17-Jähriger klettert auf Zug und erleidet Stromschlag
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Gedenkstätte am Unfallort:17-Jähriger klettert auf Zug und erleidet Stromschlag

Aleksa (†17) stirbt in Zofingen AG durch Stromschlag auf Güterzug – Vater trauert
«Seine Kollegen haben nur noch einen Blitz gesehen»

In Zofingen AG ist ein 17-jähriger Junge ums Leben gekommen, als er einen Güterzug bestieg und einen Stromschlag erlitt. Blick konnte mit seinem Vater sprechen. Er sagt: «Das soll niemandem mehr widerfahren!»
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Nikola M. trauert um seinen Sohn Aleksa (†17) und spricht mit Blick über das Drama.
Foto: Ralph Donghi

Darum gehts

  • 17-Jähriger stirbt in Zofingen AG durch Stromschlag auf Güterzug
  • Vater warnt Jugendliche nach tödlichem Unfall seines Sohnes Aleksa M.
  • Güterzug-Stromleitungen tragen 15'000 Volt Spannung, Lebensgefahr nur schon in der Nähe
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Ralph DonghiReporter News

Als am Samstag die Meldung von der Kantonspolizei Aargau verkündet wird, kommt bei vielen Menschen sofort ein Gedanke hoch: Nicht schon wieder. Erst gerade ging in Langenthal BE ein 14-Jähriger auf einen Güterzug – und starb wegen einer 15'000-Volt-Stromleitung. Er wollte auf einem Waggon offenbar Fotos machen. Jetzt ist es in Zofingen AG wieder passiert. Diesmal starb ein 17-Jähriger.

Recherchen von Blick zeigen: Beim Verstorbenen handelt es sich um Aleksa M.* (†17) aus dem Kanton Luzern. «Es ist die Hölle. Das soll niemandem mehr widerfahren», sagt sein Vater Nikola M.* (43). Er ist bereit, über das Drama zu sprechen. Die Mutter von Aleksa sitzt weinend auf einem Sofa und wird von Angehörigen getröstet. «Es ist ganz schlimm für uns alle», sagt Nikola M. Auf einem Tisch wurde für Aleksa ein Traueraltar samt Foto errichtet. Eine Kerze schenkt ein wenig Trost.

Das letzte Selfie mit Aleksa

Dann erzählt der Vater von Aleksa, der als Betriebsmechaniker im zweiten Lehrjahr und im Fussballverein war. «Er war so ein Lieber», sagt Nikola M. «Er war gut erzogen, immer aufgestellt und zu allen nett.» Er sei mit Aleksa und dem jüngeren Sohn erst gerade noch in einem Einkaufscenter gewesen. «Das ist das letzte Selfie, auf dem er zu sehen ist», sagt Nikola M. und zeigt das Bild auf seinem Handy. Er gibt Blick das Einverständnis, seinen Sohn zu zeigen – auch die Bilder von ihm, die an der Unfallstelle zwischen ganz vielen Blumen und Kerzen aufgestellt sind.

«Aleksa war am Freitagabend noch im Ausgang», sagt Nikola M. weiter. Er sei mit Kollegen in einem Club in der Region gewesen und dann «mit dem Bus oder zu Fuss» zum Bahnhof Zofingen gegangen. «Er hat um 1.30 Uhr noch mit seiner Mutter telefoniert und gesagt, er käme jetzt dann heim», so der Vater.

«Ich gehe schnell aufs WC»

Doch dann passiert es. Nikola M. weiss von den beiden gleichaltrigen Kollegen, die dabei waren, dass sein Sohn gesagt habe: «Ich gehe schnell aufs WC.» Dies, weil Aleksa offenbar nicht wusste, wo das offizielle WC war – «er hatte halt auch Bier getrunken», sagt sein Vater. Aleksa habe dann Gleis 3, wo kein Zug gestanden habe, überquert und sei in Richtung des Güterzuges, der auf einem Abstellgleis stand, gelaufen. «Ich weiss nicht, wo er beim Zug genau aufs WC wollte.»

Sicher ist: Laut der Kantonspolizei Aargau bestieg der Jugendliche in der Nacht auf Samstag einen stehenden Wagen eines Güterzugs, erlitt dabei einen Stromschlag und stürzte zu Boden. Polizeisprecher Bernhard Graser sagt: «Dieser jüngste Fall zeigt einmal mehr auf tragische Weise, wie in der Nähe der Fahrleitung absolute Lebensgefahr herrscht. Niemals dürfen die überall angebrachten Warnschilder missachtet und Waggons oder Masten bestiegen werden.»

Kollegen mussten alles mitansehen

Schon einmal warnten Eltern nach einem ähnlichen Drama im Blick. Im Jahr 2012 starb in Hunzenschwil AG der 16-jährige Raffi (†), als er in seiner Euphorie auf einen Güterzug stieg und von einem Stromschlag getroffen wurde.

Besonders tragisch ist, wenn Kollegen alles noch mitansehen müssen. Wie in Langenthal und jetzt in Zofingen: «Seine Kollegen haben nur noch einen Blitz gesehen», sagt der Vater des verstorbenen Aleksa. «Es war für sie natürlich auch der Horror, dass sie das miterleben mussten.» Es ist 3.15 Uhr, als die Kumpels Alarm schlagen. Doch Polizei und Rettungsdienst können nur noch den Tod des 17-Jährigen feststellen.

«Er wusste doch, dass man das nicht darf»

«Nur schon, wenn wir davon sprechen, kommen uns die Tränen», sagt der Vater von Aleksa. «Da kann man nichts tun.» Trotz seines grossen Seelenschmerzes will Nikola M. andere Jugendliche warnen: «Bleibt möglichst weit weg von Gleisen und Zügen!» Er habe seinem jüngeren Sohn sagen müssen, wie sein grosser Bruder gestorben sei. Sogar er habe gesagt: «Er wusste doch, dass man das nicht darf.»

Zurzeit werde der Leichnam von Aleksa obduziert. «Danach werden wir ihn im Heimatland Serbien beerdigen», sagt sein Vater Nikola M. «Doch Angehörige und Freunde werden auch hier in der Schweiz noch Abschied von Aleksa nehmen können.»

* Namen bekannt

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