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Täterschaft noch unbekannt:«Eine Hypothese ist Terroranschlag»

Schnelle Entwarnung, Grossfahndung, offene Fragen
Diese Faktoren prägten die Polizeiarbeit in den ersten 24 Stunden nach der Rave-Schiesserei

Nach der Schiesserei in Aarau, bei der Maria S. (†22) getötet wurde, konnte ein Tatverdächtiger verhaftet werden. Zur Polizeiarbeit stellten sich einige Fragen. Stephan Reinhardt, Ex-Kommandant der Aargauer Kantonspolizei, beantwortete die wichtigsten davon für Blick.
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Nach den Schüssen am Aarauer Rave laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Schüsse bei Rave in Aarau: Frau (†22) tot, fünf Verletzte
  • Mutmasslicher Täter verhaftet
  • Wann es zu einer Festnahme kommt, lässt sich nicht seriös beantworten
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Marian NadlerRedaktor News

Mehr als 24 Stunden ist es her, dass am Rave in Aarau Schüsse fielen. Die in der Schweiz wohnhafte Italienerin Maria S.* (†22) kam bei dem Angriff ums Leben, fünf weitere Personen wurden teils schwer verletzt.

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«Das hast du nicht verdient»:Tiktok-Video zeigt das Opfer bei der Arbeit

In der Nacht auf Montag konnte ein Tatverdächtiger verhaftet werden. Es handelt sich um einen 43-jährigen Schweizer. Die Festnahme ist das Ergebnis intensiver Ermittlungsarbeit. Blick beantwortet die wichtigsten Fragen zum Vorgehen der Polizei.

Welche Mittel kamen zum Einsatz?

«Aktuell ist praktisch die ganze Polizei aus dem Aargau auf den Beinen», sagte Mediensprecher Bernhard Graser am Sonntagnachmittag. Mehr als 100 Polizisten sollen im Einsatz gewesen sein. Hinzu kamen Rettungskräfte, auch die Feuerwehr, der Rettungsdienst, das Kantonale Katastrophen Einsatzelement (KKE) sowie ein Superpuma-Helikopter der Armee. Das Schachen-Areal wurde grossräumig abgesperrt, und an allen Zufahrtswegen in der Region Aarau wurden Personenkontrollen durchgeführt.

Warum gab die Polizei so schnell Entwarnung?

Wenige Stunden nach der Tat erklärte die Kantonspolizei Aargau, es gebe keine Gefahr mehr für die Bevölkerung. Zu diesem Zeitpunkt waren der oder die Täter noch nicht gefasst. War die Lage sicher?

Die Entwarnung bezog sich dabei auf den Ereignisort. Er konnte schnell von den Einsatzkräften gesichert werden. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass von der flüchtigen und möglicherweise bewaffneten Täterschaft keine Gefahr mehr ausging.

Sind die Täter geflüchtet, trennt die Polizei in ihrer Arbeit zwischen Gefahrenabwehr und Strafverfolgung. Man stellt sich laufend die Frage, ob die Täterschaft noch weitere Menschen angreifen oder bedrohen kann. Kann diese Frage mit Nein beantwortet werden, rückt die Strafverfolgung in den Vordergrund: Wo befindet sich der Tatverdächtige, und wie kann er identifiziert und festgenommen werden?

Die Fahndung und die Ermittlungen liefen weiter. Deshalb war der Aarauer Schachen am Sonntag auch noch grossräumig abgesperrt, obwohl die Täterschaft mutmasslich über alle Berge war.

Wie lief die internationale Zusammenarbeit der Behörden?

Neben den nationalen Fahndungsmassnahmen, etwa der Ausschreibung im nationalen Fahndungssystem Ripol, werde in einem solchen Fall immer auch eine internationale Fahndung ausgelöst, erklärt Stephan Reinhardt, Ex-Kommandant der Aargauer Kantonspolizei, auf Blick-Anfrage – «zunächst im Schengenraum mittels einer Ausschreibung im Schengener Informationssystem SIS». Der Rechtsanwalt erläutert weiter: «Dies hat neben der sofortigen Information der grenzpolizeilichen Behörden an den Landesgrenzen, Flughäfen und Bahnhöfen auch die Weitergabe bekannter Merkmale der Täterschaft an sämtliche Polizeibehörden der Schengen-Mitgliedstaaten zur Folge.» So können die Schengen-Staaten auch im jeweiligen Landesinneren nach den mutmasslichen Tätern suchen.

Wie die Deutsche Presse-Agentur (DPA) berichtete, war an den allgemeinen Fahndungsmassnahmen routinemässig auch die deutsche Polizei beteiligt. Was bedeutet das konkret?

Die Schweizer Behörden haben die deutschen Kollegen über die unbekannte Täterschaft und die laufende Fahndung informiert. Von Aarau bis zur deutschen Grenze braucht man mit dem Auto weniger als eine Stunde.

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg machte ausdrücklich keine Angaben, welche konkreten Schritte auf deutscher Seite unternommen werden. Reinhardt erwähnt als Sofortmassnahme gründliche Personenkontrollen an den nähergelegenen Grenzübergängen.

Wird jetzt verstärkt an den Grenzübergängen kontrolliert?

Unabhängig vom Fall Aarau führt Deutschland derzeit bereits vorübergehende Kontrollen an seinen Binnengrenzen durch – zur Bekämpfung von irregulärer Migration und Schleusungskriminalität. Zudem kann die deutsche Bundespolizei im Grenzgebiet bis zu 30 Kilometer hinter der Grenze Kontrollen durchführen. Sollte sich im Zuge der Ermittlungen eine konkrete Spur nach Deutschland ergeben, könnten die deutschen Behörden ihre Fahndungsmassnahmen entsprechend anpassen oder verstärken.

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Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau gibt ein erstes Update:«Die Täterschaft ist auf der Flucht und verschwunden»

Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit einer Festnahme?

«Ein Erfolg ist in solchen Fällen von verschiedenen Faktoren abhängig», weiss Ex-Polizeikommandant Reinhardt. Er nennt etwa Zeugenbefragungen, Auswertung von Tatwaffen und Munition sowie Bildmaterial als Beispiele.

Gleich mehrere weitere Faktoren sprachen gegen eine schnelle Festnahme: Noch immer ist unklar, ob es ein oder mehrere Täter waren und ob eine oder mehrere Personen gefeuert haben. Auch das Motiv ist noch völlig unklar. Die Täter hatten viel Zeit, um sich möglichst weit vom Tatort zu entfernen. Ein konkreter Aufenthaltsort ist nicht bekannt.

Trotzdem ist es den Beamten gelungen, keine 24 Stunden nach dem Angriff einen Tatverdächtigen zu verhaften. Offen ist noch, ob er alleine agierte oder Komplizen hatte.

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