Darum gehts
- 16-Jähriger stirbt bei Velo-Unfall in Oberbuchsiten SO am 27. Mai
- Verstorbener Awad K., unbegleiteter Minderjähriger aus Somalia, lebte in Asylunterkunft
- Blick konnte mit zwei Freunden von ihm sprechen
Er ist auch Tage nach dem tragischen Unfall immer noch das Thema Nummer eins in Oberbuchsiten SO: Der 16-Jährige, der oberhalb des Dorfes in einem Waldstück mit dem Velo stürzte und starb. Vor allem eine Frage steht im Raum: Was ist dort bloss passiert?
Sicher ist erst: Es geschah letzten Mittwoch, gegen 21.15 Uhr. Drei 16-jährige Jugendliche fahren mit ihren Fahrrädern auf der Naturstrasse im Gebiet «Obere Bündten» talwärts in Richtung Oberbuchsiten. Die Kantonspolizei Solothurn schreibt später: «Aus noch zu klärenden Gründen kam einer der Jugendlichen zu Fall und zog sich dabei tödliche Verletzungen zu.» Polizei und Staatsanwaltschaft haben umgehend Ermittlungen zum Unfallhergang und zur Unfallursache aufgenommen.
Recherchen von Blick zeigen nun: Beim Verstorbenen handelt es sich um Awad K.* Er lebte in Oberbuchsiten in einer kantonalen Asylunterkunft für unbegleitete Minderjährige. Heisst: Der junge Somalier war alleine in der Schweiz, und es ist noch unklar, ob er im Heimatland überhaupt noch Angehörige hat.
«Er war so ein guter Typ»
«Er kam, wie ich, vor etwa zwei Monaten in die Schweiz und da habe ich ihn kennengelernt», erzählt Ilios T.* (15) traurig. Awad sei ein guter Freund geworden. «Es ist schwierig zu ertragen, dass er nun sterben musste.» Der Afghane lebte mit dem Verstorbenen in der Unterkunft zusammen. Ilios T. und auch der afrikanische Kumpel Kiano P.* (17) möchten öffentlich erzählen, wie Awad K. war – zu ihrem Schutz ändert Blick ihre Namen und deckt ihre Gesichter ab.
«Er war so ein guter Typ», sagen die beiden Jugendlichen. Awad sei gerne Velofahren gegangen, habe Spass am Leben gehabt und vor allem: «Er hatte in der Schweiz viele Träume, wollte hier irgendwann mal eine Lehre machen und arbeiten», sagt Ilios T. Zum Unfall und den Jugendlichen, die dabei waren, sagen sie nichts.
Blick hätte gerne noch erfahren, ob der Verunfallte einen Helm trug und ob allenfalls Alkohol im Spiel war. Doch Cony Brand von der Solothurner Staatsanwaltschaft antwortet darauf: «Wir machen praxisgemäss keine näheren Angaben zur verunfallten Person.» Hingegen weist sie darauf hin, «dass von einem Unfallgeschehen auszugehen ist und keine Hinweise auf eine strafbare Dritteinwirkung vorliegen».
Gedenktisch in der Unterkunft
Den Freunden von Awad K. bleibt nur ein Gedenktisch, der für den Verstorbenen in der Unterkunft eingerichtet wurde. Dort würden Blumen, Kerzen und ein Kuscheltier an ihn erinnern. Zudem könne man sich in eine Art Kondolenzbuch eintragen. Ilios T. und Kiano P.: «Wir vermissen ihn jetzt schon.»
Die beiden Freunde zeigen Blick schliesslich die Traueranzeige mit dem Foto des Verstorbenen, die ebenfalls auf dem Tisch in der Unterkunft aufgelegt ist. Darauf steht ein Zitat des deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788-1860): «Ich glaube, dass, wenn der Tod unsere Augen schliesst, wir in einem Lichte stehen, von welchem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist.»
* Namen geändert