Darum gehts
- Ein 18-Jähriger starb, ein 17-Jähriger verletzte sich nach erneutem Trainsurfen
- Der verletzte Jean M. lag im künstlichen Koma und hatte eine Hauttransplantation
- Blick sprach mit einem Freund des Schwerverletzten
Junge Männer zieht es aufs Zugdach. Mit dramatischen Folgen, gerade in den letzten Wochen: In Langenthal BE starb ein 14-Jähriger. In Zofingen AG liess ein 17-Jähriger sein Leben. In Beinwil am See AG starb ein 18-Jähriger – er surfte auf einem fahrenden Zug. Nicht einmal eine Woche später wurde ein 17-jähriger Trainsurfer im Nachbardorf Mosen LU schwer verletzt, weil er ebenfalls zu nahe an die 15'000-Volt-Stromleitung geriet. Es kam heraus: Er war bereits bei der Todesfahrt des 18-Jährigen dabei gewesen – und stieg dennoch wieder auf einen fahrenden Zug.
Jetzt zeigen Recherchen von Blick: Beim verunfallten 17-Jährigen von Mosen handelt es sich um Jean M.*, der aus der Region kommt. «Ich bin ein guter Freund von ihm», bestätigt Roman T.* (18). Er sei noch nicht dazugekommen, ihn im Spital zu besuchen. Aber: «Ich weiss, dass seine Familie und ein paar Kollegen, die ich auch kenne, bei ihm vorbeigegangen sind.»
Foto aus Spital mit Victory-Zeichen
Roman T. zeigt Blick ein Bild, das der Überlebende ihm aus dem Spital geschickt hat: Er liegt mit freiem Oberkörper unter einer blauen Decke, hat die Mundwinkel nach unten gerichtet, zeigt aber mit zwei Fingern der rechten Hand das Victory-Zeichen. «Er hat das Foto geschickt, damit man Bescheid weiss, dass er stabil ist und es ihm jetzt wieder einigermassen gut geht», erklärt Roman T.
Der 18-Jährige weiss auch, dass sein Freund «im künstlichen Koma» lag, er «aber wieder aufgewacht ist». Und, so Roman T.: «Er hatte eine Hauttransplantationsoperation.» Man habe lange nicht gewusst, ob er es schaffe. Nun aber: «Ich bin zuversichtlich, dass es ihm wieder ziemlich gut geht.»
Konnte Jean M. es einfach nicht glauben?
Warum Jean M. – obwohl er beim Tod seines Freundes dabei gewesen war – nochmals auf einen Zug stieg, weiss der Freund nicht genau. «Ich glaube, er konnte es einfach nicht glauben, dass dies passiert ist», sagt Roman T. Den zuvor verstorbenen 18-Jährigen habe er nicht gekannt. Laut Blick-Informationen soll dieser aus dem Kanton Bern stammen.
Roman T. will andere, junge Männer vor dem Trainsurfen warnen: «Es ist lebensgefährlich! Macht dies wirklich nicht, es ist ein Scheissdreck.» Er sagt zudem: «Es gibt immer jemanden, der zu Hause auf euch wartet und hofft, dass ihr heimkommt – Familie und andere geliebte Menschen.» Es sei ein grosses Risiko, auf Züge zu steigen. «Ihr riskiert andere Menschenleben und blockiert auch noch den Verkehr.»
«Erhol dich gut!»
Der Familie von Jean M. wünscht Roman T. «alles Gute». Und seinem Freund: «Gute Gesundheit und erhol dich gut!» Wann Jean M. das Spital verlassen kann, sei noch unklar. Gegenüber Blick wollten weder er noch seine Angehörigen etwas sagen.
Gegen Jean M. sind die polizeilichen Ermittlungen noch am Laufen. Er dürfte sich für beide illegalen Fahrten vor der Jugendanwaltschaft verantworten müssen.
* Namen geändert