Darum gehts
- Ein 14-Jähriger stirbt am 13. Januar in Langenthal BE durch einen Stromschlag
- Der Jugendliche wollte sich auf einem Güterzug fotografieren, 15’000 Volt töteten ihn
- SBB und Polizei warnen vor dem Besteigen von Zügen – 2012 starb wegen Stromschlags ein 16-Jähriger im Aargau
Es ist ein schreckliches Drama, das sich in der Nacht auf Dienstag am Güterbahnhof in Langenthal BE abgespielt hat: Zwei Jugendliche besteigen einen abgestellten Güterzug, dabei wird ein 14-Jähriger von Lichtbögen getroffen – er zieht sich schwerste Verletzungen zu und kann nur noch tot geborgen werden. Sein Kumpel kommt mit leichten Verletzungen davon.
Jetzt zeigen Recherchen von Blick: Beim Verstorbenen handelt es sich um den Schüler Adon T.* aus der Region Langenthal. «Es ist schrecklich», sagt sein Bruder Kiros T.* (20) im Beisein von vielen Angehörigen und Freunden zu Blick. «Es geht uns allen sehr schlecht.»
Es hat überall Warnschilder
Adon sei an jenem Abend mit Freunden in der Stadt unterwegs gewesen, erzählt sein Bruder weiter. Irgendwann kamen die Jugendlichen beim Güterbahnhof an. Obwohl es auf dem Areal wegen der Starkstromleitungen überall Warnschilder gibt, die auf die Lebensgefahr beim Berühren der Leitungen hinweisen, stiegen Adon T. und sein Kumpel auf einen Güterzug.
«Er war halt ein sehr neugieriger Typ», so sein Bruder. «Und in dem Alter kann es gefährlich sein, wenn man die falschen Entscheidungen trifft.» Dann sagt er, dass sein Bruder sich auf dem Zug offenbar habe fotografieren lassen wollen. «Dann ist dieses schreckliche Unglück passiert.»
15’000-Volt-Stromleitung
Der 14-Jährige hatte gegen die 15’000-Volt-Stromleitung, die über dem Zug hing, keine Chance. Der Knall kurz nach 2.20 Uhr war bis in die Nachbarschaft zu hören. Die Rettungskräfte waren schnell vor Ort, doch für Adon T. kam jede Hilfe zu spät. «Ich konnte mich noch von meinem Bruder verabschieden», sagt Kiros T. Es sei sehr traurig gewesen. «Man hat ihn kaum erkannt.»
Vorwürfe macht Kiros T. niemandem. Er überlässt die Ermittlungen der Kantonspolizei Bern. Auch im Netz wird derweil öffentlich mit grosser Anteilnahme und Bildern um Adon T. getrauert. Er werde in seinem Heimatland Eritrea seine letzte Ruhe finden, sagt sein Bruder.
SBB und Polizei warnen immer wieder
Auf den Schweizer Bahnhöfen steigen immer wieder Jugendliche auf Züge oder begeben sich in die Nähe einer Starkstromleitung. Man muss diese nicht einmal berühren, um in Gefahr zu kommen – in ihrer Nähe zu sein, reicht schon aus. Die SBB und die Polizei warnen immer wieder vor diesen Gefahren.
In Goldau SZ kletterte letztes Jahr ein 17-Jähriger auf einen Zug – er überlebte. Ein Jahr zuvor verletzte sich ein 14-Jähriger in La Punt-Chamues-ch GR, als er das Gleiche tat. Und im Aargau zum Beispiel starb im Jahr 2012 Raphael Abt mit 16 Jahren, als er euphorisch auf einen Zug stieg und durch einen Stromschlag tödlich verletzt wurde. Seine Eltern warnten damals im Blick andere Jugendliche. Dies macht nun auch Kiros T.: Es stünden alle in der Verantwortung, aufzupassen – «die Jugendlichen, aber auch die Eltern und die Gesellschaft».
* Namen geändert