Darum gehts
- Eine junge Italienerin (†22) stirbt bei Schüssen auf Aarauer Rave-Party
- Zeugin berichtet von Todesangst und chaotischen Szenen
- Polizei ermittelt auf Hochtouren
Am Sonntagnachmittag spricht Blick mit einer Mutter, die an der Aarauer Rave-Party dabei war, als eine unbekannte Täterschaft eine junge Italienerin (†22) tötete und mehrere weitere Personen verletzte. Die junge Mutter wollte eigentlich nach langer Zeit wieder im Ausgang sein, um dann jedoch ein tödliches Drama zu erleben. Im Gespräch mit Blick berichtet sie, was sich in der Horrornacht zutrug.
Der Abend vor den Schüssen sei friedlich verlaufen, es sei weder überfüllt gewesen noch sei es in anderer Weise gefährlich gewesen, erzählt Verena K.* «Plötzlich hat sich mit der Schiesserei ganz am Schluss alles geändert.»
«Wir hatten mega Angst»
Verena K. wollte heimgehen. «Es hatte nicht mehr so viele Leute. Eher nur noch Leute, die angetrunken waren oder Substanzen genommen hatten.» Um 2.30 Uhr sei die Veranstaltung endgültig vorbei gewesen.
K. wollte nur noch schnell aufs WC gehen. Als sie die Toilette verliess, begann die Schiesserei. Sie habe, wie viele andere, zunächst an ein Feuerwerk gedacht. Schlagartig sei ihr aber klar geworden, dass es sich um etwas anderes handeln müsse. «Wir sind in die Kabine zurück und haben gewartet, bis die Polizei kommt.»
Zehn Frauen suchten im Inneren des WCs Schutz. «Wir hatten mega Angst. Wenn der Täter zu uns gekommen wäre, hätten wir keine Chance gehabt.»
Verena K. habe in diesem Moment an ihre Kinder gedacht. Gleichzeitig habe sie immer wieder einzelne Rufe von draussen gehört. Brüllt da der Täter herum? Das wissen die Frauen zu diesem Zeitpunkt nicht. Sie wählen den Notruf. «Etwa 20 bis 30 Minuten später ist die Polizei eingetroffen. Das ist eine lange Zeit, die man dort wartet und nicht weiss, ob man da noch lebendig herauskommt und seine Familie noch mal sieht.»
Waren es mehrere Täter?
Vor Aufregung sei K. zwischendurch übel geworden. «Es haben immer wieder Leute an die Tür geklopft. Wir wussten aber nicht, wer das ist. Immer wieder kam jemand Neues.» Aus Angst liessen sie die Tür verschlossen.
K. hat, wie auch der Sicherheitsverantwortliche Nico H., den Eindruck, dass die Schüsse von ausserhalb des Festivalgeländes gekommen seien. «Und eher von zwei Personen als von einer allein», schiebt sie nach. Waren es also mehrere Täter? Die Polizei tappt diesbezüglich noch im Dunkeln. Die Ermittlungen laufen auch gut 15 Stunden nach der Tat weiter auf Hochtouren.
«T-Shirt und Arme voller Blut»
Die Spezialeinheit der Aargauer Polizei habe ihnen schliesslich zu verstehen gegeben, dass die Luft rein war. Mit erhobenen Händen hätten die Frauen das WC verlassen.
Beim Hinausgehen habe Verena K. eine verletzte Person am Boden liegen gesehen. «Sie wurde in die Ecke getragen. Es waren Leute bei ihr, Freunde wahrscheinlich.» Auf eine Wunde am Bauch der verletzten Person hätten sie Tücher gedrückt.
Die Rave-Teilnehmer wurden zur Befragung durch die Polizei in eine Halle gebracht. «Wir haben Leute getroffen, die neben den Angeschossenen gestanden haben. Sie hatten das T-Shirt und die Arme voller Blut.»
Warum der Angriff auf den Aarauer Rave?
Nach der Befragung stiegen sie in einen Spezialbus. Unter dem Schutz der Spezialeinheit ging es zum Bahnhof Aarau – und von dort nach Hause.
Von anderen Augenzeugen in der Halle hat sie gehört, dass wild rumgeballert worden sei. Es seien ganz viele Schüsse gefallen, auch sehr viele abgelenkte Schüsse. Verena K. hatte Glück. «Ich bin einfach dankbar, dass ich daheim bin», sagt sie.
«Ich bin im Schock», fasst Verena K. ihre Gefühlslage am Sonntagnachmittag zusammen. «Ich weiss nicht genau, wo mir der Kopf steht.» Sie kann sich nicht erklären, warum die friedliche Raveparty Ziel eines Angriffs wurde.
* Name geändert