Trotz Vollmacht
Fundbüro rückt Autoschlüssel nach Olma-Besuch nicht raus

Ein Messebesucher verliert an der Olma seinen Autoschlüssel. Ein ehrlicher Finder gibt ihn beim städtischen Fundbüro St. Gallen ab. Trotz Vollmacht verweigert das Fundbüro die Herausgabe. Eine Ostschweizer Posse.
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Pizzaiolo Adriano Miglio lacht eigentlich gern. Aber das bürokratische Getue des Fundbüros St. Gallen hat ihn richtig verärgert.
Foto: zVg

Darum gehts

  • Adriano Miglio verlor an der Olma seinen Autoschlüssel, ein Finder gab ihn im Fundbüro St. Gallen ab
  • Trotz Vollmacht und genauer Angaben händigte das Fundbüro den Schlüssel zunächst nicht aus
  • Die Stadtpolizei sprach von interner Absprachepanne, lieferte den Schlüssel und erliess die Gebühr
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Birthe Homann
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Gastronom Adriano Miglio, 56, besuchte letzte Woche die Landwirtschaftsmesse Olma in St. Gallen. Wie jedes Jahr trifft der Inhaber einer Pizzeria im Zürcher Oberland dort seine Wein- und Bierlieferanten. Es sei dort immer der Plausch, sagt er. Als er zum Abschluss mit einer Kollegin noch über die Chilbi schlendert, merkt er: Er hat den Autoschlüssel für seinen Mercedes-Lieferwagen verloren.

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Die Kollegin fährt Miglio nach Hause, damit er den Ersatzschlüssel holen kann, und von dort zurück zum Parkplatz, wo Miglio seinen Wagen abgestellt hat. «Zum Glück habe ich drei Reserveschlüssel», sagt er.

Am nächsten Tag ruft Miglio beim städtischen Fundbüro St. Gallen an. Eine nette Dame sagt ihm, ein Schlüssel gemäss seiner Beschreibung sei tatsächlich abgegeben worden. Miglio fragt, ob ein Freund vor Ort den Schlüssel für ihn holen könne, da der Aufwand für ihn etwa drei Stunden betrage, was er sich als Selbständiger nicht leisten könne. Sie bejaht: Es brauche eine Vollmacht sowie eine genaue Beschreibung des Schlüssels.

Schlüssel bleibt unter Verschluss

Am nächsten Tag geht Miglios Kollege, sein Weinhändler, zum Fundbüro. Ausgestattet mit einer Vollmacht und detaillierten Angaben zu Fahrzeug und Schlüssel. Aber: Der Schlüssel wird ihm nicht ausgehändigt, «da könne ja jeder kommen», heisst es.

Adriano Miglio, ein gebürtiger Neapolitaner, der früher Triathlons absolvierte und heute Rennvelo fährt, versteht die Welt nicht mehr. Was soll das?

Er ruft erneut beim Fundbüro an und bekommt nun die Auskunft: Miglio müsse sein Anliegen schriftlich einreichen. Man könne den Schlüssel nicht einfach so aushändigen, er müsse mit dem Auto kommen, damit man überprüfen könne, ob es sich um den richtigen Schlüssel handelt.

Miglio platzt langsam der Kragen. Er schreibt eine Mail mit allen relevanten Angaben wie Schlüsselnummer und Foto des Autoschlüssels, damit sein bevollmächtigter Freund ihn doch noch abholen kann. Das war letzten Freitag.

Stadtpolizei entschuldigt sich

Das Fundbüro St. Gallen wird von der Stadtpolizei betrieben. Mediensprecher Roman Kohler erklärt auf Anfrage des Beobachters: Bei der Herausgabe von Fundgegenständen müsse grundsätzlich sichergestellt werden, dass sie nicht an die falschen Personen gelangen. Eine Übergabe an Drittpersonen sei zwar nicht generell ausgeschlossen, aber an Auflagen gebunden: «Es müssen dann bestimmte Bedingungen erfüllt sein, damit wir sicher sind, dass der Gegenstand an die richtige Person geht.»

Im Fall von Adriano Miglio habe ein internes Abspracheproblem vorgelegen. Die Schlüsselübergabe werde nun so organisiert, «dass für die Betroffenen möglichst keine weiteren Umstände entstehen». Zudem würden die internen Prozesse sowie die Kriterien für die Abholung durch Drittpersonen überprüft und angepasst. «Wir entschuldigen uns für die entstandenen Unannehmlichkeiten.»

Tatsächlich wurde der Schlüssel inzwischen Miglios Kollegen durch die Polizei gebracht. Zudem wurde ihm die Fundgebühr von 16 Franken erlassen.

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