Darum gehts
- Schwerer Unfall im Kerenzerbergtunnel: Autofahrer stirbt nach Kollision mit Lastwagen
- Experten raten: Sofort Warnblinker einschalten, Auto verlassen, Sicherheitsbereich aufsuchen
- Notausgänge in der Schweiz gut ausgeschildert
Ein schlimmer Unfall erschütterte am Montag die Ostschweiz. Ein Autofahrer kam aus bisher unbekannten Gründen im Kerenzerbergtunnel zum Stillstand und wollte seinen Opel anschliessend in eine Ausstellbucht schieben. Anschliessend wurde er von einem Lastwagen erfasst und tödlich verletzt. Der Tunnel bleibt bis am Dienstag um 6 Uhr gesperrt.
Der Unfall zeigt, wie schnell eine Panne im Tunnel lebensgefährlich werden kann. Doch was muss man tun, wenn das eigene Auto plötzlich stehen bleibt?
Die Kantonspolizei Glarus sowie der TCS empfehlen, sofort die Warnblinker einzuschalten und das Fahrzeug – wenn möglich – in einer Ausstellbucht oder auf dem Pannenstreifen abzustellen. Ist das nicht möglich, sollte man so weit rechts wie möglich anhalten.
Anschliessend gilt: Motor ausschalten, Warnweste anziehen und das Fahrzeug auf der verkehrsabgewandten Seite verlassen. Alle Insassen sollten sich so schnell wie möglich in eine SOS-Nische, hinter einen Notausgang oder auf den Sicherheitsgehweg begeben.
«Gefährlicher Ort»
Daniel Menzi ist Mediensprecher bei Swissdrive – die Organisation vereint alle Partner, die an Aus- und Weiterbildung von Verkehrsteilnehmern beteiligt sind. Auch er erklärt, dass man im ersten Moment möglichst nicht in Panik verfallen dürfe. «Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren und das Fahrzeug – wenn immer möglich – noch bis zur nächsten Pannenbucht oder aus dem Tunnel herausrollen oder fahren zu lassen.»
Gelingt das nicht, müsse das Auto möglichst weit rechts an den Fahrbahnrand gestellt werden. Danach sollten alle Personen das Fahrzeug umgehend verlassen und sich hinter die Leitplanke oder im Tunnel auf den Sicherheitsgehweg begeben, um Hilfe zu holen. «Man sollte sich rasch zu einer Notrufstation begeben und von dort alarmieren, da dadurch auch der Standort übermittelt wird. Danach in einer SOS-Nische auf die Einsatzkräfte warten», erklärt TCS-Mediensprecher Marco Wölfli auf Anfrage.
Bloss nicht im Auto sitzen bleiben
In den ersten Sekunden geht es laut Menzi vor allem darum, die Gefahrenstelle möglichst klein zu halten und sich selbst in Sicherheit zu bringen. «Ein Tunnel ist aufgrund des fliessenden Verkehrs ein besonders gefährlicher Ort», sagt der Experte.
Deshalb gilt: Nicht im Fahrzeug auf Hilfe warten. Man sollte sich möglichst schnell aus dem Gefahrenbereich begeben. Auch Reparaturversuche auf der Autobahn sollten nicht unternommen werden.
Nur wenn ein Verlassen des Fahrzeugs unmittelbar gefährlicher wäre als das Verbleiben im Fahrzeug, müsste die Situation entsprechend beurteilt werden. Solche Fälle seien jedoch selten.
«Man übt solche Situationen kaum»
Allgemein seien die Notausgänge in Schweizer Tunnel sehr auffällig und deutlich signalisiert und mit grünen Rettungszeichen gekennzeichnet. «Die Beschilderung ist bewusst so ausgeführt, dass sie auch unter Stress gut erkennbar ist.»
Das Problem bei solchen Situationen: Man übt sie kaum. Wer in der Fahrschule einmal gelernt hat, wie man sich bei einer Panne im Tunnel verhalten sollte, braucht dieses Wissen im besten Fall jahrzehntelang nie. «Wenn man so etwas einmal gehört hat und dann 20 Jahre nie braucht, rostet dieses Wissen natürlich ein», fügt Menzi hinzu. «Das zusammen mit der ‹Angst um sein eigenes Auto› führt dann halt leider zu solchen Situationen, wie wir sie jetzt hatten.»