Darum gehts
- Carl Batliners Grundstück soll geräumt werden
- 13 illegal errichtete Bauten stehen ohne Baubewilligung auf seinem Areal
- Die Räumungskosten von 75’000 Franken trägt laut Behörden der Besitzer
Carl Batliner (46) hat einen Traum: ein Minidörfli auf seinem privaten Grundstück. Erste Elemente hat sich der Erfinder über tutti.ch zusammengekauft – so etwa Schiffscontainer, Tiny Houses, ein grosses Mobil-Home und von einem Altersheim sogar eine alte VBZ-Tramkabine. All das hat der Künstler in seinem Garten im Liechtensteinischen zusammengebaut und auf booking.com vermietet.
Das Problem nur: Für das Dörfli am Edelhügel des Dorfes Eschen in Liechtenstein gibt es für 13 Objekte keine Baubewilligung! Jetzt wollen die Behörden das Miniparadies dem Erdboden gleichmachen – gegen den Willen des Besitzers. Blick hat Hausherr Batliner besucht.
Das «gelobte Land»
Carl Batliner empfängt den Blick-Reporter freundlich und zeigt sein Werk. Alle geplanten Wohneinheiten stehen noch auf ihrem Platz. Zwischen den Containern wächst kein Gras, es sieht aus wie auf einer etwas wildchaotischen Baustelle. Im hinteren Teil des Grundstücks hat er einen fast zehn Meter langen Graben ausgehoben, der ist zur Hälfte mit Wasser gefüllt. «Hier soll eigentlich später ein Segelschiff schwimmen, in dem auch jemand wohnen kann», sagt Batliner begeistert. Für die Besucher ist es nicht ganz einfach, in dem Schlammloch einen künftigen Binnenhafen zu sehen.
Der Unternehmer will auf seinem Grundstück eine ganz spezielle Wohngemeinschaft aufbauen. «Das gelobte Land»: So nennt der Liechtensteiner sein Projekt liebevoll. Den Namen habe er nach einer Reise durch Israel und Palästina gewählt. «Ich hatte die Eingebung, in dem Projekt direkt von Mensch zu Mensch helfen zu können.» Einen religiösen Hintergrund habe das Projekt aber nicht.
Auf seiner Homepage bezeichnet Batliner die geplante WG als ein Friedensgemeinschaftsprojekt. «In einer grünen Oase mit Schwimmbiotop tüfteln wir an Selbstversorgerlandwirtschaft. Und wir machen einen Verein zur gegenseitigen Unterstützung von Menschen in Not», schreibt er.
Carl Batliner hat in Liechtenstein seinen Traumberuf «Erfinder und Unternehmer» studiert. Der Studiengang heisst Entrepreneurship, Innovation und Leadership. Seine aktuell wichtigste Einnahmequelle ist eine Wohnung in seinem Haus, die er über booking.com anbietet. Batliner hat keine feste Anstellung, ist aber weder von Arbeitslosengeld noch von Sozialhilfe abhängig. Als weiteres Projekt hat er eine kompakte Maschine erfunden und patentieren lassen, mit der man den perfekten Joint drehen kann.
Die folgenreiche Verfügung
Das offizielle Liechtenstein kann er mit seinem schöngeistigen Vorhaben nicht beeindrucken. Ende Mai fand der Erfinder und Unternehmer eine eiskalte Verfügung im Briefkasten. «Alle widerrechtlich erstellten Bauten sind vollständig zu entfernen. Auch muss das Gelände in den ursprünglichen Zustand versetzt werden.»
Im Schreiben wird ausdrücklich betont, dass der Rückbau unumgänglich und jede weitere Bautätigkeit ausgeschlossen ist. Auch eine nachträgliche Bewilligung sei nicht möglich. Der Abtransport und Rückbau des Geländes werde bereits konkret vorbereitet. Die Kosten würden um die 75’000 Franken betragen und dem Hausherrn in Rechnung gestellt werden, heisst es im Schreiben.
Batliner reagiert genervt auf den Druck durch die Behörden: «Es ist einfach unverständlich, dass die Regierung ihre Energie auf den Abtransport meiner Häuschen verwendet, statt auf meine Baueingaben zu antworten. Ich bin ja flexibel und würde schnell auf Änderungsbefehle reagieren.»
Stellplatz gesucht
Das Amt für Hochbau und Raumplanung des Fürstentums Liechtenstein setzte Batliner ursprünglich eine Frist bis zum 6. Juni. Er sollte alles selbst abbauen. Falls dies nicht passiere, so die Behörde, lasse sie die Bagger vorfahren und mache alles platt – auf Kosten des Besitzers.
Batliner hat aber nicht vor, aufzugeben. «Ich habe mit den Behörden telefoniert und habe nun noch etwas Zeit, einen provisorischen Stellplatz für die Container und Mobil-Homes zu finden.»
Der von der öffentlichen Hand geforderte Rückbau erinnert an die Geschichte des plattgemachten Traumgartens von Peter Jenny in Sarnen OW, über den Blick mehrfach berichtet hat. Wie Batliner dachte auch Jenny nicht ans Aufgeben.
Und Batliner seinerseits sagt kämpferisch: «Ich bin ein widerstandsfähiges Kerlchen. Wenn die Container abgeräumt werden, beginne ich halt wieder ganz bei null. Ich habe bereits so manchen Neustart geschafft.»
Das zuständige Amt schreibt auf Anfrage von Blick, dass es sich zu den Massnahmen nicht äussert, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt.