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Dieses Schild weist auf eine öffentliche Ladestation hin.
Foto: Laurent Gillieron

Darum gehts

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Moritz MeisterRedaktor Wirtschaft

Während bei Besitzern von Benzin- und Dieselautos der Frust wegen der steigenden Spritpreise wächst, lachen sich E-Auto-Besitzer ins Fäustchen. Nun befassen sich laut neuesten Auswertungen immer mehr Schweizerinnen und Schweizer mit dem Kauf eines Stromers.

Dies zeigen unter anderem die jüngsten Zahlen der Autohandelsplattform AutoScout24. Das Interesse an E-Autos ist im September um fast 70 Prozent gestiegen. Doch macht der Kauf eines Stromers durch die steigenden Benzinpreise wirklich mehr Sinn? Blick hat darüber mit Experten gesprochen.

Ist der Unterhalt eines Stromers günstiger?

Ja denn, «Elektroautos haben durch tiefere Energie- und Servicekosten über die Laufleistung einen Kostenvorteil gegenüber Verbrennern», sagt Marco Wölfli, Sprecher vom Touring Club Schweiz (TCS). Voraussetzung dafür ist allerdings, «dass der Neupreis des gewählten E-Autos nicht viel höher ist als jener des Verbrenners und es mit günstigem Strom geladen werden kann.»

Marco Wölfli, Sprecher des TCS, sieht einen Kostenvorteil beim Stromer.
Foto: zVg

Wie viel günstiger sind die Antriebskosten?

Im Januar veröffentlichte der TCS einen Vergleich zwischen Verbrennern und Stromern. Seither sind die Spritpreise jedoch weiter gestiegen. Aktuell kostet der Liter Benzin etwa 2.10 Franken. Bei einem Verbrauch von 5 Litern auf 100 Kilometern und einer Laufleistung von 15'000 Kilometern pro Jahr käme man auf jährliche Benzinkosten von etwa 1730 Franken.

Beim Stromer ging der TCS von einem Verbrauch von 18 kWh/100 km bei einem Strompreis von 28 Rappen pro Kilowattstunde aus. Das ergibt jährliche Stromkosten von 756 Franken. Damit liegt die Differenz bei knapp 1000 Franken.

Zu beachten ist hierbei allerdings, dass die Kosten eines Stromers schnell in die Höhe schiessen. Lädt man sein E-Auto ausschliesslich an öffentlichen Ladestationen, ist es teurer als ein vergleichbarer Verbrenner. Gemäss der Auswertung des TCS kostet ausschliesslich Auswärtsladen 15.80 Franken pro 100 km. Lädt man stets an der heimischen Ladestation, kommt man bei einem Strompreis von etwa 28 Rappen pro Kilowattstunde und einem Verbrauch von 18kWh/100 km pro 100 km lediglich auf einen Preis von rund 5 Franken.

Sind Stromer-Occassionen eine Option?

Während die Anschaffung eines neuen E-Autos je nach Modell häufig noch teurer ausfällt als vergleichbare Verbrenner-Modelle, wird der Occasionsmarkt auch bei Stromern immer grösser. «Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an E-Autos auf dem Occasionsmarkt. Wie auch bei Verbrenner-Occasionen spielt hier der Gesamtzustand eine wesentliche Rolle», erklärt Wölfli. Eine Stromer-Occasion ist gerade für Personen, die auf E-Mobilität umsteigen wollen, eine interessante Alternative.

Wie stelle ich beim Kauf einer Occasion sicher, dass der Akku noch in gutem Zustand ist?

Hier empfiehlt Wölfli vor dem Kauf unbedingt einen Batterietest. Dieser kann in verschiedenen Prüfzentren durchgeführt werden. «Dabei wird der Zustand der Hochvoltbatterie überprüft und man erhält ein Zertifikat, das den Zustand dokumentiert», sagt er.

Wie weit kommt man mit einer Akkuladung?

«Das hängt vom Automodell ab und reicht von etwa 300 bis über 800 km», sagt Anthony Patt (61), Professor für Klimaschutz an der ETH Zürich. Genauso wichtig ist laut Patt, dass es mittlerweile schnell und einfach ist, ein Elektroauto auf einer langen Reise aufzuladen. «In der ganzen Schweiz und im restlichen Europa gibt es Schnellladestationen etwa alle 10 bis 20 Kilometer entlang der Autobahnen sowie auf vielen öffentlichen Parkplätzen in Städten und Ortschaften.»

Anthony Patt, Professor für Klimaschutz an der ETH Zürich.
Foto: Philippe Rossier

Ist ein Stromer tatsächlich besser fürs Klima?

«Auf jeden Fall», sagt Patt. «Forscher am Paul-Scherrer-Institut haben für die Schweiz berechnet, dass der Kauf und Betrieb eines Elektroautos über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs 50 bis 60 Prozent weniger Emissionen verursacht als ein vergleichbares Benzin- oder Dieselauto.» Ein Umstieg auf einen Stromer lohnt sich dabei vor allem für Personen, die mindestens etwa 6000 Kilometer pro Jahr fahren.

Wie sinnvoll ist der Umstieg?

Laut Patt ist der Umstieg auf einen Stromer gleich aus mehreren Gründen sinnvoll. Zum einen aus ökologischer Sicht. «Elektroautos sind weitaus besser für das Klima und die Umwelt als Autos, die mit fossilen Brennstoffen fahren.» Als zweiten Grund nennt er den wirtschaftlichen Faktor. «Der Kaufpreis eines E-Autos entspricht dem eines Benziners oder liegt nur geringfügig darüber, aber alle späteren Kosten sind deutlich niedriger, sowohl für den Strom zum Fahren als auch für die Wartung.» Grund drei liegt für ihn im Komfort und dem Fahrerlebnis bei einem E-Auto. «Elektroautos machen mehr Spass zu fahren, sie beschleunigen reaktionsschneller und sind leiser. Zudem sind sie komfortabler, besonders wenn man zu Hause oder in der Nähe aufladen kann.»

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