Darum gehts
- In Mauren flüchtete ein 12-Jähriger auf E-Scooter vor der Polizei
- Ein Video zeigt den schreienden Jungen verletzt neben dem Polizeiauto
- Unklarheit über Polizistenverhalten, Landespolizei Liechtenstein verweigert Stellungnahme
Am Dienstagabend kam es im liechtensteinischen Dorf Mauren zu einer spektakulären Verfolgungsjagd. Ein 12-Jähriger auf einem E-Scooter entzog sich gemäss der Landespolizei einer Kontrolle und suchte das Weite. Zwei Polizisten fuhren in ihrem Dienstfahrzeug dem Kind nach. Auf ihrer Verfolgungsjagd durch ein Familienquartier soll das Fahrzeug nicht nur für Autos gesperrte Gehwege, sondern auch Felder überfahren haben und deutlich zu schnell unterwegs gewesen sein.
In einer kleinen Nebenstrasse dann stürzte der Junge hin. Auf Videoaufnahmen ist nicht eindeutig zu erkennen, ob der Junge vom Polizeiauto touchiert wurde oder ob gar ein Polizist den Buben aus dem geöffneten Autofenster heraus packte.
Fragen zur Verhältnismässigkeit dieses Einsatzes wurden laut, nach einer ersten Medienmitteilung schwieg die Landespolizei des Fürstentums. Darin stand, dass sich der Junge eine «grossflächige Schürfwunde» zugezogen habe. Und: «Im Zuge des Anhalteversuchs stürzte der Jugendliche.» Zudem schrieb die Landespolizei: «Der Unfallhergang sowie das Vorgehen der Patrouille sind Gegenstand von laufenden Ermittlungen.»
Neues Video schockiert
Nun wurde Blick ein weiteres Video zugespielt. Auf den dreissig Sekunden ist zu sehen, wie der 12-jährige E-Scooter-Fahrer am Boden neben dem Polizeiauto liegt. Die Füsse des 12-Jährigen, die hinter dem Auto hervorragen, schlagen in alle Richtungen aus. Er windet sich vor Schmerz.
Der Bub schreit während des gesamten Videos wie am Spiess. Hinter der Kamera hört man zudem geschockte Augenzeugen scharf die Luft einziehen. Einer davon fragt fassungslos: «Haben sie ihn gerammt?!»
Was machen die Polizisten?
Die beiden Polizisten im Video scheinen derweil keine Eile zu haben, dem Bub zu helfen. Einer scheint sich zum Kind zu bücken, er verschwindet aus dem Sichtfeld. Was genau dieser Polizist in der Deckung des Autos mit dem Kind macht, ist auf dem Video nicht zu sehen.
Der zweite Polizist läuft erst zum umgefallenen E-Scooter hin, scheint es sich dann aber wieder anders zu überlegen. Dann stellt er sich neben das Auto, klemmt die Hände in seine Einsatzweste und schaut dem zu, was sein Beamtenkollege hinter dem Auto mit dem Kind macht. Erst gegen Ende des Videos scheinen die Schreie des Kindes langsam abzuebben.
Kontraproduktive Aktion?
«Das war schon ziemlich crazy. Der lag da am Boden und hat sich gewunden und der eine Polizist stand nur da und schrie halb auf ihn ein», sagt der Einsender des Videos. Er möchte anonym bleiben.
Er ist selber noch ein Teenager und stand daneben, als sein Kollege das Video gemacht hat. Seine Freundesgruppe und viele im selben Alter fahren alle gerne E-Scooter. Die Aktion der Beamten werde für die Polizei wohl eher das Gegenteil des Gewünschten erreichen, sagt der Jugendliche: «Viele, die ich kenne, wollen jetzt noch viel weniger anhalten, weil sie keine Lust haben, so von der Polizei vorgeführt und blamiert zu werden.»
«Einer der Polizisten leistet Erste Hilfe»
Blick schickt einen Fragenkatalog an die Medienstelle der Liechtensteiner Landespolizei. Sprecherin Dunja Goop schreibt zum neuen Video: «Einer der Polizisten kniet bei dem gestürzten E-Scooter-Fahrer und leistet Erste Hilfe. Der zweite Polizist sichert parallel dazu die Unfallstelle ab.»
Der Kommandant der Landespolizei Liechtenstein sagt gegenüber dem «Liechtensteiner Vaterland», der Vorfall werde untersucht, aber: «Ich sehe derzeit keinen Anlass, die involvierten Personen vom Dienst zu suspendieren.»