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Lukas (19) aus Stein AG:«Es ist schockierend, wenn man sowas hört»

Ist Emmanuel T. der Tote aus dem Rhein? Faustin (36) hat Leichenteil gefunden
«Wir sahen ein glatt abgeschnittenes Bein»

Drei Geflüchtete finden am Sonntagmorgen am Rheinufer in Stein AG einen Sack mit Leichenteilen. Sie vermuten, dass es sich beim Opfer um einen ihrer Freunde aus dem Asylheim handelt.
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Emmanuel T., Bewohner des Asylheims in Stein AG, wird seit Freitagabend vermisst.
Foto: zVg

Am Rheinufer in Stein AG treibt am Sonntag ein Sack, in dem sich ein Bein befindet. Später fischt die Polizei weitere Säcke mit weiteren Leichenteilen aus dem Fluss.

Nur so viel ist sicher: Es ist ein Mann. Doch die Identität der zerstückelten Leiche bestätigt die Polizei noch nicht. Und Todeszeitpunkt, Tatort, Täter sowie Motiv werden noch ermittelt.

Die Bewohner eines nahegelegenen Asylheims glauben jedoch zu wissen, wer das Opfer ist. Es soll sich um einen ihrer Mitbewohner handeln. Seit Freitagabend werde dieser vermisst.

Politik und kriminelle Netzwerke

Wie Blick-Recherchen zeigen, handelt es sich um Emmanuel T*. Ursprünglich komme er aus Burundi, sagt Faustin (36), einer der Männer, die die Säcke mit ihrem grässlichen Inhalt aus dem Wasser gefischt haben. Im Gespräch mit Blick wird deutlich, dass Faustin Angst hat. «Ich weiss nicht, wer meinen Freund getötet hat», sagt er.

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Blick-Reporterin in Stein AG:«Passanten fanden ein Bein im Sack»

Faustin spricht von Politik und Konflikten in Burundi. «Solche Leute bilden ein kriminelles Netzwerk», sagt er. Er ist sich auch sicher: Das war nicht die Tat einer einzelnen Person.

Ob sein Landsmann Emmanuel T. in solche Konflikte involviert gewesen sei, wisse er aber nicht genau. T. sei bereits seit etwa vier Jahren hier, befinde sich aber immer noch in der vorläufigen Aufnahme. Faustin selber ist, wie er sagt, erst seit eineinhalb Jahren in der Schweiz.

«Ein gläubiger Mensch»

Hatte sein vermisster Freund mit Drogen oder Alkohol zu tun? Faustin verneint diese Frage. «Er trank keinen Alkohol und war ein gläubiger Mensch.» Emmanuel sei Siebenten-Tags-Adventist und habe gemeinsam mit ihm einen religiösen Feiertag feiern wollen.

Aus diesem Grund hätten sie ihn auch am Samstag gesucht. Emmanuel lege grossen Wert darauf, diesen Tag zu feiern. «Deshalb hat es uns auch beunruhigt, ihn am Samstag nicht zu sehen. Sonst hätten wir vielleicht gar nicht nach ihm gesucht», sagt Faustin.

Mitbewohner über Vermissten

Auch der Zimmernachbar des Vermissten, ein Mann aus Bangladesch, der anonym bleiben will, erzählt nur Gutes über Emmanuel. Seit vier Monaten wohnen sie schon zusammen. Zuletzt habe er ihn am Freitagabend gegen 22 Uhr gesehen. Emmanuel habe ihm noch gesagt, dass er rausgehe.

Zuerst habe er sich nichts dabei gedacht, denn es sei öfters vorgekommen, dass Emmanuel T. auswärts bei Bekannten übernachtet habe. Gemäss dem Bangladescher sei er gut vernetzt gewesen. Am Samstag sei plötzlich ein Freund von Emmanuel bei der Asylunterkunft aufgetaucht und habe gefragt, wo dieser sei. Erst dann wurde ihm klar, dass etwas nicht stimmte. «Es sind immer mehr Leute aufgetaucht, die Emmanuel suchten.» Schliesslich hätten diese Personen dann die Polizei verständigt und den jungen Mann als vermisst gemeldet.

Schlimme Entdeckung am Fluss

Bei der Suchaktion am Fluss seien sie zu dritt gewesen, so Faustin. Dort stiessen sie auf den Sack. «Es war so ein schwarzer, wie die, die man für Müll benutzt.» Mit Stöcken hätten sie ihn näher ans Flussufer gezogen. «Als wir den Sack zogen, sahen wir, dass ein Bein aus dem Sack herausrutschte», schildert der junge Mann das Erlebte. «Wir sahen das Bein, der obere Teil war abgeschnitten. Glatt abgeschnitten, nicht zerfetzt oder so», sagt er.

Noch am Donnerstag hätten sie sich gemeinsam auf eine Demonstration gegen die Ausschaffung von Geflüchteten nach Burundi vorbereitet. «Burundi ist kein Land, das die Menschenrechte wirklich achtet», sagt Faustin. Emmanuel sei aktiv in die Organisation eingebunden.

«Ein grauenhaftes Verbrechen»

Ob sein Aktivismus ein mögliches Motiv hätte sein können, sei nur eine Hypothese, sagt Faustin. Er glaube aber, dass es ein persönliches Verbrechen sein müsse. «Wenn man nur töten will, lässt man ihn einfach sterben oder so etwas. Und dann muss man sich ja nicht selber aufschlitzen».

«Was wir gesehen haben, war wirklich ein grauenhaftes Verbrechen», sagt Faustin leise. An einen rassistischen Akt glaube er nicht. Emmanuel habe eine Ausbildung zum Altenpfleger beim Roten Kreuz in Aarau absolviert und ausserdem den Deutschkurs absolviert. «Er war fertig damit, er sprach wirklich gut Deutsch».

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Am Rhein-Ufer:Ermittler auf Spurensuche nach Leichenfund

Verfolgung und Auftragsmord

Faustin weiter: «Wir waren geschockt, wir alle wollten ins Wasser springen.» Sie hätten nachschauen wollen. Dann seien sie von der Polizei weggeschickt worden.

Aus den Medien erfuhr Faustin später, dass noch mehr Leichenteile aufgetaucht sind. Ob es sich wirklich um Emmanuel handelt, ist nach wie vor unklar. «Die Identität des Verstorbenen ist nicht abschliessend geklärt», sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau zu Blick. «Wir prüfen jedoch einen möglichen Zusammenhang zu einem Bewohner einer nahegelegenen Asylbewerberunterkunft, der aktuell vermisst wird.»

Massaker in Burundi und Tote in Flüssen

Weiter sagt Faustin, dass Menschen, die aus Burundi flüchten, bis ins Ausland verfolgt würden. «Vielleicht gibt es solche Leute auch in der Schweiz. Leute, die uns vielleicht im Auftrag der Botschaft verfolgen und ausschalten wollen».

«Ich habe Alarm geschlagen, als Emmanuel nicht da war.» Auch er hat nun Angst. «Wer die Spuren verwischen will, könnte mich leicht aus dem Weg räumen».

Ähnliches wie am Sonntag habe er bereits gesehen – in Burundi. «Massaker wie dieses hier. In Burundi tötet man Oppositionelle und ethnische Minderheiten und wirft sie in den Fluss», sagt er. Dass er mit den Medien spreche, ändere nichts daran oder mache es nicht gefährlicher für ihn. «Sie kennen mich bereits», sagt er.

* Name geändert

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